Wir gehen wieder “en blog”

Mit dem Sommersemester 2011 wollen wir den von Studierenden des Seminars„Was trägt Europa? Mode, Stil und Alltag“ 2009 begonnenen blog reaktivieren und im Seminar “Medien der Mode” weiterführen.

Blogs haben im Feld der Mode und Trendbeobachtung in der letzten Zeit stetig an Bedeutung gewonnen, das macht sie für die Beschäftigung mit Phänomenen der Mode besonders interessant. Wir wollen dieses Medium dazu nutzen, kulturwissenschaftliche Themen aus dem Bereich Mode zu bearbeiten und mit den Mitteln dieses Mediums darzustellen. Bildbeiträge und kurze Kommentare stehen im Mittelpunkt unserer Präsentation. Sie sollen die Alltagsbeobachtungen der Studierenden formieren und schnelle Arbeitsweisen anregen. Kurze Essays entstehen zusätzlich als Resultate von Präsentationen im Seminar. In der Verschränkung von aktueller medialer Darstellung und klassischer wissenschaftlicher Arbeitsweise sollen die wissensgenerierenden Potenziale beider ausprobiert werden.

Das Seminar besteht aus Studierenden der Empirischen Kulturwissenschaft und kooptierender Fächer der Universität Tübingen. Die Themen aus dem weiten Feld der Mode werden von den TeilnehmerInnen nach einer Anleitungsphase selbst bestimmt werden. Was wir letztlich bearbeiten werden und zu welchen Ergebnissen wir kommen, wird im blog zu sehen sein.

Wir wünschen viel Vergnügen!

Wo ist der Knallbonbon-Wintermantel?

Pünktlich zur Wintersaison 2011/12 geht es wieder los. Die Modemagazine werfen mit den neuesten Trends um sich und geben uns einen Vorgeschmack auf das, was uns in den Einkaufsläden erwarten wird. Dieses Jahr solle man sich dringend einen Wintermantel in einer auffälligen Farbe, wie Apricot, Türkis, Gelb oder Pink zulegen, um Trendsetter zu sein. Colorblocking ist also das neue Rezept für ein bisschen frischen Wind in unserem grauen Winteralltag. So machen wir uns also auf den Weg in die Stuttgarter Innenstadt und fragen: Wo ist er nun der Knallbonbonmantel?
Um ihm auf die Schliche zu kommen, stellten wir einen Plan auf: Leute mit Mänteln zählen, Experten in Kaufhäusern befragen und gezielte Interviews in der Innenstadt Stuttgarts führen. Für einen ersten Eindruck zählten wir die Passanten nach ihrer Oberbekleidung aus: innerhalb von 10 Minuten über 150 Leute. Die Mehrheit trug allerdings Jacken. Aber nicht mal eine Knallbonbonjacke war dabei! Ist der Wintermantel überhaupt noch populär genug um erforscht zu werden? Mit dieser weiteren Frage machen wir uns nun auf den Weg zu den Experten. Sie können uns jedoch nur sagen, dass Mantel sowie Jacke gleichermaßen gekauft werden und die Trends sich nicht wirklich von denen aus den Jahren zuvor abheben. Alles wie immer also. Wolle, Kaschmir, Daune, nur etwas mehr Pelz findet man dieses Jahr wieder in den Läden. Von Farben jedoch keine Spur.
Der nächste Halt ist auf dem  Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Die ausgelassene Stimmung dort ist doch die perfekte Voraussetzung für etwas mehr Mut zur Farbe finden wir. Irgendwo hier muss er doch sein? Auf den ersten Blick ist er nicht zu finden, also müssen wir die potenziellen Trendsetter eben direkt mal ansprechen. Wir wollen unter anderem wissen, ob Jacke oder Mantel bevorzugt wird und ob jedes Jahr etwas Neues gekauft wird. Unsere Annahme, dass der Wintermantel bevorzugt von der älteren Generation getragen wird und langsam am Verschwinden ist, wurde erstaunlicherweise nicht bestätigt.  Stattdessen bekennen sich auch die jüngeren Leute zu ihm. Doch von dem Knallbonbonmantel ist immer noch keine Spur. Selbst Trends veranlassen die Menschen wohl nicht sich jedes Jahr einen neuen Mantel zu kaufen. Ohne danach zu fragen, sagen uns fast alle, dass für sie der Wintermantel schwarz sein muss. An bunter Vorstellungskraft scheint es hier zu mangeln. Jetzt sind auch wir mit unserem Latein am Ende. Wir haben ihn nicht gefunden den trendigen Knallbonbonmantel. Auch wenn er gerade der Star auf den Laufstegen ist, den Weg in Stuttgarts Straßen hat er bisher noch nicht gefunden. Der Trend geht eben doch noch sehr zu dem klassischen, schwarzen Wintermantel. Aber schlimm finden wir das auch nicht, wir müssen schließlich nicht jeden Trend mitmachen und immerhin ist der Wintermantel populärer als gedacht.

Wir sind gespannt auf die nächste Saison…

Sommerfeeling bei winterlichen Temperaturen

Wer trägt sie nicht, die Sonnenbrille? Sie ist für viele Deutsche ein nützlicher Begleiter in den Sommermonaten. Sie schützt uns jederzeit von grellen, unangenehmen Sonnenstrahlen am Baggersee, in der Stadt oder beim Autofahren. Sobald man hierzulande  jedoch in Gesellschaft ist, ziehen es die meisten Leute vor, das praktische Accessoire abzunehmen, da es als unhöflich angesehen wird, seine Augen im Gespräch hinter dunklen Gläsern zu verstecken. Sonnenbrillen müssen funktional sein, die Augen vor UV-B Strahlen schützen, eine gute Passform haben und sie dürfen nicht störend sein. Neben der bloßen Funktionalität spielt jedoch auch der Modefaktor eine große Rolle. Aktuell bieten die Optikern eine riesige Auswahl an verschiedenen Sonnenbrillenmodellen an: klassisch schwarze, quietsch-gelbe, Brillen ohne Rahmen, übergroße Sonnenbrillen im Audrey Hepburn Style, Brillen à la Blues Brothers oder auch das sportliche Carrera Modell in allen erdenklichen Farben.

Dass die Sonnenbrille neben dem Mobiltelefon der beste Freund vieler Italiener ist, habe ich anfangs nur für ein Gerücht gehalten, doch schon bald musste ich in meiner Zeit in Florenz (Erasmusstudium) feststellen, dass sich dies bewahrheitet. Egal bei welchem Wetter oder zu welcher Tageszeit, egal ob die Sonne scheint oder der Himmel grau in grau ist, die Sonnenbrille darf nicht fehlen!

Nachdem der italienische Sonnenbrillenmarkt in den vergangenen Jahren erhebliche Einbußen gemacht hat, kaufen die Italiener nun wieder mit großem Vergnügen beim Optiker ein. So können die italienischen Hersteller derzeit einen Marktanteil von 67 % verzeichnen.1 Laut Vogue sind im Jahr 2011/12 vor allem runde Sonnenbrillen angesagt, wie sie schon einst John Lennon getragen hat. Auch mit knalligen Farben liegt man dieses Jahr durchaus richtig.

Noch lassen sich die Italiener von diesen Trends nicht beeindrucken. Für sie zählen noch immer die klassische Wayfarer- oder Fliegerbrille zu den beliebtesten Accessoires. Ob sich dieser Trend hält oder ob Italiener und Italienerinnen nun doch zu extravaganteren Modellen greifen, bleibt diesen Winter zu beobachten. Und ich bin mir sicher, auch im Winter will hier niemand auf seine geliebte Sonnenbrille und damit auf Sommerlaune und ein Stück italienische Kultur verzichten.


1:http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/wirtschaft/italien-macht-die-brille-zum- modischen-accessoire-1607999.html

Wayfarer Sonnenbrille von Ray-Ban:

http://www.ray-ban.com/international/products/sun/RB4105?var=601

Fliegerbrille von Ray-Ban:

http://www.ray-ban.com/international/products/sun/RB3025?var=001/3E

 

Was bleibt vom Training im Sportstudio? Im besten Falle Muskeln, Ausdauer, Freude an der Leistungsfähigkeit, im schlimmsten Fall Muskelkater, Frust und Fußpilz. Aber umgekehrt: Was bleibt davon in Sportstudio/Turnhalle/Umkleideraum?

Wer je bei einer Fundsachenversteigerung zugegen war, wer je die Turnbeutel der Kinder zu bestücken und wer selbst immer wieder eine Trainingstasche zu packen hat, weiß vom seltsamen Schwund auf der einen und dem unaufhörlichen Wachstum auf der anderen Seite.

Anlässlich meines Beitrags „Handtucharchäologie“ gewährte mir mein Sportstudio neulich großzügig einen Blick auf die Abteilung „Liegengebliebenes“ Unterabteilung „textile Unterlagen“. Im Sammlungsschrank stapeln sich dort die liegengebliebenen Schätze der vergesslichen Kundschaft.1 In Stapeln wirken sie noch reichlich langweilig, ausgebreitet entwickeln sie aber doch einen gewissen Charme [vgl. Bild 1 +2]. In ihrer spezifischen Farbigkeit ermöglichen sie vielleicht sogar eine Aussage über ihre Provenienzen. Zur exakten Bestimmung von Alter und Herkunft fehlen für den deutschsprachigen Raum zwar die Nachschlagewerke und eine Geschichte des textilen Gebrauchsdesigns2 hat leider noch keiner verfasst – wir müssen uns also auf unsere biografische Vorbildung verlassen und können so in etwa datieren, dass wir es hier mit eher gut abgehangenen Stücken aus den letzten 20 Jahren zu tun haben. Man müsste einen Blick auf die Etiketten werfen, um einen einstigen Anschaffungspreis zu eruieren und einen heutigen Wert festzustellen. Das führt aber geradewegs zur Frage, warum so viele, eigentlich noch ganz funktionstüchtige und nicht mal hässliche Tücher liegen bleiben. Denn zwar ist es normal, dass man etwas vergisst, dass das Vergessene nicht wieder abgeholt wird, ist das Bemerkenswerte.

Sie mögen einstmals teuer gewesen sein, aber ihr Wiederbeschaffungswert ist heute im Vergleich zu früher eher niedrig anzusetzen. Die Preise für Haustextilien sind in den letzten 30 Jahren eher gefallen als gestiegen und vor allem bekommt man heute für relativ wenig Geld schon relativ gute Ware. Hinzu kommt, dass Heimtextilien im Gegensatz zu manch anderem textilen Gegenstand für die meisten keinen oder keinen besonderen Distinktionswert haben, man kann sich also mit ihrer Hilfe nicht besonders gesellschaftlich positionieren, deshalb haben sie nur einen schwachen Erinnerungswert und geben kaum Impulse dafür her, sich um ihre Wiederbeschaffung zu kümmern, bzw. sie gar nicht erst zu vergessen. Unabgeholt wandern sie dann in die Altkleidersammlung, der Schrank wird wieder frei gemacht für die nächsten Stapel. Denn etwas bleibt ja bestimmt wieder vom Training übrig.

1Vielen Dank an Herrn und Frau G!

2Mit Ausnahme der verdienstvollen Vorarbeiten von Jutta Beder und Kolleginnen vgl.

http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-kunst-musik-textil/textil/personal/prof-dr-beder/lexikon-der-textildesigner-1950-2000/

 

Pelzige Angelegenheit

Italien ist das Land der Mode und der großen Designer, das Land der „bellezza“ und der Eleganz. Die Schönen und die Reichen stellen ihre neusten Modeerrungenschaften gerne zur Schau und zeigen, was sie haben. Im Februar 2011 konnten die Designer auf der Mailänder Fashion Week ihre neuste Herbst/Winter Kollektion vorstellen und auch dieses Jahr war „Pelz“ wieder ein großes Gesprächsthema.

Führt man doch schon seit Jahrzehnten die Diskussion über Pelz und Kunstpelz, über die Problematik der qualvollen Tierhaltungsbedingungen - ist der edle Stoff nach wie vor sowohl in den exquisiten Modehäusern als auch auf der Straße gefragt.

Einige Modedesigner wie zum Beispiel Vivienne Westwood setzen sich aktiv für Anti-Pelz-Kapagnen ein und verweigern die Verarbeitung von Echtpelz. Immer mehr Stars und Sternchen der Film- und Modebranche nehmen an besagten Kampagnen teil und protestieren mit gewagten Aufnahmen gegen das Tragen von Pelz. Auch die italienische Schauspielerin Elisabetta Canalis spricht sich gegen Echtpelz aus und wirbt mit dem Slogan „I´d rather go naked, than wear fur“ für die Tierschutzorganisation Peta. Trotz der vielen Pelz-Gegner, floriert das Geschäft mit dem umstrittenen Material immer noch. Ich selbst wohne über einem Pelzgeschäft und sehe täglich die Kundschaft ein und aus gehen.


Abb. 1  Abb. 2

 

Auch auf den italienischen Straßen wird man immer wieder mit Pelz konfrontiert – zum Glück jedoch auch mit Kunstpelz. Fest steht, dass Tierfell, egal ob echt oder unecht in diesem Winter in Italien von Jung und Alt in allen Variationen getragen wird. Nicht nur die großen Designer, sondern auch H&M oder Versandhäuser wie ASOS setzen diesen Winter auf den Trend. Dass sich diese Mode auch in Tübingen durchsetzten wird, wage ich zu bezweifeln. Oder habe ich während meiner Abwesenheit den modisch Wandel in der grünen Universitätsstadt verpasst? Wie sieht es in den anderen Städten Deutschlands aus?

Link zur Fashion Week 2011:

http://fashion.telegraph.co.uk/Article/TMG8345406/221/Fendi-autumnwinter-2011-at-Milan-Fashion-Week.html

Link zur Peta-Kampagne:

http://www.promicabana.de/elisabetta-canalis-nackt-kampagne-peta/

Abb. 1: Florentiner Damen im Pelzmantel beim Shopping. Foto: privat.

Abb. 2: Pelzmäntel vor einem Second Hand-Landen. Foto: privat.


Alles fing damit an, dass vor einem halben Jahr in meinem Sportstudio die Handtücher rationiert wurden. Plötzlich wurde man aufgefordert, das eigene Tuch mitzubringen, da nur noch Restbestände der einstmals großen Vorräte übrig seien. Ich hatte die Teile nicht gemocht: sie waren gelb. Gelb ist nicht meine Farbe. Ich mochte sie allerdings sehr dafür, dass sie da waren und ich nicht an sie denken musste. Ich schlurfte rein, schnappte mir eines vom Regal und kam mir betreut vor. Jemand hatte schon für mein Wohlergehen gesorgt. Es hatte auch einen egalisierenden Eindruck im Raum hinterlassen, wenn überall nur die gelben Teile hingen. Nicht dass wir alle gleich wären, aber wir hatten zumindest alle das gleiche Handtuch. Es konnte das Duzen ersparen, wir hatten ja die Handtücher. Vorbei.

Seitdem ich an mein eigenes Handtuch denken muss, brauche ich mehr Zeit zur Vorbereitung, mein Wäscheschrank befindet sich zwei Treppen von der Sporttasche entfernt und deren Überwindung gilt leider nicht als Aufwärmzeit, sondern ergibt in der Regel nur einen Grund für meine Verspätung. Aber es schleicht sich noch ein anderer Aufwand ein: die berüchtigte Schranksituation und mit ihr die Frage: „Welches Handtuch trage ich heute?“ Und: Was genau befindet sich eigentlich in den hinteren Stapeln des Wäscheschranks? Denn seien wir ehrlich, die besten Tücher nehmen wir nicht mit. Und deshalb habe ich auch meine Übungen im Studio um eine Disziplin erweitert: Towel-watching.

