„Am sommerlichsten finde ich immer noch die Schaufenster der Reisebüros“, meint eine Passantin auf der Stuttgarter Königstraße und schaut fasziniert in das Schaufenster eines kleinen Reisebüros, neben dem wir gerade stehen, „da gibt es immer ganz tolle Dekoration und man bekommt richtig Fernweh und Lust auf Urlaub.“ Es liegt nahe, dass Reisewerbung so ansprechend wie möglich dekoriert werden soll, so dass Passanten auf sie aufmerksam werden und sich in Gedanken verlieren. Doch mittlerweile findet man sie überall und in den verschiedensten Geschäftsschaufenstern – die Stranddekoration. Dabei kann sie die unterschiedlichsten Wirkungen haben, wie wir bei unserer Schaufensterforschung festgestellt haben (Abb. 1 und Abb. 2).

Abb. 1: Reisebüro in Böblingen

Abb. 1: Reisebüro in Böblingen

Abb. 2: Orthopädiegeschäft in Böblingen

Abb. 2: Orthopädiegeschäft in Böblingen

Eine der wichtigsten Motivationen für Stranddekorationen ist die „zur Schau Stellung“ von typischen Urlaubselementen. So hat man die Möglichkeit, das Erlebte durch die Dekoration festzuhalten, um sich immer daran zurückzuerinnern. Räumlich ferne Gegenstände, wie Muscheln oder auch Leuchttürme, welche Momente des Glückes oder der Erholung widerspiegeln, gelangen auf diese Weise in unseren Alltag. Zahlreiche Geschäfte verwenden meist die einfachere Variante der unechten Gegenstände, wie z.B. Seesterne oder Seegras (Abb. 3).

Abb. 3: Reisebüro in Tübingen

Abb. 3: Reisebüro in Tübingen

Abb. 4: Reisebüro in Sindelfingen

Abb. 4: Reisebüro in Sindelfingen

Verstärkt wird der Effekt, wenn man beispielsweise mit originalgetreuen Materialien arbeitet, wie z.B. dem Sand. Ein Reisebüro aus Sindelfingen kam auf die Idee, Sand aus den verschiedensten Ländern zu sammeln, in kleine Gläser abzufüllen und zu beschriften. Der Betrachter hat somit einen realitätsnahen und interessanten Vergleich, der aus der Verwendung von „echtem“ Material resultiert (Abb. 4).

Aber auch zahlreiche Bekleidungsläden oder Reisebüros arbeiten mit dem feinen Dekoaccessoire des Sommers. Sie locken damit die Kunden, sich einen Urlaubstraum zu erfüllen und machen Lust auf Strandurlaub (Abb. 5).

Abb. 5: Reisebüro in Tübingen

Abb. 5: Reisebüro in Tübingen

Doch nicht alle Geschäfte sind von Sand begeistert und finden ihn nicht unbedingt als geeignete Dekoration fürs Schaufenster. „Wir wollen ein Schaufenster, das unsere Produkte in den Vordergrund stellt. Da würde Sand gar nicht passen. Außerdem ist Sand im Schaufenster eine ganz schöne Sauerei“, grinst die Verkäuferin eines kleinen Mobilfunkgeschäftes in Böblingen. Natürlich ist Sand nicht jedermanns Sache. Hierfür gibt es noch genügend andere Varianten, um das „Meer-Feeling“ zu vermitteln. Des Öfteren fielen uns Nordseedekorationen auf, die ebenfalls eine urlaubsempfindende Wirkung haben. Dazu zählen vor allem Leuchttürme, Segelboote, Anker, Fischernetze, Deko-Möwen und vor allem Muscheln. Diese gelten auch als ein Klassiker der Dekoration, da sie jedes Jahr verwendet werden (Abb. 6 und Abb. 7).

Abb. 6: Konditorei in Stuttgart

Abb. 6: Konditorei in Stuttgart

Abb. 7: Wohneinrichtungsladen in Tübingen

Abb. 7: Wohneinrichtungsladen in Tübingen

Doch losgelöst von dem umfangreichen Meeres-Deko-Repertoire fanden wir noch andere, sommerliche Schaufensterdekoration während unserer Forschung. Immer mehr zum Trend werden hawaiianische Elemente, die ebenfalls den Sommer repräsentieren. Blumenketten oder Papierblumen schmücken Schaufensterpuppen und durch Palmenblätter, die mitten in das Schaufenster hineinhängen, wird das Hawaii-Feeling perfekt (Abb. 8, Abb. 9 und Abb. 10).

Abb. 8: Klamottenladen in Stuttgart

Abb. 8: Klamottenladen in Stuttgart

Abb. 9: Buchladen in Stuttgart

Abb. 9: Buchladen in Stuttgart

 

Abb. 10: Reisebüro in Böblingen

Abb. 10: Reisebüro in Böblingen

Durch die unterschiedliche Verwendung diverser Sommerdekorationen wirken viele Schaufenster authentisch und sehr realitätsnah. Gerade für Reisebüros stellen die sommerlichen Elemente eine ganzjährig verwendbare Dekoration dar, welche das Fernweh und die damit verbundene Lust am Verreisen steigert. Dennoch lassen sich unterschiedliche Gestaltungsvarianten  in den Schaufenstern erkennen – mal sind sie bis ins kleinste Detail der Wirklichkeit angenähert und mal wird versucht, sich durch ein paar kleinere oder vereinzelte, aber dennoch sommerliche Gegenstände, wie z.B. ein paar Muscheln oder Liegestühle,  auf die wohl schönste Jahreszeit einzustimmen, welche sich  nun langsam aber sicher zu Ende neigt.



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