Die Schwierigkeit bei der Erstellung dieses Artikels ist erstens – bei einer Fülle unterschiedlichster, teilweise widersprüchlicher Informationen-  nichts an den Haaren herbeizuziehen und zweitens nicht allzu viele haarige Redewendungen zu benutzen – davon gibt es nämlich ziemlich viele: Schon der erste Hinweis auf die besondere Bedeutung und Ausdruckskraft von Haaren.

Haare sind ein typisches Merkmal für Säugetiere. Auch der Mensch ist deshalb am ganzen Körper – abgesehen von Schleimhäuten, Lippen, sowie Fuß- und Handinnenflächen – behaart. Etwa fünf Millionen Haare hat der Mensch, davon 100 000 auf dem Kopf. Diese wachsen im Monat ca. 1 cm. Sie fallen je nach Körperregion nach 2 bis 6 Jahren aus. Täglich verlieren wir so bis zu 100 von ihnen.

Doch wie wachsen Haare? Haare entstehen in sogenannten Follikeln, kleinen Einbuchtungen in der Haut, in denen die Haarwurzel sitzt. Dort werden Haarzellen hergestellt, die sich nach oben schieben und zu Spindeln werden. Diese wiederum bilden, ineinander verdreht, ein Haar.
Dass Haare also größtenteils aus Horn, toten, von der Oberhaut abgestoßenen Zellen (Keratin) bestehen, ändert nichts an der Wichtigkeit ihrer biologischen und vor allem sozialen Funktionen.

Eine dieser biologischen Aufgaben ist die Wärmeregulation. Insbesondere das Kopfhaar schützt Schädel und das empfindliche Gehirn gegen UV-Strahlen und kalte Außenluft. Bei der bekannten Gänsehaut ziehen sich kleine Muskeln in der Follikelregion zusammen, so dass die Haare sich aufstellen. Das Zusammenziehen der behaarten Haut verringert ihre Durchblutung. Da das Blut weniger abkühlt, bleibt die Temperatur des Körpers erhalten.
Auch bei Angst bekommen wir Gänsehaut. Dieses Phänomen kennen wir aus dem Tierreich: die Haare stellen sich auf, um größer zu erscheinen und den Feind abzuschrecken. Bei Tieren auch stärker ausgeprägt ist die Nutzung der Haare als Orientierungshilfe. Da sie an ihren Wurzeln mit feinen Nerven umgeben sind, können sie leichteste Berührungen wahrnehmen und das Tastgefühl steigern. Haare schützen vor Stößen und dienen dem Abfangen von Krankheitserregern. Als Beispiel seien hier die Ohr- und Nasenhaare genannt, aber auch die Augenbrauen, die Schweiß aufnehmen und so verhindern, dass er in die Augen läuft.

Hinzu kommt die soziale Funktion der Haare. In komplizierten Kommunikationssystemen und gesellschaftlichen Werte- und Normordnungen werden Haare mit Bedeutung versehen und in ihrer Zeichenhaftigkeit „gelesen“: Das Berühren des eigenen Haares, beispielsweise das Zwirbeln einer Strähne kann in Flirt-Situationen eingesetzt werden und wird sehr wahrscheinlich vom Gegenüber als diese besondere Form der Kontaktaufnahme verstanden. Im Sinne der Geschlechtsmarkierung und Aufzeigen des sozialen Status‘ dienen sie als Distinktionsmittel. Ihr Erscheinungsbild ist historisch, kann religiös und politisch aufgeladen sein. Man denke an die Frauenbewegung der 20er Jahre und dem Aufkommen des weiblichen Kurzhaarschnitts. Weltanschauung, Selbst- und Fremdbild, Konformität und Abgrenzung – für all dies geben Haare Aussagen.

 

Petra Flocke, Imken Leibrock, Regina Nössler: Haare. Tübingen 1999.
Frank Gnegel: Bart ab: zur Geschichte der Selbstrasur. Köln 1995.
http://www.wissen.de/haare-und-ihre-funktion
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/haare/index.jsp

 



  1. Karl on Dienstag 7, 2012

    Viele leute zwirbeln sich die Haare wenn sie verliebt sind, oder sich extrem konzentrieren müssen. Haare sind schon was besonderes