Der erste Eindruck meiner neuen Studien: Die anderen haben auch in ihren Beständen gegraben. Was fördert die Handtucharchäologie zutage? Handtücher sind erstaunlich langlebig! Ich konnte bei mir bedeutende Funde machen und bin dabei in den frühen Siebzigerjahren gelandet: bei meiner  Aussteuer bzw. den Resten von ihr [1]. Was ich aber im Studio zu Gesicht bekomme, sind nicht die erwarteten „aus Versehen“ eingepackten Hotelhandtücher mit interessanten Aufschriften, sondern langweilige Lappen aus den späten Neunzigerjahren. Meist in einem verwaschenen Lila-Braun-Ton gehalten, manchmal mit wilden Strandtuchmustern, hin und wieder was aus der Fan-Ecke der Jugend. Kann es sein, dass wieder nur ich mir den Kopf darüber zerbreche, das richtige Tuch zum durchzuschwitzenden ‚Leibchen‘ aufzulegen?

Aussteuer - die Reste

Aussteuer - die Reste


[1] Von ihr wird ein nächster Beitrag handeln!

 

Was ziehe ich heute an? Wie kann ich mich durch meine Kleidung hervorheben, einen eigenen Stil zum Ausdruck bringen? Meine Persönlichkeit unterstreichen? Dabei jedoch nicht aus der Rolle fallen? „Normal“ wirken? Mich als trendbewusst und stilsicher präsentieren?

Diese Fragen stellen sich all diejenigen Leute, die sich Gedanken um ihr Erscheinungsbild und ihr „Image“ machen wollen oder dies aus beruflichen Gründen müssen. Mit diesen Balanceakt zwischen dem Ausleben der Kreativität, die beim einen mehr, beim anderen weniger vorhanden ist, und dem Versuch sich an Regeln und Normen der Gesellschaft zu halten und seinem Status gerecht zu werden, setzt sich ein jeder von uns in indirekter Weise auseinander, wenn er sich im Bekleidungsgeschäft für den Kauf eines bestimmten Kleidungsstückes entscheidet. Nicht nur die Wahl des Kleidungsstückes trägt zur Imagebildung bei, sondern auch die Wahl der Marke oder des Textilunternehmens, das eine bestimmte Stilrichtung vorgeben kann.

Wie „erich“ im Blog-Beitrag vom 2.11.2011 schreibt, nimmt die Modekette H&M die Welt ein und ist derzeit in 41 Ländern vertreten. Die Entwicklung der internationalen Ausbreitung einer Firma oder einer Information (in diesem Fall über einen modischen Trend) ist im Jahr 2011 kein neues Phänomen mehr, sondern ist eine normale Folge der Globalisierung. H&M bietet in jedem Land die gleiche Kollektion an und trägt somit zu einer weltweiten modischen Gleichschaltung bei. Die Kette wirbt vor allem mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis der Mode und soll für jedermann erschwinglich sein. Der Kunde/die Kundin zahlt also einen niedrigen Preis – mit dem Verzicht auf Individualität.

Der Individualität verschreibt sich beispielsweise die Konkurrenzkette Zara. Sie ist dafür bekannt, je nach Nachfrage, in kurzen Abständen ihr Angebot zu verändern und somit eine Vielzahl an unterschiedlichen Kleidungsstücken auf den Markt bringen zu können. Zwar ist das Sortiment von Zara individueller gestaltet, doch um so häufiger ist das Modegeschäft auf der Welt zu finden. In 74 Ländern hat Zara weltweit seine Filialen und so stellt sich auch hier die Frage nach dem weltweiten modischen Einheitsbrei.

Kleiden wir uns denn alle auf der ganzen Welt in der gleichen Weise? Haben wir mit einem Verlust der Individualität und Kreativität zu kämpfen? Und geht durch das Problem der modischen Gleichschaltung nicht auch ein Stück der jeweiligen Kultur einer Nation verloren?

Aus meinen eigenen Beobachtungen kann ich euch beruhigen und diese Frage mit einem „Nein“ beantworten. Ich kann zwar kein Urteil über die asiatischen Länder fällen, doch am Beispiel des europäischen Italiens lässt sich diese These widerlegen.

Ich habe das Glück, dass ich nun schon seit drei Monaten die italienische Kultur kennenlernen darf und somit auch den italienischen „Street-Style“, die Mode auf der Straße.

Ich habe sowohl leicht bekleidete Touristen in Shorts und Gesundheits-Sandalen, in Wintermäntel gehüllte Florentiner als auch Studenten mit Rasta-Zöpfen und löchrigen Jeans und italienische Mitvierziger in zwölf cm hohen Absätzen und Botox aufgespritzten Lippen gesehen.

Ich entdecke also Tag für Tag viele neue Modephänomene und -sünden.  Die verschiedenen Arten Kleidung zu tragen und sie zur Mode, zum Style zu machen spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Modegeschäften in Florenz wieder. Neben den bekannten italienischen Edelmodehäusern wie Gucci, Prada, Fendi, Versace und Valentino finden sich natürlich auch ein H&M und zwei Zara, davon jedoch abgesehen auch unzählige kleine und individuelle Boutiquen oder auch Vitage-Shops und Flohmärkte, die für jeden Geldbeutel etwas anzubieten haben. Das Publikum der jeweiligen Läden variiert natürlich. Während die ältere Generation der Italiener und Italienerinnen gerne bei den erwähnten italienischen Modehäusern einkauft, versucht der junge Italiener möglichst individuell seine Garderobe auf Flohmärkten oder in hippen Jung-Designer-Boutiquen zusammen zu stellen.

Da Florenz eine große Anzahl an Touristen anzieht, hört und sieht man in der Stadt viele verschiedene Sprachen und Nationalitäten. Nicht selten ist es mir schon passiert, dass ich Leute auf der Straße durch ihren Kleidungsstil einer Nation zuordnen konnte. Sehr leicht zu unterscheiden sind dabei die Amerikaner, die Deutschen und die Italiener.

Während die Amerikaner sich meistens schrill, sehr farbenfroh und freizügig zeigen, setzen die Deutschen eher auf eine stilsichere bis konservative Garderobe mit gedeckten Farben und nicht zu gewagten Schnitten. Ein großes Spektrum an Kleidungsstilen zeigen die Italiener auf: von alternativen Wollpullovern über provokant-punkige Nieten-Boots bis hin zum eleganten Etui-Kleid und High Heels kann man in der aktuellen italienischen Frauenmode alles entdecken. Vor allem diese drei Stilrichtung sind mir besonders aufgefallen und lassen sich alle sowohl in der Universität, in der Markthalle oder in der Bar antreffen. Wie ich durch kurze Befragungen herausgefunden habe, kauft jede Frau dieser drei Stilrichtungen ihre Kleidung sowohl bei H&M und bei Zara, doch auch die anderen Inspirations- und Kaufquellen werden herangezogen. So entwickelt sich in Italien ein ganz eigener Modestil, den man sichtbar von den anderen Nationalitäten unterscheiden kann.

 Bunt bestickte Ponchos, Sommerkleider mit indianischen Mustern und Sombreros in allen erdenklichen Farben? Fehlanzeige.

Dieses Stereotyp Mexikos entspricht nicht der Realität. Stattdessen fallen mir fast täglich, sobald ich das Haus verlasse, grün-weiße Haare, die eigentlich blond werden sollten, hautenge Kleidung an korpulenteren Damen, blauer, übertrieben aufgetragener Lidschatten plus rotem Lippenstift und 10cm-Absätze in die Augen. Alles was zählt, ist so viel Haut wie möglich zu zeigen, um die Blicke der Männer auf sich zu ziehen. Eine Freizügigkeit, die ganz und gar nicht dem Bild entspricht, das man im Kopf hat, wenn man an das konservative Mexiko denkt. Deshalb mag der mexikanische Modestil in den Augen eines Europäers geschmacklos und billig wirken. Doch hier verbringt frau offensichtlich Stunden vor dem Spiegel, um das zentimeterdicke Make-up aufzutragen und sich in den zwei Nummern zu kleinen Minirock zu zwängen. Hier wird Weiblichkeit groß geschrieben, denn in einem Land des „Machismos“ muss eine Frau alles tun, um den Männern zu gefallen. So lautet zumindest die Meinung der Leute, die sowohl aus sozialen als auch aus finanziellen Gründen die sowieso rare Bildung im Land nicht genießen durften. Diese Frauen leben, um den Männern zu dienen und denken nicht im Traum daran, sich unabhängig zu machen und selbst eine Karriere zu starten. Sie bekommen mit 15 Jahren ihr erstes Kind, heiraten mit 16 und sind dann ihr ganzes Leben lang Hausfrau und Mutter.

Die andere Hälfte der mexikanischen Bevölkerung, das heißt die mexikanische Oberschicht, die sich mehr als deutlich von dem Rest abgrenzt, legt in Sachen Mode großen Wert auf den europäischen Einfluss. Blondierte Haare, große Sonnenbrillen, schlanke Figur und der momentanen europäischen Mode angepasst, stolzieren sie durch die reichen Viertel der Stadt und lassen sich gerne mit ihrem Macbook oder Iphone im Starbucks nieder, um sich mit ihren Freundinnen über die neuesten Modetrends auszutauschen. Hier wird deutlich, dass das europäische Bild der Frau als Idealbild gilt und das genau dem Gegenteil des vorher beschriebenen Bildes entspricht. Doch warum ist es gerade das europäische Schönheitsbild, das es zu verfolgen gilt? Die Antwort liegt nahe: Gerade in einem Land des Kolonialismus gelten die Europäer als exotisch und werden generell überhöht dargestellt. Dieses Bild, das vor mehr als 500 Jahren zustande kam, existiert auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen. Schon einmal in Europa gewesen zu sein, hebt das Ansehen und die Attraktivität und zeigt seinen Einfluss vor allem im Auftreten und der Kleidung der Mexikaner. So könnte man sagen, dass bereits an der Mode deutlich wird, dass die Mexikaner in einigen Aspekten leicht zu beeinflussen sind und ihren Wurzeln nicht treu zu sein scheinen? Dabei wird jedoch vollkommen vergessen, dass es die Europäer waren, die ganze Kulturen in diesem Terrain ausgelöscht haben und sich hier niedergelassen haben. Es besteht also ein Widerspruch in sich.

Mode und Kleidung werden in Amerika anders gesehen und haben eine anderen Stellenwert als in Deutschland oder generell in Europa. In den USA ist Kleidung mehr funktionsgebunden als in Deutschland, wo es oft mehr um das Aussehen geht. Man könnte meinen, dass Kleidung dazu dient sich auszudrücken und sich zu repräsentieren, wie Malcom Bardnard sagt “People appear to need to be social and individual at the same time and fashion and clothing are ways in which this complex set of desires or demands may be negotiated.” 1

 Anders ist das am amerikanischen College. Die amerikanische Studentin trägt Jogginghosen und Ugg- Boots, weil es bequem ist, nicht weil es gut aussieht oder etwas Bestimmtes ausdrückt. Natürlich gilt das nicht immer und überall. Natürlich stammen viele große Mode- Designer aus Europa doch auch in Amerika leben und arbeiten viele erfolgreiche Designer. In den Großstädten, besonders in New York, wo zwei mal jährlich die Fashion Week stattfindet, hat Mode einen wichtigen Stellenwert. New Yorker sind stets chic gekleidete Menschen – kein Wunder bei all den großen Kaufhäusern. Anders sieht das aus, wenn man auf einen College Campus kommt. Die Jogginghose scheint fast eine Art Uniform zu sein. In Deutschland tragen die meisten den ‘Schlabberlook’ nur auf dem Weg zum Sport oder mal schnell zum Einkaufen. Nicht in Amerika. Hier geht man in Jogginghose und Kaputzenpulli in den Unterricht, in den Supermarkt, ins Kino und in den Pub um die Ecke. Nicht nur die Männer auch Frauen tragen die viel zu weiten Sportklamotten. Unter Collegestudenten herrscht ein regelrechter Kampf – einerseits wird es in Amerika toleriert, wenn man im ‘Schlabberlook’ in den Unterricht geht, anderseits wird es besonders von Mädchen, die modisch etwas auf sich halten, verhöhnt. Erst kürzlich wurde in den Klatsch Nachrichten breitgetreten, dass Dakota Fanning, eine junge Hollywood Schauspielerin, welche dieses Semester begann an der New York University in Manhattan zu studieren, geschworen hat sich nicht in Jogginghosen erwischen zu lassen.2 Falls man sich doch für den bequemen Look entscheiden sollte, gibt es im Internet verschiedene Anleitung wie man den Jogginghosen-Style aufpeppen kann, so wie diese Seite vorschlägt: http://thelook.today.msnbc.msn.com/_news/2011/09/27/7975304-wear-sweatpants-out-the-comfy-style-gets-a-makeover.
Kann man vielleicht sogar den ‘Schlabberlook’ als etwas Rebellisches sehen? Anstatt ein “fashion victim” zu sein, sind amerikanische Studenten einfach Rebellen gegen den Druck der Modeindustrie? Sicherlich nicht in allen Fällen und wahrscheinlich auch eher an ‘public schools’ und trotzdem mag ein bisschen Wahrheit dahinter sein.
Auf der Suche nach Informationen bin ich außerdem über diesen interessanten Blog www.collegefashion.net gestolpert. Auf der Seite gibt es detaillierte Informationen, wie man sich an der Amerikanischen Uni anzieht, mit Abschnitten wie “What to wear to class” oder “What to wear to College Parties”. Bei zweitem wird wieder die Wichtigkeit der Funktion betont: “Don’t wear anything you don’t want ruined”3.
Ein weiterer auffälliger Punkt ist, dass die amerikanischen Universitäten ihre eigenen Modelinie haben. In unserem “Seawolfes Marketplace” 4 kann man sich mit roten Pullis, Trikots und T-Shirts ausstatten, um seine Uni zu repräsentieren. An den Tagen, an denen große Football- oder Basketballspiele stattfinden, heißt es stets “Get your red on” – Zieht eure roten T-Shirts mit dem Namen des Teams an – in dem Fall von Stony Brook, wo ich derzeit studiere,  sind das die “Seawolfes”.
Die Identifikation mit der eigenen Universität hat hier einen viel höheren Stellenwert als bei uns in Deutschland. Und wie besser kann man diese Verbindung ausdrücken als durch Kleidung? Wer weiss, vielleicht schenke ja auch ich meiner Mutter ein T-Shirt mit der Aufschrift “Stony Brook Mom”. :)
Ob ich schon in Jogginhosen in den Unterricht gegangen bin? Natürlich! Ich kann der Verlockung nicht widerstehen, wenn ich mich morgens um sieben aus dem Bett rolle und in den Unterricht muss. Und trotzdem freue ich mich auf zuhause und meine Kleiderschrank. Mode macht einfach zu viel Spass und bedeutet zu viel, um durch die Jogginghosen ersetzt zu werden.

1 Barnard, Malcolm. “Fashion as communication”. Seite 12.
2 http://www.huffingtonpost.com/2011/09/23/dakota-fanning-ditches-nyu-dorms-refuses-to-wear-sweatpants_n_977778.html#s311655&title=Emma_Watson
3 http://www.collegefashion.net/fashion-tips/what-to-wear-to-a-college-party-3-cute-campus-approved-looks/
4 http://fsa.sunysb.edu/2011/11/check-out-our-new-store-layout-seawolves-marketplace/

Mit Verweis auf einen meiner vorangegangen Beiträge möchte ich am Thema der Nachlässigkeit anknüpfen – die Berliner Jungdesignerin Anna-Magdalena bezeichnete im Interview ihre Stadt als “die Stadt der kultivierten Nachlässigkeit”, “Die Zeit” sieht in der modischen Nachlässigkeit der Hauptstädter eine “bewusste Inszenierung”.

Zerrissene, oder zumindest ausgewaschene Jeans – used look – verwuschelte, zerzauste Haare, als käme der Träger dieser Frisur direkt aus den Federn – out-of-bed-look-Haargel – eine Kommode, die direkt aus dem Wohnzimmer der Großeltern stammen könnte, nur dass jene sie schon lange zum Restaurator gebracht hätten – shabby chic.

