
Das Brautkleid. Für viele der Heiratswilligen (meist der weibliche Part), ist es mit das Wichtigste an ihrem großen Tag.
Schon seit jeher geben sich Menschen bei Hochzeiten besondere Mühe mit ihrem Äußeren. Von den Bräuten werden nicht immer weiße Kleider getragen, aber immer besondere Outfits, die den festlichen Anlass unterstreichen sollen. Die Auswah reicht vom “klassischen” weißen über knallbunte Ballkleider, Kostüme in schwarz oder weiß zu Trachtenmode und noch viel weiter. Dominierend ist heute aber das weiße Brautkleid, bei dem es unzählbar viele Varianten gibt. Egal, ob es sich um einen Seidentraum oder eine Tüll-und Taftkreation handelt, mit oder ohne Prinzessinnenschleppe, in Weiß oder Eierschalen, glatt am Körper der Braut herabfließend oder mit unzähligen Unterröcken,… Ich könnte die Liste um etliche Seiten weiterführen, soviele Design-Möglichkeiten gibt es. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie unterstreichen die Persönlichkeit und den Stil von Braut und Bräutigam.
Da das “klassische” Hochzeitskleid jedoch nicht immer weiß war, lohnt es sich einen Blick in die Vergangenheit dieses besonderen Kleides zu werfen.
Die Farbe WEIß
Anfang des 17. Jahrhunderts setzte sich die Farbe Weiß bereits in gehobeneren (oft adeligen) Kreisen Europas als Brautkleidfarbe durch, was vermutlich mit der Wahl von Maria de Medici, bei ihrer Hochzeit im Jahr 1600 mit Heinrich V. ein beiges Brautkleid zu tragen, zusammenhing.
In den folgenden Jahrhunderten breitete sich der Trend des Tragen eines weißen Brautkleides auch in anderen Schichten aus. Auf dem Land dauerte die Annäherung an das weiße Kleid jedoch länger, da weiße Kleider im Alltag nicht zu gebrauchen waren und man so lieber auf den Sonntagsstaat oder eine ‘Tracht’ zurück griff.
Ende des 18. Jahrhunderts häufte sich das Auftreten weißer Brautkleider nach höfischen Vorbild in den Städten. Das schwarze Brautkleid wurde immer mehr ersetzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich auf dem Land neben den ‘Trachten’, immer noch schwarze Brautkleider. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg breitete sich das weiße Brautkleid “endgültig” aus.1
Simone Fopp geht soweit zu sagen, dass sich die weißen Brautkleider hartnäckig halten würden und als Erkennungsmerkmal der Braut her halten müssen.2
Wichtiger ist aber, dass weiße Brautkleider in der ersten Zeit ihres Aufkommens als Statussymbole galten, da sie nur reichen Bräuten zur Verfügung standen.
Weiß avancierte dann zu einem Symbol der Unschuld und Reinheit und Schwarz wandelte sich zu einer Farbe der Trauer. (Im frühen Mittelalter sah man Schwarz noch als “Schutzfarbe” an, in manchen arabischen Ländern trägt man auch heute noch an Beerdigungen weiße Kleider, um den Toten eine Ehre zu erweisen, heiratet aber in Schwarz.)
Das Brautkleid in der Antike
Bräute der Antike trugen weiße Tuniken, die in der Taille mit einem Herkules-Knoten aus Holz getragen wurden. Zu dieser Tunika wurden eine Palla, eine Stola und ein Schleier in gelb oder rot (“Flammeum”) getragen.
Die Haare wurden geflochten und mit Blumen geschmückt, ein Frisurentrend, der sich über 2000 Jahre gehalten hat.
1Vgl. Karen Göner: Familiale Traditionen in der Betrachtung über mehrere Generationen- Ein Vergleich zwischen Einheimischen und Vertriebenen. In: Kurt Dröge (Hg.): Alltagskultur zwischen Erinnerung und Geschichte. München 1995, S. 74.
2Vgl. Fopp, Simone. Trauung- Spannungsfelder und Segensräume. Bern 2002, S. 356 ff.

Das Brautkleid im Mittelalter
Das Brautkleid zeigte Macht, Reichtum und Stellung der Familie in der Gesellschaft, es war also ungemein wichtig, dass das Kleid so reich wie möglich verziert war und aus teuren Stoffen genäht wurde. Für gewöhnlich hat man die Kleider aus bunten oder schwarzen Stoffen gefertigt. Wenn die Familie reich genug war, verwendete man bunte Stoffe (die teurer waren als schwarze Stoffe), in Blau, Grün oder Rot, welche dann mit goldenen oder silbernen Mustern bestickt waren. Zusätzlich brachte man Perlen, (Halb-)Edelsteine usw. auf oder bestickte sie damit.
