Mode und (dekorative) Kosmetik sind Körper- und Verschönerungspraktiken, die eng miteinander verbunden sind; ich werde mich im Folgenden mit einer Form der Verschönerung beschäftigen, die diese Verbindung besonders deutlich macht: dem Nägellackieren.

Nagellack hat einerseits die kosmetische Aufgabe, die Nägel ansehnlicher und gepflegter wirken zu lassen, andererseits dienen bunte Finger- und Fußnägel häufig als modisches Accessoires und werden zum Bestandteil eines Outfits. Welche Rolle Nagellack insbesondere für die Sommermode spielt, wird Thema meines nächsten Beitrags sein. Denn zunächst finde ich es wichtig, das Phänomen Nagellack konsum- und materialgeschichtlich einzuordnen.

Die Geschichte des modernen Nagellacks beginnt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als es mit Erkenntnissen aus der aufsteigenden Automobilindustrie möglich wurde gut pigmentierte und länger haltbare Lacke zur Nagelpflege und -färbung herzustellen. Obwohl Nagellack zunächst mit einem zweifelhaften und verruchten Image zu kämpfen hatte, konnte er sich seit den 30er Jahren immer mehr durchsetzen. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Brüder Charles und Joseph Revson, die gemeinsam mit dem Chemiker Charles Lachmann das Unternehmen Revlon gründeten und auf eine erfolgreiche Marketingstrategie setzten: Sie verkauften nicht bloß Nagellack in unterschiedlichen Farben, sondern unterschiedliche Stimmungen, indem sie ihren Lacken Namen gaben wie „Kirschen im Schnee“ oder „Stormy Pink“. Außerdem propagierte das Unternehmen „matching lips and fingertips“, also aufeinander abgestimmte Lippen und Fingernägel, und sicherte so den Absatz von Nagellack und Lippenstiften. Die Nachfrage war groß und das Farbspektrum erweiterte sich stetig, in Frühjahr und Herbst werden neue Nuancen auf den Markt gebracht, die dem Zeitgeschmack entsprachen.1 Das verdeutlicht wieder die Nähe von Nagellack und Mode.

Das beschriebene Erfolgsrezept von Revlon ist auch heute noch wirksam – wirft man einen Blick in die Nagellackregale der Drogerie, so setzen fast alles Hersteller auf Lacke mit Namen, so heißt ein Rosenholzton bei Catrice beispielsweise „Welcome To Roosywood“ und ein Nude-Lack trägt den Namen „Petit Four As Dessert“. Auch neue Nuancen spielen nach wie vor eine große Rolle, neben dem Sortimentswechsel in Frühjahr und Herbst, um aktuellen, von der Modeindustrie vorgegebenen, Trends gerecht zu werden, setzten fast alle Hersteller auf „Limited Editions“. Dadurch dass eine Nuance nur begrenzt zu haben ist, steigt ihr Marktwert enorm und es kann ein regelrechter Nagellack-Hype entstehen. Besonders anschaulich macht das die Hysterie um den Chanel-Lack „Particulière 505“2.

Neben solchen Extremfällen, wo mehrere Hundert Euro für wenige Milliliter Lack auf den Tisch gelegt werden, liegt die Preispanne des für jeden zugänglichen Nagellacks zwischen 1,55 € (essence) und etwa 24 € (Dior). Vor kurzem hielt die Nagellack-Marke essie, die es zuvor nur exklusiv bei Douglas gab und deren Lacke mit etwa 8 Euro im höheren Preissegment für Nagellack einzuordnen sind, Einzug in die Drogeriemärkte Müller und dm. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass Nagellack heute ein wichtiges Konsumobjekt ist, für das es eine große Nachfrage gibt.

Literatur:

Annette Geiger (Hg.): Der schöne Körper. Mode und Kosmetik in Kunst und Gesellschaft. Köln u.a., 2008.

1 Philine Gebhardt: Lack mich! In: EinesTages Zeitgeschichten auf Spiegel Online, 28.05.2010, http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a9701/l0/l0/F.html#featuredEntry (abgerufen am 22.08.2012)

2 Gil Eilin Jung: Nagellack-Trends: 200 Euro für 13 ml Braun-Lila-Grau. In: Legal Tribune ONLINE, 28.07.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/1031/ (abgerufen am 22.08.2012)



  1. It‘s quite in here! Why not leave a response?



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