Diese drei Beispiele genügen zur Skizzierung jenes in den 80ern aufgekommenen Trends, der uns allen wohlbekannt ist. Dass sich diese Phänomene bei weitem nicht nur auf Berlin oder Deutschland beschränken lassen, liegt auf der Hand, jedoch scheinen die Berliner als besonders ambitioniert und eigen im Bezug auf die modische Nachlässigkeit zu gelten. Als spezifisches Berliner (bzw. aus Berlin stammendes) Phänomen kann beispielhaft der Jutebeutel als Handtasche des ‘Hipsters’ genannt werden oder die sehr beliebten Shirts mit Retro-Aufdrucken. Diese Gruppe beschreibt auch Jens Jessen in seinem Artikel “Berliner Stil” (“Die Zeit”). Neben den gegebenen Beispielen bringt er noch einen weiteren, explizit auf Berlin bezogenen Punkt generellerer Art ins Spiel: “Die Furcht vor dem Neugekauften”. Der Berliner habe eine Vorliebe für Second-hand-Kleidung – diese vermeide den Eindruck, das Kleidungsstück sei ‘neu’. Was spricht nun allerdings gegen im Neuzustand erworbene Kleidung oder dem bloßen Anschein derer? Warum die Nachlässigkeit als Ideal?

Jessen zieht zur Beantwortung dieser Frage stadtgeschichtlich den “proletarischen Charakter” und im Weiteren einen “Gefühlssozialismus, der jeden Hinweis auf wirtschaftliche Besserstellung zu vermeiden sucht” heran. Als final verantwortlich für die Nachlässigkeit nennt er den Grund, dass man in Berlin dem “explizit Modischen” nicht traue, was an der Tatsache liege, dass man “dem frischen Geld nicht traut” und führt dies wiederum auf die (Nach-)Wendesituation zurück:

“Der Berliner, egal, ob aus Ost oder West, sieht die äußeren Zeichen von neuem Wohlstand nicht gerne, weil er sich den rechtmäßigen Erwerb nicht vorstellen kann.”

Von dieser, allzusehr auf ökonomisches Kapital rekurrierenden Argumentation möchte ich mich in der folgenden Betrachtung distanzieren und mein Augenmerk auf sozial-symbolische Beziehungen legen. In dieser Hinsicht möchte ich in der Zeit einen großen Schritt tun und auf einen Text aus dem Jahre 1529 und somit der italienischen Hochrenaissance bezugnehmen: Il libro del Cortegiano (ital. “Das Buch vom Hofmann”) von Baldesar Castiglione. Castiglione, selbst Teil der höfischen Gesellschaft, setzt es sich zum Ziel ein Bild des perfekten Hofmanns zu entwerfen, zu ergründen, welche Fähigkeiten er zu besitzen habe usw. Diese Beschreibung findet in Form eines Gesprächspiels Ausdruck – die allabendliche Zusammenkunft der am Hof von Urbino ansässigen Hofmänner skizziert debattierend nach und nach jenes Bild.

Es ist das Zeitalter des aufkommenden Humanismus, des Ideals des ‘uomo universale’ und so ist es selbstverständlich, dass der Hofmann ein “vollkommener Reiter in jedem Sattel”, wie Castiglione es einem der Gesprächsteilnehmer in den Mund legt, sei. Es kommt zu konrekten Aufzählungen an Fähigkeiten sportlicher, kriegerischer und intellektueller Natur, welche der perfekte Hofmann zu besitzen habe; er soll ein ‘uomo universale’ sein, soll alles können – dabei geht es allerdings nicht nur um die schiere Häufung von Fähigkeiten, sondern mit großem Nachdruck auch um das “wie”, um die richtige Darbietung. Neben der ‘grazia’ (ital. Anmut) wird nun auch die ‘sprezzatura’ (ital. Lässigkeit), eine wörtliche und begriffliche Neuschöpfung Castigliones, angeführt. Die Künstelei (im Original ‘affetazione’) sei wie “eine rauhe und gefährliche Klippe zu vermeiden”, es handelt sich bei der ‘sprezzatura’ um die “künstliche Kunstlosigkeit, jene Anstrengung, die Anstrengung zu vermeiden”, oder sie zumindest zu verbergen.

Hätte man zu Castigliones Zeiten den Begriff der Authentizität, so wie heute selbstverständlich, schon auf das Auftreten und Verhalten von Menschen bezogen, so hätte er ihn an dieser Stelle sicher verwendet, denn genau darum geht es: Nur der Hofmann, der in der Lage ist, seine universalen Fähigkeiten als natürlich darzustellen, wird als authentisch wahrgenommen. Jede Künstelei wirkt als Schauspiel, jedes übermäßige Betonen der eigenen Kunstfertigkeit als etwas Besonderes rückt die Darbietung in ein arrogantes Licht, wohingegen die sprezzatura, die Lässigkeit als Königsweg zur Herstellung von Authentizität gilt.

Die folgende Aussage Castigliones lässt sich auch eins zu eins auf das eingangs beschriebene Berliner Nachlässigkeitsphänomen übertragen:

“Wahre Kunst ist, was keine Kunst zu sein scheint; und man hat seinen Fleiß in nichts anderes zu setzen, als sie zu verbergen.”

Der von Jessen angesprochenen Inszenierung der Nachlässigkeit ‘der Berliner’ findet sich hierin wieder; genau wie für den Hofmann entspricht sie einer Form der Authentizität – seine und Castigliones Aussagen decken sich in erstaunlicherweise Art und Weise. Der Berliner kleidet sich, “als hätte er nicht anders gekonnt”, der Hofmann stellt seine Lässigkeit zur Schau und “bezeigt [somit], dass das, was man [er] tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustande gekommen” sei.

Beide verbergen die Kunst, die hinter ihrer Unkünstlichkeit steht. Und beide kreieren daraus ihre Authentizität.

Während es beim Hofmann weniger oder vielmehr nicht ausschließlich, um sein äußeres Erscheinen im Sinne vernachlässigt wirkender Kleidung geht, sondern um sein gesamtes Auftreten (und hierbei im Besonderen auf die Darbietung seiner perfektionistisch antrainierten Fähigkeiten), scheint es sich bei der von Jessen skizzierten Berliner Modeerscheinung genau um das zu handeln.

Was über das Verhalten der Berliner Nachlässigen (im Stile von Castiglione) zu sagen ist, bedarf sicherlich einer weit differenzierteren Beobachtung, als dies in diesem Rahmen möglich wäre. Die in Form der Kleidung angelegten Nachlässigkeit sollte wohl allerdings nicht getrennt vom gesamten Gebaren der Person gesehen werden, sondern als nach außen fortgesetzte Form einer inneren Haltung. Als darauf hindeutend kann beispielsweise auch der bereits erwähnte Shabby-chic-Stil dienen – womit sich wieder zeigt, dass der Modebegriff nicht nur Kleidung miteinschließt, sondern weitere Bereiche des Lebensstil.

Die schriftliche Ausformulierung des Hofmann-Ideals liegt mit Castigliones “Il libro del Cortegiano” vor, ein ‘Berliner’- bzw. Hipster-Äquivalent gibt noch nicht. Das wird es wohl allerdings auch nie, denn: Für den Hofmann des 16. Jahrhunderts stellte es eine Chance dar, Castigliones Buch in den Händen, oder zumindest seine beflügelnden Gedanken im Ohr zu haben und sich nach besten Kräften daran zu orientieren. Während jedoch der Begriff des Hofmanns etwas Positives, die Zugehörigkeit zum Stand des Hofmannstums ein Privileg darstellte, liegt beim Begriff des ‘Hipsters’ eine Negativkonnotierung vor. Es ist nichts Anzustrebendes der Gruppe der Hipster zugerechnet zu werden, da diese Zurechnung per se mit unauthentischem Verhalten verbunden wird. Sich diesem Begriff unterzuordnen scheint somit dem Verlust der Individualität gleichzukommen, welche als Ideal des ‘Berliner Stils’ (in all seiner Andersartigkeit zum modischen Schick in klassischer Hinsicht) gesehen werden kann.

Letztlich kann die Nachlässigkeit des ‘Berliner Stils’, des ‘Berliner Szenemenschen’, des ‘Hipsters’, oder wie man die Gruppe auch immer benennen will, als ein Echo der sprezzatura des Hofmanns gesehen werden. Das Ziel der Authentizität im Sinne persönlicher Echtheit wird auf dem Weg der Nachlässigkeit zu erreichen versucht . Die verschiedenen Gangarten, die hierbei an den Tag gelegt werden können, in welchen Farben und Formen diese Nachlässigkeit praktiziert werden kann, sind natürlich der jeweiligen Zeit, den jeweiligen Moden unterworfen und somit variabel.

Kleidung als Medium, darüber haben wir in diesem Blog nun schon viel gelesen. Wer sich wie anzieht – bewusst oder auch unbewusst – kann also als Stellungnahme angesehen werden. Anhand von bedruckten T-Shirts oder Pullovern mit Sprüchen, Symbolen, Werbung (Merchandise) etc. ist dies besonders leicht zu erkennen. Deshalb gibt es auch immer wieder bei diversen Veranstaltungen wie Festivals, Konzerte etc. T-Shirts – manchmal gratis – mit Werbung für die jeweilige Veranstaltung. Diese Art von Merchandise hat sich im August die Initiative EXIT zu Nutzen gemacht. EXIT hilft Menschen, die aus rechtsextremistischen Szenen aussteigen wollen und beschäftigt sich mit dem Verhalten verschiedener rechtsextremer Gruppierungen.

Die NPD hat dieses Jahr zum neunten Mal das Festival ”Rock für Deutschland”" veranstaltet. Daran nahmen etwa 600 Neonazis teil. EXIT verteilte auf dem Festival etwa 250 T-Shirts. Diese T-Shirts waren schwarz und hatten einen weißen Aufdruck mit einem Totenschädel, geschwenkten Fahnen der „freien Kräfte“ und den Wörtern Hardcore Rebellen – Nation und frei.

Warum sollte eine Initiative wie EXIT auf einem solchen Festival derartige T-Shirts verteilen? Durch eine fiktive Person war von EXIT Kontakt zu den Veranstaltern des Festivals aufgenommen worden, um die T-Shirts als Spende für das Festival zu übergeben. Die Veranstalter bekamen die T-Shirts geschickt und verteilten sie auf dem Festival.

Die Antwort auf die Frage, warum EXIT diese T-Shirts verteilen ließ, ist Teil der griechischen Mythologie: Die T-Shirts waren 250 trojanische Pferde. Nach einmaligem Waschen der T-Shirts löst sich nämlich der Aufdruck und es erscheint ein Aufdruck, der sich nicht mehr auswaschen lässt:

„Was dein T-Shirt kann, kannst Du auch – Wir helfen Dir Dich vom Rechtsextremismus zu lösen“ sowie die Kontaktdaten von EXIT kamen zum Vorschein. Diese Art von Merchandise war natürlich von den Veranstaltern von Rock für Deutschland nicht beabsichtigt und EXIT hat sich damit das Medium Kleidung auf sehr einfallsreiche Weise zu Nutzen gemacht.

Weitere Links:

Artikel in der TAZ

Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Stellungnahme EXIT



Jeder kennt sie, die Schnürsenkel, auch Schuhbändel genannt. Sie sorgen dafür, dass unsere Schuhe an den Füßen bleiben. Schon lange sind sie aber nicht mehr nur weiß, schwarz oder erdfarben. Viele kaufen bunte Schnürsenkel, um die eigenen Treter aufzupeppen.

Als kürzlich ein Freund meiner Schwester zu Besuch bei uns war, blitzten plötzlich die Enden eines Schnürsenkels unter seinem T-Shirt hervor. Ich fragte ihn, ob er Schuhbändel an Stelle des Gürtels trage und war sehr überrascht, als auch meine Schwester bestätigte, dass sie dies öfters tue.

Nun wollte ich das genauer wissen und so wurde mir erklärt, dass das vorallem für Skater von Vorteil sei. Die Hose würde immer noch sitzen, dafür hätte man nicht mehr das schmerzhafte Problem der Gürtelschnalle bei Stürzen und auch bei Tricks würde der Gürtel nicht mehr einschneiden und behindern.

Allerdings skatet meine Schwester nicht, warum trägt also sie Schnürsenkel? „Unter engen T-Shirts, die über den Gürtel reichen, sieht man meist die breite Schnalle. Das gefällt mir nicht. Also habe ich begonnen Schuhbändel zu verwenden. Sie sind viel flacher und den Knoten sieht man bei weitem nicht so sehr wie die Gürtelschnalle.“

Diese Argumente überzeugten mich, also habe ich auch einmal meine Hosen mit Schnürsenkeln getragen, anstatt mit Gürtel. Das Ergebnis: Es ist wirklich sehr bequem und unauffällig.

Ich habe mich mit Freunden über diesen neuen Trend unterhalten, aber kaum jemand kannte dieses Phänomen. Also habe ich das Internet herangezogen und mich schlau gemacht. Etwas enttäuscht habe ich festgestellt, dass der Schuhbändel-Gürtel gar nicht so neu ist. „Shoelace-belts“ heißen sie in manchen Blogartikeln, sie sind sogar unter der Kategorie „Gürtel“ in online shops zu finden, die teureren mit extra flacher Schnalle (http://streetwear.edelight.de/b/streetwear-trend-schnuersenkel-guertel/) und es gibt sogar Hosen, die spezielle Gürtelschlaufen haben, um den Schnürsenkel an seinem Platz zu halten (http://www.eybl.at/Skatemode/Guertel/K/8796483027086/Guertel.html?N=2050&Nu=P_MasterNumber_EY&).

Ob neuer Trend oder nicht, ich persönlich finde den shoelace-belt eine raffinierte Idee und werde bestimmt das ein oder andere Mal auf diese billige Gürtelvariante zurückgreifen, besonders zu Anlässen bei denen keine Gürtelschnalle zu sehen sein soll.

Wer es nicht ganz so unauffällig mag, kann die bunten Bänder unter dem T-Shirt hervorblitzen lassen.

Strass ist seit dem 18 Jh. bekannt und  heutzutage wieder richtig im Trend.

Glitzernde Glassteine waren einst als Imitationen für Edelsteine gedacht, deswegen gilt „Strass“ als Synonym für Diamant-Imitationen. Der Name „Strass“ stammt von einem elsässischen Erfinder und Juwelier Georg Friedrich Strass. Er hat versucht das Glas mit Blei zu vermischen und in seinen Modeschmuck einzusetzen. Daraus sind wunderschöne Schmuckstücke geworden, die fast jede Frau faszinieren.
Nicht nur Kleider wie Jeans, T-Shirts und Taschen wurden mit Strass ausgeschmückt, sondern auch die Haare, Nägel und Körper. Besonders schön sehen solche Strassverzierungen auf einem dezenten wie auch markanten Make-Up aus. Dadurch bekommt das normale Gesicht etwas Eigenartiges und Außergewöhnliches, das Aussehen wirkt gleich betont. Daraus entstand eine eigene Kunstform des Körper- und Kleidungsschmucks.
Meiner Ansicht nach sieht jedoch, die mit Strass ausgeschmückte und verschönerte Kleidung schnell eher vulgär, kitschig und geschmacklos aus.

Im Jahre 1930 ist in Amerika eine neue Moderichtung aufgetreten: der bunte Cowboy-Style. Dieser Stil tauchte überall auf: im Kino, in Comics, in der Werbungen, in den Kleidungsgeschäften udn besonders  in der Country-Musik.
Westernstyle oder Cowboystyle spricht in gewisser Weise für sich selbst: Denn Cowboys trugen eine bequeme Kleidung, die dem Klima, dem Wetter und der Arbeitstätigkeit entsprach. Deswegen war die Bekleidung fest, haltbar und sicher.
Unerlässliche Cowboy-Attribute sind Cowboyhut, Stiefel, Lasso, aber auch ein Revolver.
Deshalb werden sie auch in den trendigen Fassungen zentral, wie die verzierten Stiefel, natürlich aus echtem Leder hergestellt. Ein zweites wichtiges Merkmal ist ein kariertes Hemd und nicht unbedeutend ist der Hut, der auch als Stetson bekannt wurde.
Das ist wohl kein Geheimnis, dass derjenige, der im Western-Style gekleidet ist, immer die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dabei spielt der Ort seines Erscheinens kaum eine Rolle. Dieser Stil ist zwar heutzutage sehr bekannt, überrascht jedoch immer wieder mit seiner Eigenwilligkeit.

www.world-of-western.com/Western
www.westernmode.net
Western style (blog)

Goldene Pullis und goldene Accessoires, z. Bsp. SchalsTasche mit Goldschnalle und trendige Gold-UhrTasche mit weiteren Goldelementen an Schnallen, usw.

