Der Hipster und sein Jutebeutel

Der Hipster trägt einen Jutebeutel. Dies ist eine der ersten Erkenntnisse, die wir aus unserer Studie zur Hipsterkultur ziehen konnten. Als Symbol des Hipsters erlebt der Jutebeutel seit dem vergangenen Jahr einen Aufschwung. Doch als eine Gruppe, in derer sich die Zugehörigkeit der Anhänger durch ihre Kleidung definiert, ist dieses Phänomen schnelllebig und wandelbar. Hat also jeder Hipster auch einen Jutebeutel? Gibt es überhaupt noch ein Symbol, das Männer und Frauen gemeinsam auszeichnet und über das man sie als Hipster identifizieren kann?

Fragt man einen Menschen mit Jutebeutel – egal ob männlich oder weiblich – sagt er, er sei kein Hipster. Ebenfalls ein typisches Merkmal dieser Subkultur. Fragt man Jemanden ohne Jutebeutel wird er ebenfalls sagen, er sei kein Hipster, auch wenn er sich durch den in der Studie genannten typischen Kleidungsstil auszeichnet. Wie findet man also heraus ob der Jutebeute das Symbol der jugendlichen Hipsterkultur ist, wenn jeder sagt, er habe mit Hipstern nichts zu tun?

Für unsere Studie haben wir Menschen gefragt, was sie von dieser Subkultur halten und vor allem woran man sie erkennt. Einig waren sich alle über deren Motivation: Der Hipster folgt keiner politischen oder gesellschaftlichen Ideologie. Er ist einzig und allein darauf bedacht individuell zu sein. Sein Erkennungsmerkmal ist kein bestimmtes Auftreten, kein bestimmtes Zeichen oder eine Geste, einzig und allein die Kleidung macht einen Hipster als Hipster erkennbar. Wie diese Kleidung aber genau auszusehen hat, darüber herrscht keine Einigkeit. Dass sich aber Frauen und Männer unterscheiden, glauben die meisten zu wissen. Die Schwierigkeit ist es also eine charakteristisches Symbol für eine Gruppe zu finden,  die man nicht klar definieren kann – die sich vielleicht auch gar nicht definieren lassen will.

Warum also ist es so schwer etwas zu finden, das alle Angehörigen dieser Gruppe auszeichnet? Zuerst einmal gibt es keine klaren Stilvorgaben. Ein männlicher Hipster kann laut den Umfrageergebnissen Bart und Holzfällerhemd tragen, genauso gut kann er aber auch ein altes Hemd zur Röhrenjeans anziehen. Das Hipster-Mädchen trägt einerseits Nerdbrille und Turnschuhe, andererseits auch Wollmütze und weite Shirts. Diese Stilbrüche sind sicher auch eine Folge der gewollten Individualität. Wer versucht individuell zu sein, lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Wie einer der Studienteilnehmer richtig anmerkt, wäre es „falsch Hipster definieren zu wollen, da eine Definition einer Kategorisierung gleicht und sich Hipster nicht kategorisieren lassen wollen.“

Eine Definition über ein bestimmtes Merkmal ist tatsächlich schwierig, die Definition über einen gesteigerten Wille zur Individualität schon eher möglich. Als Projektionsfläche eines eigenen individuellen Statements – einer Meinung, die nur wenige teilen – ist der Jutebeutel gut geeignet, sowohl für Männer als auch für Frauen. Aber ist das Hipstertum überhaupt noch eine eigene Subkultur oder vielmehr schon ein allgemeiner vestimentärer Trend? Diese Frage gilt es weiter zu erforschen, denn mit den Ergebnissen unsere Studie können wir sie leider nicht beantworten. Fakt ist jedoch: Der Jutebeutel scheint ein praktisches Hilfsmittel im Kampf der Individualitäten zu sein – für Hipster und Nicht-Hipster.