Das Problem mit der Individualität – Frauen in der Hipsterwelt

Seit Monaten geistert ein neues Phänomen durch die Medien. Der Hipster, eine neue
Subkultur, die von New York zuerst nach Berlin überschwappte und von dort aus ganz
Deutschland besiedelte. Doch die Hipster-Bewegung ist keine Bewegung im klassischen
Sinne. Weder verfolgen deren Anhänger eine ideologische Motivation, noch zählen sie sich
selbst zu dieser Subkultur und lehnen den Begriff Hipster als charakterisierenden
Namenszusatz strikt ab. Was macht also einen Hipster aus? Wie erkennt man ihn und
worüber definiert er sich?
Es ist vor allem der Drang zur Individualität und die Abgrenzung zu anderen Menschen, die
den Hipster ausmachen. Dies lässt sich am Besten durch die Art des Sich-Kleidens realisieren.
Eine fast ausschließliche Definition über die Kleidung macht dieses Phänomen schnelllebig
und wandelbar. Da es einem vestimentären Trend folgt, verändert es sich schnell.
Auffallend ist die mediale männliche Konnotierung dieser Subkultur. Weibliche Hipster sind
entweder rar oder schwer zu definieren, deswegen hat es uns interessiert, wie weibliche
Hipster von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Anhand einer Umfrage und einer
teilnehmenden Beobachtung haben wir versucht, eine gesellschaftliche Definition des
weiblichen Hipsters zu erstellen.
Während weibliche Hipster in der Umfrage genau beschrieben werden sollten, wurde zu
Hipster-Männern speziell nichts gefragt, dafür aber zum Hipster-Phänomen generell.
Auffällig war, dass bei dieser Beschreibung häufig Merkmale männlicher Vertreter genannt
wurden, die sich meist nicht viel unterschieden. Demnach trägt der Hipster-Mann Bart, enge
Jeans, Nerd-Brillen und Flanellhemden – vor allem Second-Hand-Mode.
Im Vordergrund stehen Individualität, Lockerheit und vor allem das Überschreiten von
kleidungstechnischen Grenzen. Mit einer bestimmten Kleidungsweise geht auch ein
bestimmtes Konsumverhalten einher. Dieses ist vor allem geprägt von Szenegetränken aus
natürlichen Zutaten (z.B. Club Mate) und fair gehandelten und biologischen Nahrungsmitteln.
Typische weibliche Hipster-Merkmale gibt es laut der Umfrage nicht. Nur in einem sind sich
die Befragten einig: auch das Hipster-Mädchen ist locker und individuell. Eine Erklärung für
die charakteristische Ratlosigkeit findet sich in den Umfrageergebnissen ebenfalls. Frauen
seien generell “offener in Modefragen” und es gebe “mehr verschiedene Stile”. Wie grenzt
man sich also von anderen ab, wenn nicht durch großflächige Kleidung wie Hose oder Jacke?
“Hipster-Weibchen” definieren sich vor allem über Schuhe und Accessoires. Auffällig sind die
bei den Schuhen genannten Modemarken, die vor allem aus der Skater-Kultur stammen.
Beispiele hierfür sind Vans, Converse und auch Nike. Während sich das “Hipster-Männchen” also eher mit der Mode aus dem letzten Jahrzehnt kleidet, wählt das Hipster-Mädchen Kleidung
und Accessoires bekannter Marken aus.
Die männliche Konnotierung dieser Subkultur hat wohl nichts mit einer stereotypischen
Bevorzugung des männlichen Exemplars zu tun. Laut den Ergebnissen der Umfrage ist
Individualität bei Frauen schwerer auszumachen, weil sie vestimentär generell sehr
individuell sind. Deshalb ist es schwer eine Definition anhand bestimmter äußerer Merkmale
zu verfassen. Einzig die Affinität zu bestimmten Marken lässt auf einer Zugehörigkeit zu
dieser neuen Subkultur schließen, obwohl diese Zugehörigkeit wahrscheinlich von diesen
selbst bestritten werden würde.