Die Welt zieht blank oder in den Urlaub. Wer da bleiben muss, macht es sich mit einem charmanten Schaufensterbummel gemütlich und träumt sich an spannende Orte. Doch der Sinn eines Schaufensters ist natürlich nicht der, dass man es von außen bewundert. Ein Schaufenster lockt, verführt, zeigt, dass es genau die gleichen Sehnsüchte hat oder es lässt uns schmunzeln, um so Sympathie zu gewinnen. Die Reise durch Tübingens lustige und interessante Schaufenster beginnt mit einem Stop beim Froschkönig in einem SchokoKaffe-geschäft

Natürlich wollte ich unbedingt wissen, was denn nun ein Froschkönig  mit Schokolade und Kaffee zu tun hat. Alle drei Dinge können selbstverständlich entzückend sein, aber trotzdem. Ein Gespräch mit dem Verkäufer, der gleichzeitig der Dekorateur war, hat mir da weiter geholfen. Schokolade und Kaffee wurden früher als Opfergabe diversen Götter dar gebracht. Der Dekorateur wollte eben auf diese Göttergeschichte auf eine humoröse Weise anspielen, indem er den Märchenfrosch neben den Kaffe setzte. Gleichzeitig spielt er auf die Tatsache an, dass man nie weiß, was aus einem geküssten Frosch alles schlüpfen kann, denn auch seine Schokolade hat viele geheime Füllungen, die man erst zu kosten bekommt, wenn man “rein-küsst-beißt”. Außerdem erzählt das Märchen vom Froschkönig, dass dieser bei strahlenden Sonnenschein an einem Fluss saß, als ein junges Mädchen, Blumen flückend, sein Wehklagen hörte. Also auch eher eine Sommertaggeschichte.
Nach dem Märchen und der Schokoüberraschung geht der Weg weiter zu den urigen Fenstern. Interessiert hat mich hier besonders, wie ein Antiquitätenhändler den Sommer einfangen will, da er ja (Sinn der Sache) eher mit vergangenen Dingen handelt. Nach einem überaus netten Gespräch wurde mir erklärt, dass es gewisse Sommersachen gibt, die seiner Meinung nach zeitlos sind und (seine Wortwahl!) solange es Männer gibt, bestehen bleiben.

Ich fand es spannend, denn hier habe ich zum ersten Mal den Impuls bekommen, dass Sommersachen auch geschlechtsspezifisch sein können. Wie das obere Bild zeigt, handelt es sich um die Bierkrüge, mit denen der Händler den Flair und Sommer der vergangenen Zeit einfangen will. Die Bilder zeigen alle zusammen Frühlings-Sommermotive wie z.B. tanzende Frauen im Grünen oder Männer in der freien Natur. Nach dem Besuch dieser zwei Schaufenster wurde mir klar, dass Sommersachen natürlich den Sommer verdinglichen, aber auch die Stimmung und Assoziation einfangen müssen und genau drauf achten, was denn ein Sommergefühl beim Betrachter auslöst. Scheinbar ist es hier zum einem ein gemütliches Beisamensitzen mit Tanz und Getränk (Bierkrüge), aber auch ein Hauch eines Sommermärchens.



Comments are closed.