Das 20. Jahrhundert war die Geburtstunde des Schuhdesigns. Denn in dieser Zeit erlebte die Haute Couture eine Konjunktur, die auch mit der Entwicklung des Schuhs als Mode-Accessoire einher ging, da der richtige Schuh über „Sieg und Fall“ eines Looks entscheiden kann.

Der spanische Schuhdesigner Manolo Blahnik, der durch die Serie Sex and the City weltebekannt wurde, hebt in der Aussage, warum er gerade Schuhe entwirft, eine Besonderheit heraus, die allgemein für Mode und besonders für Schuhmode gilt:

„Wahrscheinlich hätte ich auch Kleider oder Hüte entwerfen können, doch im Schuh vereinte sich für mich das meiste, was mir als Modeschöpfer vorschwebte. Es ist immer wieder eine Herausforderung, dem Problem, das der Fuß darstellt, gerecht zu werden das rechte Gleichgewicht zu finden zwischen Komfort, Qualität und Design.“

Das ständige Aushandeln und Neudefinieren zwischen Mode und Körper(-gefühl), sowie Menschenbild gesellschaftlichen Normen, technischer Entwicklung im Lichte der Globalisierung , wird an der Fußbekleidung und ihrer Geschichte am Deutlichsten.

Wie Modedesigner müssen aber auch Schuhdesigner für einen Markt produzieren (siehe Interview mit Kostümbildnerin zur Frage Unterschied Modedesigner und Kostümbilder), und bis zu einen gewissen Maß stirbt das Handwerk des Schuhmachers aus.  Das Interesse an Schuhen ist aber größer denn je, auch wenn ein gut sitzendes Schuhpaar für die meisten Menschen erst mit der Massenproduktion möglich wurde.

Im Leben geht es jedoch nicht nur um Komfort, denn es ist nicht nur der gute Sitz des Schuhs, sondern auch sein Stil, der uns ein  „beflügelte Schuhe“-Gefühl vermitteln kann, auch wenn unsere Füße in Wirklichkeit geradezu missgestaltet werden. Wie jedes Kleidungsstück, bedingen auch unsere Schuhe unser Selbstwertgefühl.  Sind sie modisch, so fühlen wir uns modern und pfeifen auf Komfort. Siehe auch Internetumfrage.

Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass die Suche nach Stil den Wunsch, modisch zu sein verdrängt hat.  Mode hat ja letztendlich zur Folge, dass alle uniform aussehen.  Stil dagegen zu haben bedeutet die breiten Modeströmungen zwar zu akzeptieren, sie aber für sich selbst individuell zu gestalten. Die interessanteste Entwicklung, was den Schuh anbetrifft, ist, dass man heute aus einer Vielfalt der Stile wählen kann. Weil Schuhmoden sich nur zögernd ändern und ein neuer Stil nicht zwangsläufig den Untergang des vorangegangenen bedeutet, denn ein Schuh wird schließlich nicht im leeren Raum entworfen.  Soziale Veränderungen spielen eine entscheidende Rolle wie neue Modebewegungen, große Umwälzungen oder grundlegende Verschiebungen z. B. durch technischen Fortschritt, haben nachhaltige Wirkung. Besonders sensibel reagiert der Schuh auf Veränderungen der Sexualmoral.

Um zurückzukommen: Damen wie Herren fordern also von ihren Schuhen Bequemlichkeit, ohne dass diese  zu sehr auf Kosten von Stil und Mode gehen darf. Ihrer Ansicht nach muss es möglich sein, modische Fußbekleidung zu tragen und dennoch gut darin gehen zu können. Abgesehen von schlechter Verarbeitung oder ungenügender Passform der Schuhe ist der hohe Absatz, der den Fuß nach vorne in die Schuhspitze schiebt, die häufigste Quelle des Unbehagens am Schuh.  Der hohe Absatz ist eine Mode, die im Lauf der Jahrhunderte mal dem weiblichen, mal den männlichen Fuß anstrengte. Die damit verbundene Unbequemlichkeit wurde in früheren Zeiten von Damen und Herren jedoch gerne in Kauf genommen. Beim derzeitigen Stand der Mode wird der Schuh mit hohem Absatz fast ausschließlich als weiblicher Schuhtyp erkannt, aber noch in den siebziger Jahren war das nicht unbedingt der Fall.  Gewiss wird das zukünftig nicht immer so bleiben.  Denn ein kurzer Blick auf die Geschichte der Schuhmode zeigt, dass hohe Absätze bei Herrenschuhen immer sehr beliebt waren, und dies nicht nur aus modischen, sondern auch aus praktischen Gründen. Und ein Blick in das 21. Jahrhundert zeigt, dass Frauen nicht dem Modediktat der immer höherwerdenen Schuhe unterliegen, sondern keinen Absatz tragen oder extremer: Herrenschuhe tragen.  Herrenschuhe für Damen ein alter/neuer Stil?



  1. Hanna Khomchonka on Donnerstag 11, 2010

    Am Beispiel der Herren- und Damenschuhdesigns ist es besonders spannend zu be-obachten, wie die Mode ihre Konsumenten uniform – Vermischen und Verwischen der Genderidentitäten – gestalten mag. Die Genderuniformität entwickelt sich aber eher ein-bahnig. Und zwar meistens opfern die Frauen ihre Frauenhaftigkeit und bevorzugen den fein aussehenden Absatzschuhen männliche, unelegante Schuhtype, die von Damenfüßen zuerst eingetragen, gezähmt müssen werden. Die Männer sind aber nicht so kühn und ihre Geschlechtsrolle als ein Mann wollen sie auf jeden Fall beibehalten. Davon ausgehend schätze ich, dass sich hohe Absätze bei Herrenschuhen massenhaft nicht etablieren werden. Beliebtheit der Herrenschuhe unter den Frauen betrachte ich aber nicht wie eine Schwäche der Frauenidentität. Im Gegenteil, die Männer haben immer noch mehr sittliche Schranken (zum Besseren) in Bekleidungsnormen als Frauen und die Frauen nützen einfach ihre erworbene Freiheit in der voller Maße aus.