Der neue Sommertrend zeigt sich in den Straßen Budapests. Pluderhosen en masse. Das neue Sommergefühl der Multikulturaltät hat die Menschen erfasst und nun zelebrlieren sie stolz die Vielfältigkeit der Kulturen im Sommer. Doch eines fällt auf- die Träger, oder korrekterweise Trägerinnen sind überwiegend Frauen.

Das verwundert ein bisschen, war doch die Pluderhose ursprünglich Männermode. Wo sind nun die Männer in Pluderhose hin verschwunden? Hat sich dieses Kleidungsstück zu einer „Frauensache“ entwickelt?

 

Das orientalische Original zeigt uns eindeutig: die Pluderhose ist Bestandteil der Männertracht.

Befragt man dagegen die Menschen auf der Straße, sind sich aber alle mehr oder weniger einer Meinung. Die Pluderhose sei eher eine weibliche Sache, nur Frauen könnten sie tragen und bei Männern sähe es ungewohnt, ja sogar „komisch“ aus. Bei Männern sei das Tragen verbunden mit Kombinationsschwierigkeiten und entspräche nicht dem Stil des Trägers.

Die Modeläden zeigen uns zwei Seiten des Phänomens: Einerseits ist man sich in den großen Modeketten sicher: mit der Pluderhose für den Mann macht man hier kein gutes Geschäft. Schon die Auswahl macht es den Männern schwer, denn Pluderhosen gibt es überwiegend nur für Frauen, mit Mustern und Schnitten, die ihnen nicht zusagen. Die Einkaufsmöglichkeiten sind beschränkt. Männer- Pluderhosen werden nur in besonderen Geschäften verkauft, meist kleine Ethnoläden, die nicht sehr verbreitet und oft an versteckten Orten sind. Diese jedoch zeigen, dass die Pluderhose doch nicht so einseitig weiblich ist: In einem von drei Läden ist die Pluderhose für den Mann genauso beliebt wie für die Frau. Trotzdem tendiert auch dieses Ergebnis zu einer leider ernüchternden Feststellung, die durch die oben genannten Tatsachen auch verständlich wird: Männer kaufen keine Pluderhosen.

Allein in einer vielfältigen Stadt wie Tübingen sieht man diese außergewöhnliche Erscheinung. 

Doch auch hier zeigt sich der Unterschied zwischen Träger und Trägerin der Pluderhose. Die Frauen bevorzugen leichte, bunte und seidige Stoffe, die das Bein schöner aussehen lassen oder bestimmte Problemzonen verdecken, ausgefallene und originelle Muster. Die Männerwelt hingegen zeigt sich vorwiegend in Baumwoll- oder Hanfhosen, meist in Khaki Optik oder zumindest einfarbig, mit afrikanischem Flair. Die Stoffwahl erinnert sogar ein bisschen an das übliche, stereotypische Männer- und Frauenbild: Die Frau zart und weich und der Mann grob und stark.

Doch zum Glück bewirkt die Pluderhose genau das Gegenteil: Sie nimmt nicht mehr die strikte Gender- Unterteilung in der Kleidung vor und ist ein gelungenes Beispiel unisexer Anziehsachen. In der Theorie würden viele Männer ohne weiteres Pluderhosen tragen, jedoch sieht das in der Praxis ganz anders aus. Vielleicht liegt es einfach daran, dass der europäischen Männerwelt zu wenig Gegenbeispiele geboten werden. Die Modehäuser sollten in Zukunft mehr Werbemaßnahmen für die Haremshose für den Mann in Kauf nehmen, um den Männern mehr Mut zum Tragen dieses Kleidungsstückes zu geben

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Es gilt nun nur noch zu hoffen, dass der Mann im nächsten multikulturellen Sommer die Pluderhose für sich (wieder-) entdecken wird und somit die Modewelt ein bisschen interessanter macht.



  1. ValH on Dienstag 4, 2012

    Guter Artikel! Stimmt! Im Prinzip ist die Pluderhose der gerade angesagte Maskulin-Style nur im Ethno-Bereich! ;)