Güldener Herbst!!!!
Die Farbe der Herrscher, der Könige und Symbol von Wohlstand! Der Rohstoff Gold!
In Zeiten der Wirtschaftskrise soll man laut angesehen Wirtschaftszeitschriften nun wieder sein Geld in Goldbarren anlegen. Was auch ein Großteil unserer Gesellschaft tut - Gold verliert seinen Wert nicht.
Die kalten Tage sind nun wieder im Anmarsch und der Sommer verabschiedet sich. Doch nun kommt die Frage aller Fragen: Was ist der absolute Herbsttrend und mit welchen Teilen ist die Frau absolut „In“?
Natürlich Gold!

Der italienische Stardesigner Valentino entwarf extra für Keira Knightleys Fimpremiere bei den Venedig-Filmfestspielen ein wunderschönes Kleid aus golden bestickter Spitze!  Andere bekannte Modeikonen der Glamourwelt liessen sich davon inspirieren und machten es Mademoiselle Knightley nach, wie zum Beispiel das amerikanische It-girl: Olivia Palermo, welche nun auch einen eigenen Modeblog unter selbigem Namen besitzt, da sie in den USA als eine Stilikone gilt. Sie erschien kurze Zeit später in einem ähnlichen goldenen Traum von Valentino!

Ob an Handtaschen, Schuhen, Oberteilen, Schnallen oder Broschen mit einem Goldaccessoire ist man in dieser Herbstsaison absolut richtig. Viele Designer kokettierten in ihren Herbst-Winter-Kollektionen mit goldenen Schnallen- Accessoires an ihren Taschen, Gürteln und Stiefeln.

Beginnt man eine Reise durch unsere Gesellschaft, inklusive großen Haushaltswarengeschäften und bekannten schwedischen Möbelhäusern, so konstatiert man in den Regalen viele goldene Accessoires, sowie goldene Dekorationselemente auf den Tischen und an den Wänden! Doch nicht genug, das Gold zieht sich als Musterelement auch weiter als Verzierung auf Tischdecken, Schals und auf Tapetten.
Der Klassiker: auf dem Bild oben sieht man eine Swatch-Uhr, das klassische Modell, ganz in Gold. Außerdem in sind goldene Accessoires-Feinheiten, wie zum Beispiel feine Goldnieten an einem Gürtel, oder eine goldene Schnalle auf einem grobgestrickten Pulli! Natürlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In nahezu fast allen Drogeriemärkten oder in sogenannten „Ramschläden“ findet man kleine, goldene Details, mit denen man seinen eigenen Kleiderschrank individuell aufpeppen kann!

 

Das Jahr 2011 geht langsam dem Ende entgegen und die Modewelt ist darin um einige neue Trends bereichert worden. Große Labels und namhafte Designer haben wie immer versucht, sich mit spektakulären Ideen zu übertreffen, um diese dann auch möglichst erfolgreich zu verwirklichen und an die Frau und den Mann zu bringen.

Zurückblickend lässt sich ein besonders großer Erfolg erkennen, der sich bestimmt noch durch die nächsten Jahre ziehen wird – bei mir jedenfalls bestimmt.

Männermode für Frauen und Elemente aus der Frauenmodewelt für Männer gab es seit diesem Frühjahr überall verstärkt zu sehen und, falls der persönliche Geschmack getroffen wurde, zu kaufen. Dieser gegenseitige Austausch ist eine Besonderheit und ihn hat es so intensiv wohl kaum davor gegeben. Wenn, dann lässt sich dabei an emanzipierte Frauen zurückerinnern, die um die Zeit des ersten Weltkrieges begannen, sich aus der unpraktischen und oftmals unbequemen Frauenmode zu befreien und sich mehr für funktionelle Damenmode mit männlichen Elementen zu interessieren. Die Mode-Ikone Coco Chanel bereitete dafür um 1916 den Weg. In dem Film “Coco Chanel- Der Beginn einer Leidenschaft” wird die Geschichte der revolutionären Designerin erzählt und Chanels Aufruf, Frauen nicht mehr verbessern und formen zu wollen, nachvollziehbar dargestellt. Natürlichkeit, Beweglichkeit und, vor allem, Unabhängigkeit standen nun im Vordergrund und sollten noch viele Modeschöpfer nach Coco Chanels Zeit inspirieren. Weiblichkeit sollte deshalb natürlich trotzdem nicht als wichtiges Element ausgelöscht werden, sondern Chanel beabsichtigte vielmehr einen Wandel des Frauenbilds.1

In der heutigen Zeit besteht, zumindest in unserer Kultur, sicherlich nicht mehr der Drang, die Gleichberechtigung und Unabhängigkeit von uns Frauen durch das Übernehmen von männlichen Modeelementen zu unterstützen. Nichtsdestotrotz war und ist der androgyne Gentlemen- Style das Thema in dem Modejahr 2011. Den Anfang machte die Boyfriend-Jeans, mit ihren weiten Hosenbeinen und ihrem Used- Look. Etwas schicker kleidet man sich mit Chino- Hosen und Oversize- Sakkos oder sogar mit Westen und Schnürschuhen. Vor allem trägt man diese im Budpasterstil mit den speziellen Lochverzierungen an der Vorderkappe. Komplett ist die männliche Kombi dann letztendlich mit Hut. Um trotzdem den weiblichen Akzent nicht untergehen zu lassen, empfiehlt es sich, „Wert auf besonders weibliche Stücke zum Kombinieren und Aufpeppen [zu] legen“2

Wenn man also einen Over-Size-Blazer trägt, lässt sich dazu eine weibliche Röhrenhose kombinieren, oder zu einer weiten Boyfriend-Jeans elegante High Heels.

Abgesehen davon., dass der Männer-Schick der absolute Trend dieses Jahres war und ist, sehen es manchen Frauen wohl auch als Möglichkeit, Körperstellen, mit denen sie persönlich unzufrieden sind, zu kaschieren und dabei auch noch höchstmodern zu sein.

Zuletzt ist vergleichend auch noch ein Wandel in der Männermodewelt zu erwähnen. Es handelt sich dabei um den Durchbruch eines unverzichtbaren und alltäglichen Gegenstand aus dem Leben so ziemlich jeder Frau - die Rede ist von der Handtasche. Schon vor einigen Jahren begannen Designer, Männermodels mit Handtaschen auf den Laufsteg zu schicken. Auf der Straße hat man dieses Bild allerdings eher selten zu Gesicht bekommen. Taschen erfüllten für die meisten Männer lediglich praktische Zwecke, wie zum Beispiel die Sporttasche für das Fußballtraining, die Reisetasche für den Urlaub oder die Laptoptasche für geschäftliche Meetings. Das hat sich geändert. Mehr und mehr trauen sich unsere männlichen Mitmenschen, schickere Handtaschen als Accessoire in moderne Outfit-Kombinationen miteinzubeziehen, ohne dabei den praktischen Zweck einbüßen zu müssen.

Ich persönlich bin ein großer Fan des modischen, zwischengeschlechtlichen Austauschs und bin gespannt, was 2012 in diesem Bereich für uns bereit hält!

1Siehe Referat vom 23.05.2011 „Mode im Film“ ihm Rahmen des Seminars Populäre Medien:Medien der Mode

2 http://www.n24.de/news/newsitem_6696701.html „Ein echter Typ: Sexy Männermode für Frauen“ veröffentlicht am 01.03.2011 09:12 Uhr, recherchiert am 21.10.2011

Jeder kennt es, jeder trägt es. Kleidung der Modekette „H&M“ ist wohl in kaum einem anderen Land so verbreitet und präsent wie in Deutschland. Zwar bemängelt jeder den Umstand, dass man auf der Straße ständig Leute mit dem gleichen T-Shirt oder derselben Jacke sieht, jedoch führen die niedrigen Preise dazu, dass wohl kein Deutscher und schon gar keine Deutsche ohne auch nur ein Kleidungsstück von H&M im Schrank auskommt. Ich selbst stelle ab und zu mit nicht wenig Schrecken fest, dass ich in demjenigen Moment tatsächlich ausschließlich mit Klamotten von „H&M“ bekleidet bin und mit ausschließlich meine ich samt Unterhose und Socken! Da ich hoffentlich und wahrscheinlich nicht die einzige Person bin, der es von Zeit zu Zeit so geht, ist es auch nicht verwunderlich, dass die schwedische Modemarke allein ein Viertel ihres gesamten Umsatzes in Deutschland erzielt.

Was viele nicht wissen ist, dass bereits im Jahr 1947 der Grundstein für den weltweiten Siegeszug in Schweden gelegt wurde. In diesem Jahr gründete der Schwede Erling Persson in dem kleinen Städchen Västerås sein erstes „Hennes“-Geschäft. „Hennes“ ist schwedisch und bedeutet so viel wie „für sie“ oder „ihres“. Das anfänglich ausschließlich Damenmode führende Geschäft holte erst 21 Jahre später den Jagdbekleidungshändler Mauritz Widforss ins Boot, der auch Herrenbekleidung im Sortiment führte. Daraus folgte die Aufnahme einer Herrenkollektion und die Einführung des heute so geläufigen Namen „Hennes & Mauritz“ („H&M“). Anschließend begann gemächlich aber stetig die Eroberung der europäischen Märkte. Die erste deutsche Filiale des heutigen Weltkonzerns eröffnete bereits 1980 in Hamburg. Heute unterhält die Kette, deren Sitz nach wie vor in Stockholm liegt, über 2300 Filialen in über 41 Ländern und beschäftigt im Jahr 2011 ca. 87000 Mitarbeiter. Der reine Ertrag im Geschäftsjahr 2010 lag bei rund 127 Milliarden Schwedischen Kronen (~ 14 Milliarden Euro). Die einzigen Kontinente, die es auf geradezu unerklärliche Weise noch schaffen ohne „H&M“-Filiale zu überleben sind Australien und Südamerika. Allerdings ist man geneigt zu sagen, dass es wahrscheinlich auch dort nur eine Frage der Zeit ist, bis das schwedische Modehaus Fuß fasst und somit tatsächlich die ganze Welt erobert hätte. Die vorerst letzte Station der Eroberungswelle ist Singapur.

Die erste singapurische Filiale eröffnete am 03. September dieses Jahres auf der größten und prestigeträchtigsten Einkaufsmeile Singapurs, der Orchard Road. Da ich zu dieser Zeit selbst in Singapur war, konnte ich mit eigenen Augen miterleben, wie groß die Marketingkampagne vor der Eröffnung aufgezogen war. Überall hingen überlebensgroße Plakate der Modekette. Auffällig war, dass die Plakate ausschließlich Gesichter europäischer Models zierten und auch die offizielle Homepage des singapurischen Ablegers (http://www.hm.com/sg/) nur mit Europäern beworben wird. Kein einziges asiatisches Gesicht ist auf der Seite zu finden. Weniger verwunderlich ist dabei allerdings, dass die Kleidung natürlich weltweit und somit auch in Singapur exakt die gleiche ist, soll heißen westliche Schnitte, westlicher Stil, schlichtweg westliche Mode. Die Frage, die sich stellt, ist: Welche Auswirkungen hat das für die spezifische Mode oder gar Kultur eines Landes?

Singapur ist neben HongKong und Tokyo die Wirtschaftsmacht und Finanzmetropole Asiens. Durch einen sagenhaften wirtschaftlichen Aufstieg, der dem Land in Anlehnung an andere sogenannte Tigerstaaten, wie beispielsweise Irland („Celtic Tiger“) den Namen „Singaporian Tiger“ einbrachte, ist Singapur heute eine der westlichsten Städte der Welt, die auf eine gewisse Art und Weise vielleicht sogar westlicher bzw. moderner ist als Städte wie Paris, Rom oder Berlin. Der Financial District ist vollgepackt mit Hochhäusern sämtlicher führender Banken und Großkonzerne der Welt, die Orchard Road eine Aneinanderreihung von Apple, Starbucks, Prada und Gucci. Insofern ist es in einer globalisierten Welt nicht verwunderlich, dass nun auch H&M ein Stückchen vom Kuchen abhaben möchte. Obwohl der mit Abstand größte Teil der Bevölkerung asiatischer Abstammung ist (fast 80% Chinesen, ~ 14% Malaien und ca. 8% Inder), hat wie wahrscheinlich in jeder Weltmetropole der westliche Kleidungsstil nicht nur Einzug gehalten, sondern bestimmt auch das Bild der Mehrheit. Traditionelle asiatische oder nicht-westliche Mode ist weitestgehend verdrängt. Einzig und allein die indische Bevölkerung scheint sich diesem Trend noch zu widersetzen, wobei gerade die Männer und vor allem auch die jüngere Generation von der westlichen Hegemonie infiziert scheinen.

Selbstverständlich hängt dieser Befund nicht ausschließlich mit der Anwesenheit westlicher Modehäuser zusammen, jedoch bestimmt auch hier das Angebot die Nachfrage und so ist es nur logisch, dass nun nach Prada, Gucci & Co. – also Häusern für den vorwiegend gutsituierten europäischen Bevölkerungsanteil – eine relativ erschwingliche Modekette wie „H&M“ eine Filiale eröffnet und somit die Nachfrage weiterer Bevölkerungsschichten – sprich mehrheitlich Asiaten – nach westlicher Mode und allem, was damit assoziiert wird, stillt.

Das eigentlich Beängstigende dieser Entwicklung ist die Vorstellung, dass nicht nur ich oder andere Europäer in den selben Klamotten durch die Städte gehen, sondern zusätzlich die Singapuris, Chinesen, Inder, Ägypter und Marokkaner dieser Welt. Die Vorstellung einer Welt ohne jegliche Diversität in Mode und Stil ist eher Alptraum als alles andere. Ob die Zeiten des asiatischen Einflusses auf die europäische bzw. westliche Mode – den es durchaus gab; man denke an den berühmten „Mandarin Collar“ – endgültig vorbei sind, wird die Zukunft zeigen.

Früher einmal mit Spießertum und Nerdtum assoziiert avancierten Hornbrillen in den letzten Jahren zu einem Modetrend, der seinesgleichen sucht. Dem Hornbrillenträger haftet ein intellektuelles, zumeist aber auch ein „nerdiges“ Image an. Woody Allen als einer der berühmtesten Hornbrillenträger verkörpert dieses Image wie kein zweiter. Wie kam es aber, dass sich massenhaft junge, hippe Leute plötzlich diese Brille aufsetzten? 

Ihren Durchbruch in Deutschland feierte die Hornbrille vor circa zwei Jahren. Die Entwicklung zu diesem Trend begann aber wie immer viel früher. Ich persönlich wunderte mich schon vor sechs Jahren über das neue Modell einer befreundeten Künstlerin. Ehrlich gesagt, habe ich das modische Potenzial der Hornbrille damals noch nicht erfasst. Berühmter Vorreiter der neuen Mode war der, wie immer in modischen Angelegenheiten sehr selbstbewusste Johnny Depp. Er spaziert nun schon seit einigen Jahren mit dem für ihn typischen Gestell über die roten Teppiche dieser Welt. Johnny Depp gehört allerdings nicht zu jenen, die sich mit dem Nerd- Image der Brille schmücken möchten. Vielmehr passt diese Brille zu seinem ohnehin eigenwilligen aber eleganten Styling. Andere Stars ließen nicht lange auf sich warten. Bald schon trugen auch sonst eher schlichte und dezent gekleidete Stars wie Jennifer Aniston das Brillengestell. Es dauerte nicht mehr lange und die Brille hielt Einzug auf den Straßen der hippen Großstädte Europas. Vielleicht entstand der Trend aber auch in den Ateliers und Galerien Amsterdams, Berlins oder Londons. Diese Entwicklung lässt sich meines Erachtens nicht genau nachvollziehen. Der Trend hat aber nun einen Punkt erreicht, wo er eigentlich schon gar kein Trend mehr ist. Nachdem nämlich die Hipster, Künstler und Modefreaks die Brille längst wieder abgesetzt haben, ist sie nun, aus Plastik und mit Fensterglas, bei H&M erhältlich. Ab diesem Zeitpunkt darf man sich die Brille eigentlich nicht mehr zulegen. Was ich aber beobachte ist das Gegenteil. Wie bei anderen Trends und auch zum Beispiel Jugendkulturen, muss ein „Style“ erst für einige wenige mutig und ausgefallen sein. Es muss mit Überwindung und Distinktion gegenüber der (Rest-)Gesellschaft verbunden sein. Für diese kleine Gruppe erst mal mit Überwindung verbundensein, damit die große Gruppe des „Mainstream“ das geschliffene und weniger kantige Style-Objekt annimmt. Inzwischen wird die Brille also von jedem getragen. Dadurch büsst sie leider viel von ihrer Schrägheit und ihrer Besonderheit ein. Aber so ist das nun mal mit Trends.

