Männliche Extravaganz auf dem Festival-Gelände

Was ist typisch männlich? Die Kette möglicher Assoziationen reicht von Axt bis Vorschlaghammer, von Anzug bis Zylinder. Alle diese Vorstellungen haben sicher ihren wahren Kern, doch betrachtet man ausschließlich die Gruppe männlicher Teilnehmer des Southside-Festivals in Neuhausen ob Eck, muss die Liste um einige eher unerwartete Stichworte erweitert werden.

  • Bademäntel. Spätestens seit 1998, dem Erscheinungsjahr des Films „The Big Lebowski“ der Gebrüder Coen, ist der Bademantel zur echten Stilikone geworden. Und das betrifft ausdrücklich nicht nur die eigenen 4 Wände oder die Sauna im Schwimmbad nebenan. Glauben Sie nicht? Bitteschön:

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  •  Matrosen-Stil. Klar, Seefahrer waren immer echte Kerle, aber so was ist doch längst aus der Mode. Stimmt nicht ganz. Auf dem Southside war auch dies zu beobachten. Inspiriert möglicherweise auch durch Trendsetter auf der Bühne, beispielhaft die Band Turbonegro mit diesem Bild von 2005, teilweise mit Anleihen an Captain Jack Sparrow. (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Turbonegro,_Southside_Festival_2005.jpg)

10 - SoSi 05 wikipedia turbonegro

  •  Naturschutz. Angesichts der möglicherweise nicht optimalen Ernährung während des Festivals darf der Nährwert des menschlichen Düngemittels bezweifelt werden, doch der gute Wille ist nicht zu übersehen.

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  •  Nudismus. Ein völlig anderer Ansatz.Vielleicht die konsequenteste Art der Dekonstruktion von Geschlechterrollen. Insofern vielleicht nicht „typisch männlich“, aber auf jeden Fall mutig. (Hinweis: Die Größe der Zensurbalken gibt nicht notwendigerweise die Größe des zu verschleiernden Objekts wider)

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  •  Regencapes. Wohl eines der häufigsten männlichen Kleidungsstücke auf Musikfestivals überhaupt. Bevorzugt in pink und stilecht kombiniert mit kurzer Hose.

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  •  Windeln. Fragen Sie nicht. Das entsprechende Foto sparen wir uns an dieser Stelle auch besser.
  •  u.v.m.

Die eigentlich spannende Frage dürfte nun aber lauten, was einige männliche Besucher des Festivals eigentlich zu dieser modischen Extravaganz motiviert. Um ehrlich zu sein, kann ich diese Frage kaum beantworten. Einer der naheliegenden Gründe ist gleichzeitig mit dafür verantwortlich, dass ich vor Ort von den betroffenen Personen nur selten brauchbare Antworten erhielt, denn dieser Grund zirkulierte bei nicht wenigen, das gesamte Festival über, durch den Blutkreislauf. Ich spreche nicht von Orangensaft.

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Interessant ist jedenfalls, dass Männer auf dem Festival im Schnitt deutlich stärker von sinkenden Hemmschwellen und steigender Lust auf modische Experimente zu profitieren scheinen (bzw., je nach Betrachtungsweise, darunter leiden müssen). Ob es bei Frauen dazu weniger Anlass gibt, oder sich diese schlicht besser im Griff haben, wäre dabei noch zu klären. Fakt ist: Irgendwer muss die Outfits (mehr oder weniger nüchtern) in den Koffer gepackt haben.