So farbenfroh sich die tanzenden Gruppen als Hauptakteure des dynamischen Festes in der Hauptstadt im Juli gaben, wurde auf Zuschauerseite mit sommerlich leuchtenden Farben eher gegeizt.

Mit dem nötigen Forscherwerkzeug im Gepäck begab ich mich nun mitten hinein in die zwar luftig, aber nicht besonders bunt bekleideten Beobachter auf die Suche nach den Gründen für den sparsamen Umgang mit farblicher Materie auf Zuschauerseite.

Fragen, die sich in den ersten Minuten nach der Wahrnehmung einer, gegenüber des bunten Treibens auf den Straßen, fast schon herbstlich wirkenden Maße an den Straßenrändern, aufdrängten waren: Wieso besteht, entgegen aller Erwartungen, ein solch großes Gefälle zwischen den Erscheinungsbildern der aktiv Teilnehmenden und der Zuschauer? Welche Atmosphäre hat das zur Folge? Wird dadurch etwas vom Sommergefühl eingebüßt?

Nachdem ich dem Zug also eine gefühlte Ewigkeit gefolgt war, um zu erschließen, ob sich der Eindruck der Farblosigkeit wieder verflüchtigt. Als ich realisierte, dass dem nicht so war, mussten sich einige am Rand stehenden Beobachter meinen Fragen nach dem Warum der Farbwahl für die stoffliche Bekleidung an diesem Tag, stellen. Drei von vier Befragten antworteten, dass es keinen bestimmten Grund für die Wahl des Kleidungsstücks gab. Man griff einfach in den Schrank und wählte dasjenige Teil, welches sich als geeignet für die Temperaturen erwies. Lag es also simpelst am Pragmatismus? Konnte man sich nicht anstecken lassen von dem sommerlichen Gefühls eines Karnevals an einem Sommertag?

Nach näherer Betrachtung der einzelnen Farbtöne stellte ich fest, dass mich nicht etwa der Anblick dunkler Farben irritierte. Die Vielfalt der Kolorierung war durchaus gegeben. Das was fehlte war  die Leuchtkraft der Zuschauerkleidung. Die Garderobe der Herrschaften am Wegesrand erschien so farblos, weil der bunt tanzende Mittelpunkt des Geschehens die ganze Aufmerksamkeit beanspruchte.

Und genau wegen des auffallenden Festes in mitten der Straßen, dessen starke atmosphärische Wirkung vor allem anderen zur Sommerlichkeit dieses Tages beitrug, spürte man als Zuschauer dieses bunten Treibens den ungefärbten Sommer.



  1. It‘s quite in here! Why not leave a response?



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