Ein Viertel der deutschen Frauen gibt an regelmäßig zu stricken. Tendenz steigend. Der Verweis auf die Vergreisung der Gesellschaft, in dessen Folge prozentual mehr Frauen zu Wolle und Nadeln greifen –ob aus Gewohnheit oder gar aus Freude – fängt als Begründung an Relevanz zu verlieren, besieht man sich die Prozentzahl der Männer. Auch bei diesen steigt die Zahl derjenigen, die sich zum Stricken berufen fühlen.

Tatsächlich befindet sich das Stricken seit kurzer Zeit auf dem Vormarsch: raus aus den Kaffeekränzchen, rein in den Großstadtdschungel. Hier lässt sich mit etwas Aufmerksamkeit die ‚Renaissance des Strickens‘ entdecken. Egal ob Mützen für die Kugelpfosten, ein Schaal für die Litfaßsäule, Stulpen für den eisernen Bismarck oder wollene Blumen, die aus Wandrissen und Plattenfugen sprießen – der neuen Spielart der street art scheinen keine phantastischen Grenzen gesteckt. Erlaubt ist, was Farbe in die Betonwüste bringt.

Mag dieser Wahlspruch so oder ähnlich auch für Graffitis gelten, so unterscheiden sich diese doch in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Tatbestand einer Straftat ist beim Guerilla Stitching nicht erfüllt, die gestrickten Werke jederzeit umstandslos entfernbar.

Nur, warum sollte man sich wirklich am Guerilla Stitching gestört fühlen wollen?

„Macht kaputt, was euch kaputt macht“ scheint hier überholt, vielmehr stehen die strickenden Selbstberufenen für den spielerischen Versuch, ihr Viertel, ihre Stadt, ihre Welt aktiv mitzugestalten, die urbane Umgebung zur Mode des Menschen zu machen und nicht den Menschen zur Mode des Urbanen.

Endlich also eine kuschelige Variante des Lokalpatriotismus – bleibt die Frage: „I love NY“-Shirts kaufen, „Barcelona/London“-Taschen tragen oder zum Wollknäul greifen?

Ein Gespenst geht um in Europa, die Nerd-Brille. Um im Klischee zu bleiben: Ihr Siegeszug beginnt in den Kreativ-Kiezen der Republik, namentlich Berlin-Prenzlberg und Hamburg-Altona. Hier entdeckt der Hipster seine avantgardistischen Wurzeln neu und tauscht die entliehenen working-class-Insignien (Jeansjacke und Truckerkappe) gegen die Nerd-Brille. Von hier führt ihr Weg bundesweit durch obskure Kneipen und über Flohmärkte in die Unterwelten der analogen Bohème zweiter Wahl, um schließlich etabliertes wie trendiges Accessoire all jener Geisteswissenschaftler zu werden, die sich für später ‚auch was mit Medien‘ vorstellen.

Soviel zum gängigen Prozess der Diffusion. Doch warum erkor der Hipster ausgerechnet die Nerd-Brille zu seinem neuen Erkennungsmerkmal? Ein Merkmal, in das sich namentlich eine Reihe gesellschaftlicher Vorurteile eingeschrieben hat, welche scheinbar in unüberbrückbarem Widerspruch zum Wesen des Hipsters stehen.

Eine Erklärung, warum der Hipster seit wenigen Jahren ausgerechnet den Nerd zitiert, liegt vielleicht in dessen sozialer Inkompetenz und Fachidiotie begründet. Der Hipster deutet die Unfähigkeit des Nerds – auf die ihm entgegengebrachte negative Zuschreibung zu reagieren – als dessen Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Konventionen um. Der Nerd erscheint daher im Licht der Eigenständigkeit und des Grenzgängertums – und somit als Vertreter von Werten, denen sich der Hipster selbst grundlegend verpflichtet fühlt.

Die Fachidiotie wiederum hat den Nerd an die ökonomische Spitze gebracht. Seine überbordende Intelligenz ist das sprichwörtlich einzige gute Haar, das ihm gelassen wurde. Sie verband sich mit seinem Hang zum Tüfteln und führte ihn so aus den Hobbykellern in die Chefetagen der IT-Branche. Nach dieser Lesart verortet sich der nerd-bebrillte Hipster ikonographisch im Feld der potenziellen Führungskräfte von morgen, indem er seine Leistungsbereitschaft durch das Symbol der Selbstständigkeit und Intelligenz unterstreicht.

In zweiter Lesart deutet die Aneignung der Nerd-Brille auf den Niedergang des Hipsterismus hin. Der Hipster erscheint hierbei in seinem Wesen weniger als Pionier und Vorreiter, sondern vielmehr als Getriebener. Die Hipster verfügen über kein gemeinsames ideologisches Programm, auf welchem sich beharren ließe. Sie gleichen einander lediglich im permanenten Austausch zur Schau gestellter Denksysteme und Symbole. Diese werden endlos aneinander gereiht, worin die paradoxe Kreativität des Hipsters besteht: Als deklarierter Individualist ist er nicht Schöpfer des Neuen, sondern wandelndes Zitat der Moden und (vergangener) Konventionen. Und Individualismus taugt nicht als Grundstock einer verschworenen Jugendbewegung.

Als eben dieser inhaltslose Individualist droht er nun im Mainstream unterzugehen. Mit der Hinwendung der ‚Mehrheitsmode‘ zum modischen Unikat, welches die Einzigartigkeit seines Trägers betont, schwinden die Möglichkeiten der Abgrenzung. Zwischen verordneter Individualität und Individualität aus Überzeugung lässt sich nicht trennen, da den Hipstern lediglich äußerliche Kriterien der Bewertung und Erkennung zur Verfügung stehen.

Diesen Zweck erfüllt auch die Nerd-Brille. Sie ist jedoch weniger Hommage an den Verlierer und Computerfreak, als vielmehr ein verzweifelter, nostalgischer Hilfeschrei um die klare Grenzziehung zwischen Underground und Mainstream, um die Alleinstellungsmerkmale von Gestern: die neurotische Authentizität eines Woody Allen, die Lässigkeit eines James Dean, die Leidenschaft eines Buddy Holly.

Das Dilemma des Hipsters ist, dass es ihm nicht gelingt, ein Erkennungsmerkmal abseits der Kleidermoden zu finden.  Die Anzahl der Nerd-Brillen in deutschen Vorlesungssälen ist der Abgesang auf den Hipster, der in seiner Flucht vor dem Mainstream von Millionen Individualisten eingeholt wird.

Der Anstoß zu diesem Essay kam mir, als ich eine Diskussion von Bekannten mitbekam, in der es darum ging, ob die heutigen Frauen nicht „zu männlich“ seien und ob man nicht zu einer neuen Weiblichkeit kommen müsste. Durch meine Beobachtungen der Hosentrends über Jahre hinweg (V-Hosen, Hüfthosen, jetzt wieder High-Waist-Jeans) möchte ich erörtern, wie sich Hosen, Röcke und Leggings gegenüberstehen und wie man sie in diese „neue Weiblichkeit“ einordnen kann.

Partei A war der Meinung, dass Frauen wieder mehr Röcke tragen sollten, um ihr eigenes Verhalten weiblicher darzustellen, da man beim Tragen von Röcken nicht breitbeinig sitzen kann, geschweige denn effektiv bücken, um einen Gegenstand aufzuheben. Von Partei B kam das Argument, dass die Hose doch etwas Unabhängiges darstellt und die selbstbewusste Frau auf ihren eigenen zwei Beinen präsentiert. Diese „Befürchtung einer Vermännlichung der Frau in Hosen“ (Bertschik; 2005; S. 115) ist nicht neu. Diese Bedenken wurden schon in den Jahren nach 1890 geäußert, als der Radsport bei beiden Geschlechtern immer populärer wurde und man deswegen anfing Hosenröcke für Frauen zu schneidern.

Doch wie sieht es heutzutage aus? Leggings werden, anders als in den 80er Jahren, mit einem Rock kombiniert oder, ganz im Stil der 80er, mit einem längeren Oberteil. Diese Kombination kam schließlich Frauen mit stärkeren Hüften entgegen, da die Hüfthosen oft sogar unter den Hüftknochen aufhörten (siehe die Marke Miss Sixty) oder einfach nur die Hüften deformierten. Wo die High Waist Jeans noch alles zusammenpackte und festhielt, leiert heute, je nach Körperstatur, die Hüfte aus. Der zweite Trend der Unterkörperbekleidungen kommt momentan mit den High-Waist-Jeans wieder.
Um mir ein besseres Bild von der Lage zu machen, fragte ich zwei Bekannte, die die 90er mitgemacht haben. Sie tragen Hosen nur aus funktionalen Gründen, wenn sie arbeiten gehen oder im Winter, da diese dann bequemer sind und mehr Wärme bieten. In der Freizeit und bei warmen Wetter greifen sie eher zu Kleidern und Röcken, die mittelhoch sitzen. Es kam auch die Anmerkung, dass die schönste Mode die Mode der 50er Jahre war, als die Frauen oft Kleider trugen, sich eher verhüllten und sich weiblicher benahmen. Im Winter werden auch immer öfters dicke Strumpfhosen mit dicken Winterröcken kombiniert, die noch immer einen kürzeren Aufenthalt im Freien voraussetzen.

Ganz im Gegensatz zu diesen Aussagen stehen Protestaktionen wie der „Slut Walk“ , bei denen sich die versammelten Frauen freizügig anziehen und gegen die Sexualisierung ihres Körpers in Bezug auf ihre Kleidung demonstrieren, mit der Begründung, dass ein Minirock und Ausschnitt keine Einladung oder Aufforderung zu sexuell konnotiertem Verhalten sei.

In der Weimarer Republik kam 1927 die Bezeichnung der „Neuen Frau“ auf. Diese definierte sich „durch ihre spezifische Kleidung, welche mit den vestimentären Traditionen der Vorkriegszeit radikal brach.“ (Bertschik; 2005; S.180) Der Pagenschnitt kam bei der Frau in Mode. Es kam eine Dichotomie der „femme fragile“ und „femme fatale“ auf, die die damaligen Diskussionen schürte. (vgl. 181)   Unterschieden wurde zwischen den „Girls“ und „Garconnes“. Das Girl ist sportlich-kameradschaftlich und hat eine kurze Pagenkopffrisur. Die „Garconne“ jedoch, (abgeleitet von dem französischen Wort für Junge – „Garcon“), vereine „sexuelle und geistige Potenz“ mit Herrenhaarschnitt, Krawatte und Smokingjacke. (vgl. Bertschik; 2005;  S.181) Hier wird die “männlichere” Frau als vollkommen dargestellt, als eine Person, mit der ein Mann sowohl in der Lage  ist zu reden  als  auch sie von der sexuellen Seite her zu betrachten.

Die Beispiele zeigen uns, dass der Diskurs zwischen Emanzipation und Weiblichkeit noch lange nicht zu Ende ist, besonders nicht in der Mode (und über seinen derzeitigen Zeitgeist), über die sie sich auch u.a. ausdrückt.

Literaturverzeichnis:
- Julia Bertschik, Mode und Moderne: Kleidung als Spiegel des Zeitgeistes in der deutschsprachigen Literatur (1770 – 1945), 2005 by Böhlen Verlang GmbH & Cie, Köln

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendeins von ihnen trage. Wenn ich aus dem Haus gehe, brauche ich eine Tasche, um das Wichtigste zu verstauen und jetzt, wo es wieder kühler wird, einen Schal, der mich warm hält. Armreifen gehören sowieso immer dazu und ab und zu auch mal eine Kette. Für manche erfüllen Accessoires einfach einen bestimmten Zweck, für die meisten sind sie jedoch ein unverzichtbares modisches Zubehör. Sie lassen sich auf verschiedenste Art und Weise einsetzen, mit allem möglichen kombinieren und sie geben jedem Outfit den endgültigen Schliff. Der Begriff „Accessoire“ ist offensichtlich französisch, stammt aber ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Zubehör oder Beiwerk. Dieser Begriff ist sehr weit gefasst, weshalb er auch in der Modewelt für sehr viele Dinge verwendet wird. Nicht unbedingt muss es sich bei diesen Dingen um kleine Sachen ,um Leder oder Silber handeln. Mittlerweile hübscht man sich besonders in prominenten Kreisen auch gerne mit kleinen Lebewesen, wie Mini-Hunden im farblich abgestimmten Designertäschchen auf (http://www.wunderweib.de/media/redaktionell/wunderweib/intouch2/stars/wennbilderstrecken/juli2009_3/wuffstarsundihrehunde/giselebundchen-hund-550×800.jpg) Wie immer geht es auch hierbei darum, sich durch möglichst abgefahrene Details von der Masse abzuheben.

Persönlich finde ich, dass weniger oft mehr ist und trage deshalb selten mehr als drei verschiedene Schmuckstücke. Ein stimmige Kombination ist mir wichtiger und ich wechsle lieber zwischen den Accessoires, die ich besitze, ab, anstatt möglichst viele zur Schau zur stellen.

In den letzten Jahren erschienen immer mehr recht erfolgreiche Comicverfilmungen auch jenseits von Superman und Batman, wie Spiderman, Iron Man, Captain America, Thor und Green Lantern. Manch einem mögen diese Superhelden etwas sagen und dann kommt einem der Gedanke, seit wann es diese Comic-Helden eigentlich gibt?
So richtig kam der Comicboom in den 30er und 40er Jahren auf. Ganz besonders Captain America, der gegen den Red Skull kämpft (welcher auf der Seite der Nazis war), spiegelte den damaligen Konflikt wider. Inzwischen sind 70-80 Jahre vergangen und man fragt sich automatisch: Sahen die Superhelden schon immer so aus?

Wenn man in den Weiten des World Wide Web nach älteren Ausgaben von bestimmten Superhelden sucht, stößt man auf einige Unterschiede in ihrem Aussehen. Rein filmtechnisch lässt sich dies in den drei Spiderman-Verfilmungen nachvollziehen, als im dritten Teil Peter Parker sich mit dem Symbionten vereint und somit zu einem schwarzen Spidermananzug kommt.
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Eingehen möchte ich auf die Outfits von verschiedenen Protagonisten des Green Lantern, dessen Figur in den 40er Jahren entstand, angefangen bei Alan Scott.
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In seinem 40er Jahre Outfit werden die “typischen” Klischees des Superhelden bedient. Er hat einen schwarzen Umhang und eine schwarze Maske auf. Seine Hosen und Stiefel machen den Eindruck, als wären sie aus Baumwolle. Die Hose hat einen hohen Schnitt und die Stiefel hören unterhalb des Knies auf. Sein Anzug sitzt nicht eng, sondern eher locker und vermittelt trotz standhafter Position einen lässigen Typen. Das Rot seines Hemdes passt zu seinen Stiefel und auf ihm prangt das Symbol der grünen Laterne. Das Outfit ist ein Zweiteiler.