In einfacheren Verhältnissen wurden schwarze Kleider gewählt, da diese im Alltag oder zumindest an Feiertagen wieder “aufgetragen” werden konnten. Sie waren zweckmäßiger.
Seit dem 17. Jahrhundert trugen, wie oben erwähnt, immer mehr adelige Bräute helle Brautkleider. Berühmte Trägerinnen eines hellen Brautkleides waren Königin Victoria von England, Kaiserin Sissi und Prinzessin Eisabeth von England. Die Kleider waren jedoch, im Gegensatz zu heute, meist immer noch aus schwereren Stoffen, wie Samt oder Brokat gefertigt.

Brautkleider heute
Heute kann man sich meist den Luxus leisten, für die Hochzeit ein spezielles Kleid zu haben. Doch damit allein ist es nicht getan. Monate vor dem großen Tag besucht man ein Brautmodengeschäft, meist mit tatkräftigen Helferinnen, wie der besten Freundin, Mutter, Schwiegermutter und Schwester. Der Termin ist meist schon so getimt, dass mehrere Stunden ein Kleid nach dem anderen anprobiert werden kann. Der mit Sekt ruhig gestellten Damenrunde werden dann zuerst Kleider aus verschiedenen Stilrichtungen vorgestellt, um eine “engere” Vorentscheidung treffen zu können.
Ist das “Richtige” gefunden, wird es individuell angepasst. Das heißt, dass manche Modelle in der passenden Weißnuance bestellt werden können, Details des Schnittes verändert, weggelassen oder hinzugefügt werden und man die genauen Maße der Braut nimmt. Letzteres geht oft so weit, dass die Braut in einem Vertrag schriftlich bestätigen muss, ihr Gewicht bis zur Abholung des Kleides nicht mehr zu verändern.
Ist das Kleid erst einmal abgeholt, beginnt die Mission “Geheimhaltung”, da es ja bekanntlich Unglück bringt, wenn der Mann das Brautkleid vor der Hochzeit sieht; so werden begehbare Kleiderschränke oft zum Sperrgebiet oder man wählt als Aufbewahrungsort die Wohnung der Eltern/Freundin.
Idealerweise ist die Braut dann am Hochzeitstag die einzige Person, die Weiß trägt, da es ja immer noch zum guten Ton gehört beim Besuch einer Hochzeit kein Weiß oder Schwarz zu tragen.
Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr moderne Paare, die mit dieser Regel brechen. Manche Brautpaare entschließen sich dazu, dass Braut und Bräutigam in Weiß heiraten; Bräute die nicht mehr 20 sind oder bereits Kinder haben, halten eine nicht so unschuldige Farbe oft für passender und wieder andere Paare vermerken Kleiderwünsche an ihre Gäste bereits auf der Einladungskarte, beispielsweise eine Braut in knalligem Rot inmitten lauter weiß gekleideter Gäste oder die schlichte Bitte, jeder Gast möge doch bitte etwas Grünes tragen.
Nach der Hochzeit wird das Kleid dann entweder wieder verkauft, eingemottet oder wie bei meiner Tante auf einer Schaufensterpuppe im Flur ausgestellt.
Abschließend würde ich gern sagen, dass es mir schleierhaft ist, wie man über Jahrhunderte so ein Aufhebens wegen eines einzigen Kleides machen konnte, doch ich komme nicht umhin zu sagen, dass ich selbst heimlich ins Träumen gerate, wenn ich vor einem Brautmodengeschäft stehe. Ich bin eben auch nur eine Frau.
Verwendete Literatur:
- Deneke, Bernward. Hochzeit. München 1971.
- Karen Göner: Familiale Traditionen in der Betrachtung über mehrere Generationen- Ein Vergleich zwischen Einheimischen und Vertriebenen. In: Kurt Dröge (Hg.): Alltagskultur zwischen Erinnerung und Geschichte. München 1995, S. 74.
- Fopp, Simone. Trauung- Spannungsfelder und Segensräume. Bern 2002, S. 356 ff.
- Hanisch, Horst. Hochzeitsknigge 2010. Bonn 2011, S.107 ff.