Je wärmer es in den letzten Wochen wurde, desto häufiger konnte man sie sehen, die Espadrilles. An Männern und Frauen, morgens, mittags, abends und nachts. Das diese Schuhe also ein Trend dieses Sommers sind, lässt sich nicht leugnen.

Doch was macht sie denn jetzt zu den perfekten Sommerschuhen? Wie fühlt sich ein perfekter Sommer am Fuß denn an?

„Also nicht zu warm, eher so leicht.“

„Ich mags, wenn bisschen Luft an den Fuß kommt… so, dass es eben nicht warm und schwitzig ist.“

„Stylisch, aber auch bequem.“

„Hauptsache der Fuß steckt nicht im eigenen Schweiß.“

Offen.“

Luftig, locker, leicht und bequem. Das scheinen die Anforderungen an den heutigen Sommerschuh zu sein, wobei der Faktor Style natürlich auch eine große Rolle spielt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber die anderen geforderten Attribute kann man am Anwärter Supersommerschuh-Espadrille überprüfen.

Leicht trifft in jedem Fall zu. Der dünne Stoff und die Sohlen aus Jute bringen kaum etwas auf die Waage. Wenn man die passende Größe trägt, sind sie auch relativ locker, so locker ein Schuh eben sein kann, ohne dass man ihn beim Gehen verliert. Und luftig scheinen sie auch zu sein, zumindest wird in jedem Artikel der über Espadrilles geschrieben wird die außergewöhnliche Atmungsaktivität der Naturmaterialien gepriesen. Doch ein Modejournalist kann viel behaupten. Um sicher zu gehen, ist es wohl besser, dass selbst zu überprüfen. Genau wie die Sache mit dem Tragekomfort. Ein Selbstversuch lässt sich da kaum noch umgehen, um die Frage aller Fragen zu beantworten:

Ist die Espadrille der perfekte Sommerschuh?

 

Als ich meine Forschungsobjekte im Internet bestellen will, bin ich erst einmal überfordert. Zu viele Farben, Ausführungen und Preise schreien nach meiner Aufmerksamkeit. Nach reiflicher Überlegung werden es ein paar typische sandfarbene Espadrilles in Größe 39 für 9,95 inkl. Versand.

Tag 1: Der Postbote bringt mir meine neuen Sommerschuhe. Nachdem ich sie aus ihrer Plastiktüte befreit habe, inspiziere ich erstmal. Der Schuh riecht zwar ein wenig nach Plastik, was vermutlich von der Plastiktüte und vielleicht auch der gummibeschichteten Sohle kommt, aber tatsächlich ist der Geruch der Jute stärker. Beim Anprobieren stelle ich fest, dass ich sie gerade so anbekomme, aber nachdem ich einmal drin bin, sind sie tatsächlich ganz bequem. Auch die ersten Schritte in den neuen Schuhen fühlen sich ganz gut an. Der Zustand zu diesem Zeitpunkt: natürlich nagelneu, aber mit einem gewissen Handmade-Chic.

 

Tag 2: Das Wetter erlaubt es die Espadrilles zu tragen. Im Regen will ich tatsächlich nicht gehen, denn aus überraschend zahlreichen Kommentaren und Blogs zum Thema, habe ich erfahren, dass nasse Espadrilles stinken und unförmig werden. Es bleibt trocken und heiß und ich mache ein paar Erledigungen in der Stadt, um mich danach mit ein paar Freunden zum Kaffee zu treffen. Nach zweieinhalb Stunden laufen und stehen, merke ich, dass meine Füße und den asphaltierten Boden tatsächlich nur anderthalb Zentimeter trennen. Als ich mich ins Café setzen kann, ist das eine willkommene Erholung. Der Zustand meiner Espadrilles am Abend: fast wie neu.

 

 

 

 

 

Tag 5: Eigentlich ist es zu heiß, um sich zu bewegen, also fahren wir an den Baggersee. Als die Sonne langsam untergeht, ziehe ich meine Espadrilles über und bin positiv überrascht: sie sind angenehm schützend vor dem aufziehenden Wind aber trotzdem luftig genug, so dass meine Füße nicht schwitzen. Momentaner Zustand: Eigentlich noch ganz gut, der große Zeh zeichnet sich langsam ab und die Schuhe werden ein wenig lockerer. Ansonsten in Ordnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 7: Seit dem Tag am See hat sich kaum etwas getan. Inzwischen haben meine Espadrilles ihren ersten Sommerregen abbekommen, den sie aber stink- und formlosfrei überstanden haben. Allerdings fühlen sich nasse Espadrilles an wie nasse Socken und sie brauchen eine Zeit zum Trocknen. Der Weg durch die Gärten hat an den Sohlen die ein oder andere Spur hinterlassen. Zustand nach dem Trocknen: Ziemlich genau wie an Tag 5.

Tag 8: Die Temperaturen gehen runter, am Abend ist es nicht besonders angenehm die Espadrilles zu tragen. Aber welcher Sommerschuh ist auch für gefühlte 15 Grad konzipiert. Zustand an Tag 8: sie sitzen etwas lockerer, der große Zeh wird deutlicher, an der seitlichen Sohle lösen sich ein paar Fäden und vorne an den Zehen löst sich ein wenig die Sohle.

 

              

Vorläufiges Resümee: Der Sommer ist zwar noch nicht vorbei, doch zu den überprüfbaren Attributen Luftigkeit und Tragekomfort lässt sich ein Fazit ziehen: Ja, Espadrilles sind außergewöhnlich atmungsaktiv, besonders am See war ich begeistert. Die Luft von Innen scheint zu entweichen, aber die von außen nur in Maßen einzudringen. Ein angenehmes Gefühl an sommerlichen Tagen.  Zum Thema Tragekomfort: Ja, sie sind bequem, ABER: man sollte nicht über Stunden in ihnen laufen. Da sie weder ein Profil, noch ein Fußbett oder sonst eine Dämpfung bieten können, wird das Laufen auf Dauer unangenehm.

Verdienen die Espadrilles jetzt den Titel „perfekter Sommerschuh“? Wie fast alles hat auch die Espadrille ihre Vor-und Nachteile. Sie hat eine schöne Naturoptik, die Leichtigkeit und Sommer verspricht. Sie ist angenehm leicht und locker am Fuß, Schweiß ist sehr, sehr selten. Aber die Qualität ist mittelmäßig, was in meinem Fall auch an der Produktion liegen könnte, und das Laufen auf Dauer unangenehm. Aber mal ehrlich, wer will im Sommer schon kilometerweit laufen? Für mich sind Espadrilles die (fast) perfekten Sommerschuhe, nicht nur wegen ihrer Funktion, sondern auch wegen ihrer Materialität und ihrer Optik, sie riechen wie Sommer und sehen auch so aus, nach ein paar Wochen mit ihnen vermutlich noch mehr. Und was eine jahrelang überzeugte Espadrille-Trägerin meinte: „ Ich mag keine Ballerinas. Ballerinas sind mir zu schick. Ich finde Espandrillos sind die Punk-Ballerinas unter den Sommerschuhen. Die sind einfach Sommer“,  trifft ziemlich gut den Kern des Ganzen: wer einen lockeren und leichten Sommer will, kann mit diesen Schuhen nichts falsch machen.

         



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