Das Aussehen vom Nachfolger Hal Jordan in den 60ern wirkte schon weitaus dynamischer und bequemer zu tragen. Dieser besteht nämlich aus einem Teil und den drei Farben grün, schwarz und weiß.
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Aufgrund der dunkleren und dominanten Farben wirkt Hal Jordan weniger lächerlich und kindlich, sondern eher beeindruckend und männlich. Dies wird durch den glänzenden Latexeffekt noch unterstrichen. Sein Torso wird vom Grün umhüllt und um die Gliedmaßen erstreckt sich die schwarze Farbe. Nur seine Hände und Unterarme werden von weißen Handschuhen bedeckt, die die Interpretation ermöglichen, dass eben dieser Superheld für das Gute und Reine kämpft, da Weiß mit Unschuld und Gerechtigkeit in Verbindung gebracht wird. Die Farbe Grün soll in den Comics den Willen repräsentieren.
Hal Jordans kurzweilige Vertretung Guy Gardner, die später eine eigene Serie bekam, wirkte um einiges militärischer.
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Farblich ist das Aussehen ziemlich gleich aufgebaut. Der hochgestellte Kragen wird machohaft und wird vom Rollkragen abgerundet.
Der Aufdruck der Laterne ist bei beiden derselbe: Grün auf weißer Fläche.

Ein weiterer und einer der ersten dunkelhäutigeren Superhelden war in den 70ern John Stewart.
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Im Gegensatz zu Hal Jordan besitzt John Stewart grüne Handschuhe mit schwarzen Fäusten und nur seine Brust und sein Rücken werden von dem Grün besetzt. Der restliche Teil des Torsos ist schwarz.

DC Universe begann immer mehr, diese Sorte von Outfits mit mehreren Derivaten zu nutzen. Wie auch Guy Gardner hat er keine Maske auf.
Als echte dritte grüne Laterne (John und Guy nicht mitgezählt) tauchte dann Mitte der 90er Jahre Kyle Rayner auf.
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Sein Outfit lässt sich als Mischform des militärischen und dynamischen auffassen. Er wirkt, auch durch den größeren Aufdruck der Laterne, entschlossener und der Bogen der grünen Bedeckung an seiner Brust lässt ihn optisch größer erscheinen.
Am Ende kam in den Comicbuchreihen wieder Hal Jordan auf, dessen Charakter auch im, Kinofilm zu sehen ist.
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Sein Aussehen orientiert sich stark am Vorgänger und am eigenen alten, jedoch ohne die weißen Handschuhe. Die Farben beschränken sich auf Schwarz und Grün. Im Film war der Anzug in aktivierter Version komplett grün mit Abstufungen gehalten. Deaktiviert ging der Farbton eher in Richtung schwarz. Musste kein Kampf ausgefochten oder die grüne Energie der Laterne eingesetzt werden, pendelt sich der Farbton in das normale schwarz und Grün ein.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick über die Outfits geben konnte. Wer mehr darüber erfahren will, kann gerne diesem Link folgen. Dort gibt es eine Serie mit “Super Hero Fashion” in dem der Modedesigner Tim Gunn über die Outfits spricht.
http://www.youtube.com/watch?v=pre59AhUNDk&
http://www.youtube.com/watch?v=-7yMDnXmcPk&feature=related
Und hier spricht Tim Gunn explizit über den Green Lantern.

Letzten Endes denke ich, dass diese Entwicklung und das Augenmerk auf die Mode der Superhelden recht interessant ist und ich hoffe, dass ihr Spaß mit meinem kurzen Einblick hattet.
Last but not least, ein Diagramm über die Farben der Superheldenoutfits:
http://chzheroes.files.wordpress.com/2011/09/comiccolors_infographic1-e1316645395771.png?w=500&h=4208

En Vogue

Synonyme für das Wort vogue beschreiben nur zu gut, was die gleichnamige Zeitschrift mit dem Namen ausdrücken will. „Ansehen, modern, modisch, revolutionär, mit der Zeit gehend“, all diese Synonyme fassen das Modemagazin bestens in Worte.

Zu erkennen ist es vor allem am Außenbild, welches die VOGUE seit der ersten Ausgabe 1892 nach außen trägt- Eine Zeitschrift wie keine andere. Der Gründervater der Zeitschrift Arthur Baldwin Turnure brachte die erste Ausgabe in New York heraus. Er versuchte mit dem Journal die high society anzusprechen, indem er die Zeitschrift auf ihren Lebensstil anpasste. Nach seinem Tod 1906 verkauft Turnures Witwe die Anteile der Zeitschrift an den Juristen Condé Montrose Nast, dieser versuchte die Exklusivität der Zeitschrift zu wahren und nur „die oberen Vierhundert“ der Gesellschaft anzusprechen. Noch immer erscheint die vogue im Condé Nast Verlag, der bis heute die Lizenzen vergibt. Zwar hat sich heutzutage das Spektrum der Leserschaft etwas vergrößert, dennoch spricht die Zeitschrift eher die stilbewusste und etwas besser betuchte Frau ab 29 an.

In Deutschland hat sich die Zeitschrift erst beim zweiten Versuche etabliert. 1928 erschien die erste Ausgabe und bereits 1929 die zunächst letzte. Edna Woolman Chase, die damalige US-Chefredakteurin, hatte sich gegen die Einführung der deutschen vogue ausgesprochen, weil sie der Meinung war, dass es den deutschen Frauen an Geschmack mangele. Dass die deutsche vogue so früh eingestellt wurde, mag jedoch nicht am mangelenden Modebewusstsein der deutschen Frauen gelegen haben, sondern unter anderem daran, dass es bereits eine etablierte Zeitschrift „die Dame“ gab. Die vogue schaffte es nicht, der Zeitschrift die Leserschaft abzugewinnen. Erst 1979 etablierte sich die vogue auch in Deutschland.                                                                                                                                                                                                                             Bis heute treten immer mehr Ländern in die „Voguefamilie“ ein. Inzwischen bringen 18 Länder eine eigene Ausgabe der Zeitschrift heraus.

Wer auf dem Titelbild erscheint, hat es bereits geschafft oder wird nach dem Erscheinen der Zeitschrift den Olymp der Stars besteigen. Für Stars, Models, Designer und Fotografen ist es eine große Auszeichnung für die Zeitschrift zu arbeiten oder das Cover der vogue zu schmücken.

Schon 1916 erschien in der british vogue der Slogan: if it’s in vogue, it’s smart, dieser Slogan trägt sich bis heute weiter. Die Zeitschrift wirbt bis heute mit dem Slogan before it’s in fashion, it’s in vogue. Das Magazin gibt also vor, was zur Mode wird, in dem es die Kleider der trendigsten und neuesten Designer  in aufwendigen Fotostrecken ablichtet. Genau diese Kunstfotostrecken unterscheiden die Zeitschrift von anderen, da  70% des Magazins aus diesen besteht. Die redaktionellen Beiträge zu Design, Architektur, Prominenten, Kultur, Reisen, Unterhaltung und Horoskopen bilden den kleineren Teil der Zeitschrift. Die Gewichtung unterscheidet sich jedoch von Land zu Land, da es länderspezifische Ausgaben gibt.

Die Zeitschrift und auch ihre Chefredakteure und vor allem die Chefinnen haben im Laufe der Zeit großen Einfluss auf die Modewelt gewonnen. Eine der bekanntesten und einflussreichsten Frauen der Modewelt ist zum Beispiel die US- Chefredakteurin Anna Wintour, die als „mächtigste Frau der Branche“[1] betitelt wird.

Die VOGUE  hat es also seit der Ersterscheinung bis heute geschafft eine der beliebtesten und bestangesehensten Zeitschrift zu bleiben.


[1] http://www.sueddeutsche.de/leben/vip-klick-anna-wintour-haarige-zeiten-1.178918

Weitere Literatur:

Brian Moeran: Elegance and Substance Travel East: Vogue Nippon. In: Becky Conekin, Amy de la Haye (Hg.): Fashion Theory. The Journal of Dress, Body and Culture. Berg Publishers, 10, 1-2;  2006, S. 250 f.

 


Pierre Bourdieu schreibt in seinem Essay “Die Metamorphose des Geschmacks” : „Die Mode gehört zu jenen Mechanismen, mit deren Verstehen man nie ans Ende kommt, weil man sie zu leicht versteht.“ Der Polemik Bourdieus ist die Warnung an die Sozialwissenschaften implizit, das Phänomen der Mode nicht in seinen negativ konnotierten Eigenschaften weiter zu denken, wie dies in den Milieus der Bildungselite Konsens (gewesen) ist: als moderne Erscheinung der Banalität und Oberflächlichkeit.
Die Entstehung der Mode – wie wir sie heute verstehen mögen – ist im wissenschaftlichen Diskurs mehrheitlich im ausgehenden Spätmittelalter, bzw. an der Schwelle zur Moderne verortet worden, deren Indikator sie zugleich darstellt. Das reziproke Aufeinander-Beziehen und Bedingen der Phänomene, welches sich bereits in der begrifflichen Nähe von Mode und Moderne offenbart, wird durch gegenteilige Zuschreibungen verdeckt. Das Programm der Aufklärung formuliert ein moderne Weltsicht, deren zentralen Säulen Individualisierung, sukzessive Verpflichtung der Menschen auf das Diesseits, Historizität und Rationalität darstellen. Sie bereiten den Boden für eine durchschlagenden Technisierung des Alltags, sowie die Verdrängung christlicher Metaphysik in die Ecken der Hausaltäre.
Die Mode hingegen ist als irrationales Phänomen erkannt (und festgeschrieben) worden. In ihr realisieren sich menschliche Phantasmen und Sehnsüchte zu einem währenden Spiel bloßer Variation. Der zentrale Unterschied zwischen Mode und Moderne liegt in dem Wesen ihrer Bewegung. Schreitet die Moderne linear (Gewissheiten bietend und Egalität predigend) auf ihr Ziel zu, so zeichnet sich die Mode durch ihre zwanghafte Zirkulation aus. Als Möglichkeit zur Distinktion, Alleinstellung und Inszenierung erfüllt sie nur so lange ihren Zweck, wie sie von der Mehrheit noch nicht als solche erkannt und folglich adaptiert worden ist. Geschieht dies, löst sie sich selbst ihrem Wesen nach auf und muss sich von neuem erfinden, wodurch der Kreislauf geschlossen wird.
Die Kontinuität des Phänomens der Mode liegt folglich in seiner Unbeständigkeit. Sie lässt sich nur schwerlich in die aufklärerische Fortschrittsdoktrin integrieren. Die Mode avancierte nicht zuletzt in den Zeitschriften aufklärerischer Prägung zum ‚Sündenbock ästhetischer und moralischer Verfehlungen‘ der Einzelnen.
Zur Naturalisierung der sich an dieser Stelle kristallisierenden Crux der Moderne – die Irrationalität der Menschen nicht mit der Vernunft der geschaffenen Strukturen zur Deckung zu bringen – wurde der Modebegriff verknappt. Auf Äußeres reduziert, bezeichnet er von nun an keinen (immer als sinnhaft empfundenen) Lebensstil mehr, sondern lediglich Kleidermode. Unter Kritik gerät sie als „Göttin des Scheins [...], eine unfassbare Macht, die selbst Moral und Tradition, Tugend und Devotion überlagerte und so auf dramatische Weise die Auflösung der traditionellen Ordnung offen legte.“
Die Kritik an der Mode erweist sich als eine lange, intellektuelle Tradition. Das sie letztlich eine Simplifizierung darstellt, welche riskiert, die Verstrickungen der Menschen im ‚selbst gesponnenen Bedeutungsgewebe‘ aus den Augen zu verlieren, hat Thomas Hecken eindrücklich dargestellt. Versteht man Konsum vielmehr als sinnhafte und lustbetonte Praxis, wird Mode als ein symbolisches Phänomen fassbar, in welchem moralische und ästhetische Koordinaten – im Sinne Bourdieus – einen sozialen Raum kodieren, in welchem zeitgenössische Werte und Bedeutungsmuster kontinuierlich zeitgenössische Werte und Bedeutungsauslegungen zur Disposition stellen.
Der Konflikt zwischen Bürgertum und Adel als der zwischen „Sein und Schein“, ist nicht auf das Feld der Mode zu übertragen, auf welchem im Spiel der Antagonismen Realität und Imagination, Innen und Außen, Schein und Sein, usw. im Zitieren des Alten, Neues entsteht.

1] Pierre Bourdieu: Soziologische Fragen. Frankfurt/M. 1993, S. 160.

2] Elena Esposito: Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden: Paradoxien der Mode. Frankfurt/M. 2004, S. 10.

3] Vgl. Thomas Hecken: Das Versagen der Intellektuellen. Eine Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter.  Bielefeld 2010.

Noch Semesterferien, aber keine Idee, was man mit der Zeit noch anfangen könnte? Wie schon berichtet, hat am 17. September das Oktoberfest 2011 begonnen. Die großen Zelte sind aufgestellt und in den nächsten Wochen werden wieder Millionen Menschen aus der ganzen Welt nach München ziehen. Dabei stellt sich jedes Jahr aufs Neue die Frage, wie man sich zu kleiden hat. Interesse noch spontan aufs Oktoberfest zu fahren, aber keinen passenden Dress? Auf der offiziellen Homepage des Oktoberfests oktoberfest.de kann man sich über die neuesten Trachten-Trends informieren und Magazine wie zum Beispiel Burda oder andere Webangebote stellen die dazu nötigen Schnittmuster. Man kann behaupten, dass kaum noch ein Magazin oder Unternehmen Probleme damit hat sich im „neuen Medium“ Internet zu positionieren.

Der aber vielleicht ungewöhnlichste Fortschritt für den Markt, abseits des Internets, kommt aus der Architektur. Mitte der 90er wurde der erste grafische Konfigurator programmiert und auf den Markt gebracht. Er wurde von Leuwico(http://www.leuwico.com/) in Auftrag gegeben. Er diente dazu ein neues Schrankwandsystem grafisch darzustellen und dazu ein Angebot zu erstellen. Seitdem haben sich Konfiguratoren immer weiter durchgesetzt und werden seit längerem auch für die Endverbraucher zur Verfügung gestellt.

Der Zusammenhang mit Dirndln? Nachdem man sein Schnittmuster im Internet erworben hat, fehlt noch der dazugehörige Stoff. Deshalb gibt es nun den ersten Dirndl-Konfigurator im Internet mit dem sich die Kunden ihre Stoffe nach freier Wahl zusammenstellen können.

Inspirierte können sich also direkt an die Arbeit machen!

Bei meinen ab und zu aufkommenden Streifzügen durch die Tiefen des Internets bin ich letztens auf die Style & Beauty Expertin Wendy Braswell gestoßen. Sie ist seit über 25 Jahren in der Modebranche tätig, unter anderem als Model und in der Kleidungsindustrie. Im Rahmen ihrer eigenen Homepage und einem Youtube-Kanal hält sie in unregelmäßigen Abständen vermeintlich hilfreiche Tipps für Mädchen und Frauen bereit, die ihren eigenen Stil noch nicht gefunden haben. Wendy Braswell ist also sozusagen bei der äußerlichen Selbstfindung von Mädchen und Frauen behilflich.

Als Mann würde ich zwar eigentlich aus dem Raster fallen, aber mein Interesse wurde durch ein Video geweckt. In besagtem Video gibt Braswell eine Stilberatung zum „Punk look“.

http://www.youtube.com/watch?v=fTjI48HSqtM

Als Punk in der Gesellschaft ab ungefähr 1965 wahrgenommen wurde, waren die Reaktionen einschlägig negativ konnotiert. Diese Subkultur wurde von der Musik über die politische Einstellung bis zur Kleidung als Ärgernis wahrgenommen gegen das man vorgehen musste. Jedoch schon nach ein paar Jahren kam Punk in der breiten Gesellschaft an und viele Jugendliche identifizierten sich mit den nonkonformistischen Idealen. Das Ansehen der Punks war dadurch nicht besser geworden, aber die Modewelt hatte das Potenzial dieser Bewegung erkannt.

Die Distinktion funktionierte vor allem durch die Kleidung und unter anderem deshalb begann die Adaption des Punk-Stils. Anleitungen dazu, wie man sich wie ein Punk kleidet, gibt es schon fast genau so lang wie die Bewegung selbst (zum Beispiel dieses Heft aus dem Jahr 1977 mit sehr detaillierten Tipps). Mit dem kopierten Stil aus dem Schaufenster konnten Jugendliche nun vermeintlich genau so aussehen wie ein Punk. Vermeintlich deshalb, weil ein „richtiger“ Punk den Unterschied sofort erkennen kann. Die vielen verschiedenen Szenen und Bewegungen nutzen Codes zu denen auch die Kleidung gehört.

