Kompakt, praktisch, … pink. Das Werkzeug für die Frau.

Pink, sportlich- elegant, stylisch und alles andere als langweilig. Keines dieser Attribute darf fehlen, wenn im Internet und anderswo für Werkzeug geworben wird. Für „das perfekte Frauen-Werkzeug“1. Freilich, das Angebot lässt an Vielfalt fehlen, wenn es um Einsatzmöglichkeiten geht. So ist etwa im 28- teiligem Werkzeugkoffer der Marke „Tussi on Tour“2 lediglich Hammer, Zange, ein Satz Schraubenzieher sowie eine Wasserwaage enthalten, die aussieht als wäre sie eben einem Überraschungsei entsprungen. Und im Bereich der Elektrowerkzeuge sieht es ähnlich mager aus. Angepriesen werden keine Tischkreissägen oder Bohrhämmer, sondern nur einige wenige „frauentaugliche“ Akkuschrauber.

Sei es wie es ist, Ausgleich findet diese Knappheit in der Vielzahl der designerischen Spielereien, die die bunten Haushaltshelfer3 unschlagbar attraktiv, wenn auch nur begrenzt nutzbar, machen. Von rosa über pink bis buntgeblümt findet sich in kleinen, großen und mittleren Werkzeugtäschchen- und köfferchen, selbst zum Teil mit Strass verziert, scheinbar alles, was das Heimwerkerinnenherz begehrt.

Demgegenüber gestaltet sich die Suche nach „Männerwerkzeug“ deutlich schwieriger, denn hier war schwer festzustellen, welches Werkzeug denn nun explizit für Männer geeignet ist.

Die Antwort: Jedes, ausgenommen natürlich das Bunte, den Frauen vorbehaltene, Werkzeug. Wie selbstverständlich wird herkömmliches Werkzeug dem Mann zugeordnet, unabhängig davon wie gut oder schlecht er damit umzugehen versteht.

Beworben mit Eigenschaften wie kraftvoll, professionell, präzise und beschrieben mit vielerlei Zahlenwerk, kann sich das „Männerwerkzeug“ zwar in puncto äußerer Erscheinung kaum mit seinem „weiblichen“ Pendant messen, aber seine Einsatzbereiche sind schier endlos. Professionell schraubend, schleifend, sägend, fräsend, bohrend und mähend präsentieren sich die meist männlichen Werbefiguren der Werkzeughersteller4. Frauen sind oft nur staunend dreinblickendes Beiwerk, ob des heldenhaften Umgangs ihrer Artgenossen mit schwerem Gerät.

Was ist nun die Intention der Anbieter von „Frauenwerkzeug“? Wollen sie mit ihren Angeboten wirklich gegen die Vorstellung kämpfen Werkzeug, und damit auch Handwerk, sei eine männliche Domäne, in der Frau nur eine Rolle spielt, wenn sie halbnackt und lüstern vom Kalender auf die Werkbank blickt?

Dagegen spricht die Tatsache, dass dieses Werkzeug einem materialisierten Klischee entspricht, welches sich in Farbe und Handhabung scheinbar weiblichen Vorlieben anpasst. Es werden Rollenbilder zelebriert und wiederholt, die den vermeintlichen Vorstoß, Frauen an Werkzeug heranzuführen, ad absurdum führen. So präsentieren sich „Frauenwerkzeuge“ eher als Partygags und lustige Geschenke für „echte Tussis“5 denn als ernstzunehmende Beispiele für einen emanzipierten Umgang mit der immer noch männlich dominierten Welt des Handwerks.

 Doch wenngleich die Betreiber von Seiten wie tussiontourshop.de eine gewisse Zielgruppe ansprechen mögen, sind in entsprechenden Foren überwiegend Stimmen zu hören, die die Angebote als Marketing-Strategien entlarven und Werkzeug nicht als männliches, sondern menschliches Hilfsmittel verstehen. Um mit Pinguin3 zu sprechen: „Gutes, praktisches, funktionstüchtiges Werkzeug muss nicht speziell für Frauen konzipiert sein, damit die auch damit umgehen können.“6

3Man mag es mir verzeihen, dass ich rosafarbene und buntgeblümte Variationen der Gattung Werkzeug nicht im Professionellen-, sondern eher im Haushalts- und Heimwerkerbereich verorte, wohin sie der Hersteller zweifelsfrei auch hingedacht hat.

4Besonders zu empfehlen ist hier das Werbevideo für Boschs blaue Elektrowerkzeuge:

http://tooltv.de/youtube/Echt-Bosch-!-Blaue-Elektrowerkzeuge-von-Bosch-f%C3%BCr-Profis-aus-Handwerk-und-Industrie/0e5d3ae201277b815e0f57f5339a2d92. 29.09.2013.