Warum gibt es aber 2011 immer noch Anleitungen zum perfekten „Punk look“? Aufmerksamkeit durch Andersartigkeit, Ausdruck von Sympathie zur Anarchie oder der Einfluss von Tokio Hotel, etc.? Die Gründe mögen vielseitig sein, verpassen aber dabei immer die eigentliche Idee des Punks. Im Punk liegt nämlich unter anderem auch der Grundstein zur Do-it-yourself-Bewegung. Die eigentlichen Ideen des Punks sind immer noch nicht in der (Mode-)Welt angekommen und daher werden wir in Zukunft bestimmt noch weitere Modediktate miterleben.

Der Anzug und das entsprechende Kostüm für die Frau regieren die Welt!

Jeder, der im Geschäftsleben oder auf der politischen Bühne etwas auf sich hält, kommt nicht umhin sich nach westlichen Standards zu kleiden. Verwunderlich ist das zwar nicht, traurig ist es dennoch.

Das eigentlich interessante dabei ist jedoch, dass es sich nicht nur durchgesetzt hat sich auf internationalen Meetings – mit zweifelsohne westlicher Dominanz – anzupassen, sondern eben auch innerhalb der jeweiligen Ländern selbst. Man denke nur an China, Japan, die lateinamerikanischen Länder und teilweise sogar afrikanische Nationen.  Anscheinend gilt man selbst innerhalb der nichtwestlichen Gesellschaften erst als seriös oder zumindest seriöser, wenn man Anzug und Krawatte respektive Kostüm trägt. Zum einen zeigt sich darin in gewisser Weise die immer noch andauernde westliche Dominanz: politisch, wirtschaftlich und eben auch kulturell und zum anderen der simple Mechanismus von Inklusion und Exklusion, welcher wohl eine der wichtigsten Funktionen der Mode im Allgemeinen ist. Wie gesagt verwunderlich ist das prinzipiell nicht –  der Mechanismus funktioniert ja auf gleiche Weise innerhalb der westlichen Gesellschaften selbst. Ein Topbanker oder Politiker kann auch nicht mit Jeans und T-Shirt zum Meeting erscheinen, obwohl jedem klar sein müsste, dass die Person immer noch die selbe ist und vorallem immer noch die selben Fähigkeiten besitzt.

Was würde nun passieren, wenn ein Chinese, Afrikaner oder Inder zu einem solchen internationalen Treffen in seiner traditionellen soll heißen landestypischen Kleidung erscheinen würde? Da ich an einem solchen Treffen wie wahrscheinlich 99% der Weltbevölkerung nie teilgenommen habe, kann ich nur vermuten und unterstellen, dass man demjenigen die Kompetenz streitig machen würde. Man würde behaupten oder sich doch zumindest fragen, wie jemand, der nicht einmal die Standards der  westlichen Kleidungsweise kennt beziehungsweise anwendet, die komplexen Mechanismen der Politik oder Wirtschaft kennen und anwenden soll. Logisch gesehen und aus dem Zusammenhang gerissen würden die gleichen Personen diese Vorgänge mit Sicherheit abstreiten und als völlig sinnlos betiteln, andererseits scheint es doch so oder so ähnlich abzulaufen.

Im Angesicht des relativen Niedergangs der westlichen Welt und dem Aufstieg neuer Hegemonien wie China oder Indien stellt sich auch die Frage, ob sich die Standards der Kleidung über kurz oder lang ebenfalls zu “Gunsten” dieser Staaten verlagern. Traurig wäre es nicht, aber verwunderlich.

Das Münchner Oktoberfest expandiert in alle Welt. Nicht nur in Bayern, sondern auch in  anderen Teilen Europas und in den USA sind Formen dieses ehemals landwirtschaftlichen Festes zu finden.[1]

Jedoch haben nicht nur andere Länder das Oktoberfest für sich entdeckt, es finden auch immer mehr Deutsche großen Gefallen am größten Bierfest der Welt.[2]

So kommt es, dass seit nunmehr 30 Jahren eine Nachahmung des Münchner Oktoberfests auf dem überschaubaren Flughafen Hahn stattfindet.[3] Dieser Flugplatz wurde in den 50 Jahren von US Truppen als Pendant zu den Flugplätzen der Sowjets gebaut.[4] Nach Abzug der Amerikaner in den 90ern, die bis heute noch die Wirtschaft in der Region um den Hunsrück beeinflussen, stand die Frage über die mögliche Nutzung des Flugplatzes im Raum. Für dessen Bau wurden mehrere Dörfer umgesiedelt, Land versiegelt und ein Großteil der vorhandenen Waldfläche abgeholzt, so dass die wirtschaftliche Lage der Region kritisch zu sein schien.[5] 1995 entschied sich die Billigfluglinie „Ryanair“ ihre Flugzeuge von der ehemaligen „Airbase“ Hahn starten zu lassen.[6] Durch diese Entwicklung nahm die Wirtschaftskraft dieser Region, in der viele Dörfer nicht mehr als 500 Einwohner zählen, enorm zu.

Im Zusammenhang mit dieser wirtschaftlichen Stabilisierung geht nun auch die Erfolgsgeschichte des Oktoberfests auf dem Hahn einher. Seit 1982 veranstaltet der Gastronom Scherer sein Scherer‘s Oktoberfest, welches inzwischen regen Zulauf findet. Nach eigenen Angaben hat es sich zu einem jungen, dynamischen und qualitätsbewussten Fest entwickelt.[7]

Seit ein paar Jahren tragen, auch zu diesem Oktoberfest, welches im Rhein-Hunsrück Gebiet stattfindet, immer mehr Frauen wie Männer „bayrische Trachtenmode“.

Ich frage mich nun, wie Rheinland-Pfälzer dazu kommen eine „Tracht“, die lange für Brauchtum und Zugehörigkeit in Bayern[8] stand, auch in ihrer Heimat zu tragen?

Diese Antwort, wenn es denn überhaupt eine eindeutige geben sollte, ist wahrlich nicht leicht zu finden, schließlich gibt es „Trachten“, im speziellen „Trachtenmode“, seit dem 18. Jahrhundert. Inge Weid befasste sich mit dem Begriff und dem Problem, welcher die Tracht in der Forschung mit sich bringt.[9] „Denn inwieweit Tracht tatsächlich als regionaltypische Kleidung der Landbevölkerung bestimmter Gegenden existiert hat, muß [sic!] einzeln nachgewiesen werden“.[10] So könnte das Tragen von Tracht zu festlichen Anlässen auch einen geschichtlichen Hintergrund im Hunsrück haben oder eine Modeerscheinung der Neuzeit sein.

Desweiteren führt sie den Bedeutungswandel des Begriffs „Tracht“ an. Hier wird klar, dass die „Tracht“ an sich früher als „normale Kleidung“ anzusehen war und sich der Gebrauch des Begriffs nicht mit dem herkömmlichen Kleidungsbegriff unterschied.[11]

Dennoch hat sich im Laufe der Jahre die Bedeutung von „Tracht“ gänzlich gewandelt hin zum festlichen/folkloristischen und traditionellen Gebrauch. Am Beispiel des Oktoberfests, das 1810 das erste Mal noch als Bauernfest stattfand, kann man die Entwicklung des Begriffs der „Tracht“ nachvollziehen.

„Parallel zu den „Trachten“ [im Sinne der Trachtengruppen, die an Umzügen und Volksfesten teilnehmen] existiert seit der allgemeinen Verbreitung des Dirndls von den 1920er Jahren an die heutige „Trachtenmode“.[12] Der Begriff der „Trachtenmode“ fand allerdings erst 1987 seinen Platz in Reclams Mode- und Kostümlexikon.[13]

Folglich sind die historisch/traditionelle Bedeutung der „Tracht“ und die Bedeutung der „Trachtenmode“ voneinander zu unterscheiden. Gemein hin haben traditionelle „Trachten“ nicht mehr viel mit der „Trachtenmode“, die von alltäglichen Besuchern des Oktoberfests getragen werden zu tun. Die heutige allgemeine „Trachtenmode“ unterscheidet sich stark von den folkloristischen Modellen der traditionsbewussten Trachtenvereine. 1976 sorgte Yves Saint Laurent mit seinem „Edel-Bäuerinnen-Look“ für Furore. Seine Bauerntracht bestand nicht aus groben Stoff und gedeckten Farben sondern aus bunten, dumpf glänzenden Materialien in ungewohnten Farbkombinationen.[14]

In diesem Sinne ist in Rheinland-Pfalz „Trachtenmode“ als Teil der Modebewegung und nicht als Teil einer „traditionellen Volkskultur“ zu verstehen.[15]

Demnach muss der festliche Aspekt der „Tracht“ in Augenschein genommen werden. Der gekleidete Körper an sich, egal was er trägt, ist eine natürliche Form der sozialen Struktur, sodass dieser meist für besondere Anlässe im Hinblick auf seine Kleidung verschönert und/ oder angepasst wird.[16]

Meines Erachtens geschieht genau dies auf dem Hunsrück. Da ja keine Zugehörigkeit der Rheinland-Pfälzer zu den Bayern zu vermuten ist, ist die Kopie des Oktoberfests der ausschlaggebende Grund für das Tragen der „Trachten“ auf dem Hunsrück. Nach Craik werden unsere Körper schon seit frühester Kindheit in den angemessenen Verhaltensnormen ausgebildet, die sich durch Nachahmung von Prestige, das heißt das Kopieren derjenigen, denen wir nacheifern oder die wir bewundern, gefestigt.[17] Scherer’s Oktoberfest ist eine Nachahmung des weltweit bekannten Münchner Oktoberfests, wieso sollten dann nicht auch die Besucher des Scherer’s Oktoberfest anfangen die Besucher des Münchner Oktoberfests nachzuahmen? Was passt besser zum Oktoberfest als ein Dirndl? Das Tragen von angemessener Kleidung zu besonderen Anlässen wird schon von Kindesbeinen an gelehrt, wieso also nicht Scherer’s Oktoberfest als besonderen Anlass sehen um angemessene Kleidung sprich „Trachtenmode“ zu tragen? Sicher, es wurde nicht von Beginn an „Trachten“ im Hunsrück getragen, dennoch muss man feststellen, dass immer mehr junge Menschen mit Dirndl und Lederhose auf diesem Fest anzutreffen sind. Die 24-jährige Lisa S. aus der Region war bisher auf dem Münchner und auch auf Scherer’s Oktoberfest.

Auf die Frage, warum sie denn ein Dirndl auch auf Scherer’s Oktoberfest trage, antwortete sie nur, dass das einfach zum Fest dazugehöre, egal wo man es feiere. Zudem berichtete sie, gehöre es einfach zum richtigen „Feeling“, in Trachten zu einem Oktoberfest zu gehen. Man gehöre einfach gleich dazu und Gesprächsstoff liefere es auch genügend.[18] Demnach lässt sich vermuten, dass sie ihre „Trachtenmode“ als Zeichen der Zugehörigkeit zum Oktoberfest an sich, der Anpassung halber und wegen des richtigen Prestiges trägt. So kann Tracht als Zeichen, als Bekenntnis und als Spielform von Ausdrucksmöglichkeiten verstanden werden. Durch das Tragen der Tracht kennzeichnet man sich direkt als einer Gruppe zugehörig, dennoch kann man im Hunsrück nicht davon sprechen sich einer Stadt oder einer Region zuzuordnen.

In einem Artikel der Rhein-Zeitung vom 24.09.2010 wurde bereits über die Beliebtheit der Dirndl in der Region berichtet. „Angefangen hat der Boom der Traditionskleider etwa vor zehn Jahren, als die ersten Jugendlichen in Münchener Secondhandläden plötzlich Janker und Dirndl erstanden. […] Mitte der 2010er-Jahre dann produzierten immer mehr Firmen ein Sortiment für jeden Geldbeutel. Das Tragen von Dirndl und Lederhosen wird in Deutschland immer populärer.“[19]

Das neue Aussehen von Tracht und der inzwischen erschwingliche Preis haben sicherlich dazu geführt, dass sich dieser Kleidungsstil auf dem Oktoberfest immer mehr durchsetzt. Seit 2004 besuchen rund 60 % aller Gäste das Fest in Dirndl und Lederhose[20], dieser Trend scheint sich nun auch auf dem Hunsrück durchzusetzen, sei es nun aus dem Nachahmungswillen heraus, aus der gewollten Gruppenzugehörigkeit oder als Verbindung mit dem echten Oktoberfest.

Die Fragen aus welchen Gründen nun das Dirndl in die Pfalz kam, konnte ich nun mehr nur anschneiden, als gänzlich beantworten. Zudem mussten die Fragen nach dem „Wie beurteilen die Menschen in der Region den neuen Trend hin zu Trachten?“ und „Wie tragen die Frauen Trachtenmode im Hunsrück?“ und „Unterscheiden sich die in Rheinland-Pfalz getragenen Trachten von den bayerischen?“ außen vor gelassen werden. Dennoch bin ich mir bei einem sicher, die “Tracht” gehört zum Oktoberfest egal ob in Bayern oder in der Heimat.


[1] Egger: Phänomen Wiesntracht, 2008. S. 101.

[2] Vgl., ebd. S. 101.

[3] Vgl., https://scherer-oktoberfest.de/index.html.

[4] Zinn-Thomas: Fremde vor Ort, 2010. S. 89.

[5] Ebd., S. 90.

[6] Ebd., S. 97.

[7] Vgl., https://scherer-oktoberfest.de/index.html.

[8] Vgl., Egger: Phänomen Wiesntracht, 2008. S. 98 und Weid: Kleidung und Tracht in der

Oberpfalz, 2007. S. 38.

[9] Vgl., Weid: Kleidung und Tracht in der Oberpfalz, 2007. S. 21, 22: „[…] jedermann scheint zu wissen, was man darunter versteht. Die Analyse wissenschaftlicher Abhandlungen unter dem Blickwinkel der inhaltlichen Bestimmung von ‚Tracht‘ zeigt, dass in der Regel der Begriff von außen an den Themenkomplex herangetragen wird, […] aufgrund seiner umgangssprachlichen Verwendung – ganz verschiedene Assoziationen hervorrufen kann […].

[10] Ebd., Zitat von Jutta Böning, 1999. S. 22.

[11] Ebd., S. 22.

[12] Ebd., S. 40.

[13] Ebd., S. 40.

[14] Egger: Phänomen Wiesntracht, 2008. S. 44.

[15] Ebd., S. 41.

[16] Craik: Mode als Körpertechnik, 2005. S. 287.

[17] Ebd., S. 288.

[18] Vgl., Egger: Phänomen Wiesntracht, 2008. S. 90.

[19]https://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Wie-das-Dirndl-die-Region-erobert-_arid,140723_print,1.html.

[20] Egger: Phänomen Wiesntracht, 2008. S. 46.

Ertönen Westernklänge und sehen wir Wildpferde und einen, vielleicht mehrere Cowboys auf der Leinwand durch die Prärie reiten, wissen wir: Wir sind im Marlboro Country.

Um das weibliche Image, das Marlboro seit 1924 und später in den 50er Jahren durch die Einführung der Filterzigaretten anhaftete, loszuwerden, kreierte Leo Burnett den Marlboro-Man.

Interessant ist nun die aktuell auf Plakaten zu sehende Neuauflage dieses Männlichkeitsbildes: Freiheit, Abenteuer, der harte Mann in wilder Natur und seine Unabhängigkeit wird nun nicht mehr vom locker umherreitenden Cowboy, der sich nach getaner Arbeit eine Zigarette gönnt, verkörpert, sondern von einem Radfahrer. Unter dem Slogan “Be Unstoppable – Be Marlboro” sieht man ihn durch die Rush-Hour rasen.

Sportlich, kraftvoll, dynamisch.

Gesund, fit, vital?

Reicht zur heutigen Konsumentenansprache das Vorzeigen jenes althergebrachten Cowboybildes nicht mehr? Der neue Marlboro-Man steht gleichwohl für einen neuen Lebensstil und ein neues Lebensgefühl, das sich in unserer Zeit breitmacht und sich unter anderem im Trend des Fahrradfahrens ausdrückt. Ähnlich, wie beim Marlboro-Man zu Pferde, werden auch und gerade mit dem Radfahrer die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens ausgeblendet und tendenziell sogar negiert. Die Freiht der Prärie muss in unser alltägliches Leben: In die Großstadt. Unaufhaltsam – unstoppable, wie der neue Marlboro-Man.

In fast allen Berufen herrscht ein bestimmter Dresscode. Er kann funktional sein, wie zum Beispiel die weiße Kleidung eines Malers oder Schutzschuhe in einer rutschigen Küche. Kleidung, in der man sich gut bewegen kann und die nicht stört, wird unter anderem im Beruf des Postbotens getragen. Ich selbst habe in den Semesterferien bei der Deutschen Post gearbeitet und trug während der Arbeitszeit bequeme und keine hochwertige Kleidung, die einen beim Treppensteigen und beim Aussteigen aus dem Auto nicht behindert. Dass die Klamotten gut aussehen oder modisch aktuell sind, spielte dabei eine sehr untergeordnete Rolle.

Ganz anders verhält es sich in punkto Kleidung in Berufen, wie die der Bankangestellten oder Hotelfachfrau/mann. In der Bank und im Hotel geht es um das seriöse und gepflegte Erscheinungsbild der Mitarbeiter, die mit ihrem Äußeren das ganze Unternehmen repräsentieren sollen. Es wird Wert auf dezente Farben und klare Schnitte gelegt, um die Aufmerksamkeit nicht auf den Kleidungsstil zu lenken, was bei einem ausgefallenen Stil der Fall wäre. Ein einheitlicher Stil signalisiert unmissverständlich dem Kunden wer Mitarbieter ist. Ziel ist es zudem, den Kunden nicht durch individuelle Kleidung abzuschrecken oder ein Bild zu vermitteln, das die Seriösität des Geschäfts gefährden könnte. Es ist außerdem nicht angebracht etwaige Tätowierungen oder Piercings an diesen Arbeitsplätzen zu zeigen, da diese Art des Körperschmucks von vielen mit unseriös, sozialrandständig, schlampig oder sogar mit dem Bild des „Knastis“ assoziiert wird. So müssen auch Polizisten, Verkäufer hochwertiger Produkte und Manager ihren Körperschmuck bei der Arbeit verstecken und können ihn lediglich in ihrer Freizeit der Öffentlichkeit präsentieren. Das Verbot von Piercings hat in der Lebensmittelindustrie einen anderen und sehr wichtigen Grund, nämlich den der Hygiene. Wer trotzdem nicht bereit ist den Schmuck zu entfernen, läuft große Gefahr den gewünschten Job nicht ausüben zu können oder wird gleich aufgrund des Bewerbungsfotos aussortiert.

Eine Ausnahme bildet der Beruf des Friseurs. In fast allen Friseurgeschäften ist es gestattet Körperschmuck zu zeigen und seinen individuellen Kleidungsstil bei der Arbeit auszuleben. Das hängt damit zusammen, dass es sich hierbei um einen künstlerischen Beruf handelt, der von Kreativität und persönlichem Ausdruck lebt. Trotzdem wird auch hier eine gewisse Stilsicherheit vom Arbeitgeber erwartet, weil Schönheit und Ästhetik verkauft wird. Ich selbst habe eine Ausbildung als Friseurin angefangen und wurde schon beim Vorstellungsgespräch darauf aufmerksam gemacht, dass das tägliche Zurechtmachen inklusive intensives Stylen der Haare von hohe Priorität ist. Zudem gab es vorgeschriebene Farben betreffend der Kleidung, was hieß, dass man eine schwarze Hose oder einen schwarzen Rock zu tragen hatte und dies wöchentlich wechselnd mit einem roten und einem weißen Oberteil kombinierte. Vorschriften zum Stil gab es nicht, und somit war es egal, welche Art von Hose oder Oberteil getragen wurde. Am Ende meines Arbeitsverhältnisses bestand mein Kleiderschrank dann vorwiegend aus schwarzer, weißer und roter Kleidung. Selbst beim Shoppen mit Freunden fragte ich mich jedesmal, ob ich dieses Stück auch beim Arbeiten tragen konnte und investierte dann lieber in die drei Farben anstatt in Kleidung, die mir zwar gefiel, aber leider die falsche Farbe hatte. Aber ich bin nicht die Einzige, die es sich nicht leisten kann einen Arbeitskleiderschrank und einen Freizeitkleiderschrank zu besitzen. Eine Freundin von mir arbeitet als Reiseverkehrskauffrau und muss sich beim Arbeiten sehr förmlich und elegant kleiden, was sich auch auf ihren persönlichen Kleidungsstil über die Jahre übertragen hat. Sie selbst sagt, dass sie beim Einkaufen auch immer darauf achtet, das Gekaufte auch im Job tragen zu können. Als sie dann einmal auf einem Sommerfest ihres Geschäfts mit Flip Flops und kurzer Hose erschien, wurde sie gefragt, ob mit ihr alles in Ordnung wäre und dass sie so anders aussehe. Ein anderes Mal wurde sie am Wochenende von einem Mann gefragt, ob sie der schwarzen Szene angehöre, weil er sie immer nur in schwarzer Kleidung sieht.

Es ist bestimmt richtig, dass man seinen Kleidungsstil, den man die ganze Woche über beim Arbeiten trägt, auch zum Teil auf seine Freizeit überträgt, aber nur wenn man in Berufen arbeitet, die keine Uniform oder andere extra angefertigte Arbeitskleidung (Arztkittel) vorraussetzen. Denn dann hat man in der Freizeit ein größeres Bedürfnis seine privaten Klamotten anzuziehen, um damit auch die eigene Persönlichkeit nach außen zeigen zu können, was als Feurwehrmann, Zimmermann, Arzt oder Bäcker aufgrund der standardisierten Berufskleidung nicht möglich ist.
Wer aus beruflichen Gründen jeden Tag hohe Schuhe anzieht, wird sich in der Freizeit freuen, flache Schuhe tragen zu können. Andersherum verhält es sich, wenn unter der Woche, wie in meinem Postjob, lediglich die Turnschuhe und bequemen Klamotten angezogen werden und man es kaum erwarten kann in der Freizeit wieder schöne Kleidung tragen zu können, bei der es nicht darum geht funktional, sondern modisch zu erscheinen.
In fast allen Berufen können wir nicht frei entscheiden, was wir tragen und müssen uns bestimmten Kleidungsordnungen unterwerfen, was zum größten Teil auch sinnvoll ist. Denn wer möchte schon in Geldangelegenheiten von einem tätowierten Mitarbeiter in Jogginghose beraten werden?

Eines Abends in Tübingen: ich sitze mit einigen Freunden in unserer WG zusammen und wir wollen uns gleich auf den Weg in die Stadt zum Feiern machen. Ich gehe noch schnell in mein Zimmer, schnappe mir meine Handtasche, eine Jacke und einen gestreiften Schal. Diesen wickle ich mir im Flur locker um den Hals und bin ganz zufrieden mit meiner Wahl, bis eine meiner Freundinnen meinen Freund und mich skeptisch mustert und voller Ironie loskreischt: “Oh wie süß, ihr seid ja im Partnerlook!”. Erschrocken schauen er und ich uns an und tatsächlich fällt mir erst da auf, dass auch er einen gestreiften Schal trägt. Ziemlich zügig entscheide ich mich, dann doch lieber auf meinen zu verzichten …
Ja, ich finde Pärchen im Partnerlook irgendwie albern! Ich kann Verliebte nicht ganz ernst nehmen, die sich in der Öffentlichkeit am liebsten farblich und auch was die Muster und Marken betrifft, top aufeinander abgestimmt präsentieren. Besonders beliebt scheint das offensichtlich unter Promi- Paaren zu sein. Auch unter guten Freundinnen, vor allem im Teenager- Alter, lässt sich dieses Phänomen beobachten.


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Was bewegt Menschen in einer Beziehung dazu, das zu tun? Oftmals ist es wohl die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls, das sie durch die gleiche Kleidung hervorrufen möchten. Bei längeren Beziehungen dient der Partnerlook vielleicht dazu, der Welt zu zeigen, dass man auch nach vielen Jahren noch eine harmonische Einheit bildet. Von außen wird das Ganze dann aber doch eher belächelt … Ist es nicht viel schöner und zufriedenstellender, den eigenen Geschmack ausleben zu dürfen und sich genau dadurch gegenseitig zu ergänzen? Natürlich spricht nichts dagegen, sich vom seiner Partnerin oder seinem Partner inspirieren und beraten zu lassen, aber die gleiche Hose und das gleiche Shirt und natürlich alles in derselben Farbe, am besten noch alles von derselben Marke – im Ernst!?

Psychologen vermuten, dass die Spannung in einer Beziehung in manchen Fällen nur aufrecht erhalten werden kann, wenn die Partner sich gegenseitig anziehend finden. Andererseits ist es vielen wichtig, sich nicht zu sehr zu ähneln und anzupassen, weil sonst die Spannung und er Reiz verloren geht. Ein widerwilliges Anpassen führt dann eher zur Krise, als zur Repräsentation von Harmonie. Für die meisten zählt Individualität mehr und gemeinsames Interesse äußert sich dann einfach in Freizeitaktiviäten wie Sport, Filmen und Musik.

Natürlich ist das alles eine Frage des Geschmacks und bleibt jedem Paar selbst überlassen. Trotzdem lassen mich persönlich  Begegnungen mit Partnerlook- Pärchen immer wieder schmunzeln …

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Vor einem knappen Jahr eröffnete das Label æmpersand/ einen Shop in Berlin Alt-Treptow. Schon zuvor hatte Anna-Magdalena in Leipzig im eigenen Atelier gearbeitet; nun also in der Hauptstadt. Der Umzug sei wie jeder Neuanfang ein Sprung ins kalte Wasser gewesen – umso überraschter ist sie, dass sich schon nach so kurzer Zeit erste Erfolge einstellen. Sie hat Fuß gefasst in „der Stadt der modisch kultivierten Nachlässigkeit“, wie sie sie beschreibt.

Wie viele Mädchen erträumen sich wohl eine Tätigkeit als Modedesignerin? Früher, so Anna-Magdalena, wollte sie nie eines dieser Mädchen sein – genausowenig, wie sie Prinzessin werden wollte, liebäugelte sie mit dem Berufswunsch Modedesignern. Zwei Jahre nach Schulabschluss, auf Pfaden der Orientierung, stellte ihre Mutter fest: Du hast dich doch immer nur für Klamotten und Make-up interessiert. Warum machst du da nicht was draus? Ein Studium des Modedesigns in Deutschland und Dänemark folgte.

Der Stil ihrer Kreationen ist schlicht. “Aber trotzdem gibt es an jedem Teil ein spannendes Detail” -  Kleine Details, die der Kunde dann aber auch sehen und wertschätzen soll, stechen so viel intensiver heraus. Während sich die Kollektionen farblich lange eher gedeckt darstellten, machen sich nun einige neue Farbtupfer breit. Das Spiel mit Nuancen ist es, was es für sie ausmacht: Sehgewohnheiten zu ergründen und immer neu zu hinterfragen, das sei die Herausforderung und das, aus dem Neues entsteht. Mode stellt sich so gesehen nicht in einem Kleidungsstück an sich dar, sondern immer in der Kombination.

“Wichtig ist, dass du von Anfang an frei bist – nicht von vornherein sagen, es geht nicht “- dies gilt für ihre Arbeitsweise, aber auch als Anspruch an ihre Kundschaft.

Trotzdem gibt es auch Sachen, die “nicht gehen”: Auch wenn Marylin Monroe empfahl, jedes Kleidungsstück ein paar Nummern kleiner zu bestellen, und auch, wenn man kaum davon ausgeht, dass dieses Motto beim Kleidungskauf oft Berücksichtigung findet, sehe man das leider viel zu häufig. Für die Herren der Schöpfung hält sie folgenden Tip bereit: Lieber ein klassisches Unterhemd, ein Longsleeve oder gar nichts unter das Hemd – alles ist besser, als ein T-Shirt, dessen Ärmel sich abzeichnen, oder dessen Halsausschnitt aus dem aufgeknöpften Hemd schaut. Letzteres Problem ließe sich aber wohl auch von ihrer aktuell entworfenen Krawatte umgehen, von der sie mir erzählt. Sie sei eher schmal, da der breitere Schlips in ihren Augen oft etwas altbacken wirke. Und so, wie sie davon spricht, dass dies natürlich nur ihre Sicht der Dinge, ihr Sinn für Ästhetik sei, so gesteht sie natürlich jedem seinen individuellen Geschmack zu.

Was ihr bei ihrer Arbeit zugute kommt, sei, dass zunehmend Passform, gute Stoffe und eine gute Verarbeitung der Kleidungsstücke gewünscht wird. Auch die Herkunft sei wichtig, eine “grüne Mode”, mit Stoffen, die nach europäischen Richtlinien hergestellt und Kleidung, die in der Region produziert wird, setze sich durch. Von solchen Bemühungen großer Bekleidungsfirmen aus dem Niedrigpreissegment, die mittlerweile auch versuchen mit speziellen Linien diese Nachfrage zu bedienen, hält sie wenig, von Vintage hingegen sehr viel mehr. Ihr Atelier teilt sie sich mit einer Freundin, die einen Vintageshop im Internet betreibt – “lieber gut und alt, als neu und billig”.

Der erste Eindruck zählt- das ist das, was uns allen von zu Hause aus mit auf den Weg gegeben wurde. Das ist auch durchaus richtig, denn Psychologen gehen davon aus, dass es nur 30 Sekunden dauert, bis das Bild vom Gegenüber entstanden ist. Und das ist oft nur schwer zu revidieren. Grund genug, sich auch Gedanken über das äußere Erscheinungsbild zu machen, denn gut gekleidete Menschen wirken ehrlicher und seriöser.

Bevor „gute Manieren“ oder Fachkompetenz zum Tragen kommen, wirken bereits Optik und Outfit.
Ein sauberes und gepflegtes Erscheinungsbild ist eine Selbstverständlichkeit: Ungeputzte Schuhe, fleckige oder ungebügelte Kleidung, fehlende Knöpfe dürfen keines Falls vorkommen. Doch auch darüber hinaus kann viel falsch gemacht werden in punkto Outfit.
Los geht es bereits beim Einkauf. Am besten sollte man jemand mitnehmen, der ehrlich sein kann, denn man kann sehr viel mit unvorteilhafter Kleidung anrichten. Und nicht alles, was gerade modern ist, ist zwangsläufig auch typ- und anlassgerecht. Wer Bekleidung passend zu seiner Persönlichkeit auswählt und seinen eigenen Stil gefunden hat, wirkt glaubhaft, schafft Kompetenz und strahlt Persönlichkeit aus. Grundsätzlich ist es wichtig, sich im gewählten Outfit auch wohl zu fühlen. Nur so ist das Auftreten authentisch.

Generell sollte die Kleidung Beruf und Branche und der Position, auf die man sich bewirbt, entsprechend ausgewählt sein. Grundsätzlich jedoch gilt: Das Outfit sollte gepflegt und seriös wirken. Das gleiche gilt für Accessoires, Make-up und Frisur.

Für Frauen in fast allen Branchen empfiehlt sich als Grundgarderobe eine Hose in klassischem Material und Farben. Für Röcke gilt: Unabhängig von Alter und Figur sollte der Saum das Knie bedecken – Mini-Röcke wirken unseriös.

Je nach dem, für welche Stelle man sich bewirbt, sollte man nicht vergessen, dass Frauen in Rock und Bluse anders wirken als im Hosenanzug. Der Hosenanzug repräsentiert Charaktereigenschaften, die traditionell Männern zugesprochen werden, wie Willensstärke, Durchsetzungsvermögen und Entscheidungskraft. Gerade dies wird in klassischen „Männerberufen“ oft von Frauen forciert, um hinter den männlichen Mitbewerbern nicht zurück zu bleiben. Rock und Bluse unterstreichen hingegen das Weibliche, was in manchen Bewerbungssituationen ebenfalls von Vorteil sein kann.

Auch bei Schuhen und Accessoires gibt es für Frauen einige Grundregeln: Absatz ja, aber in Maßen. Sandaletten oder gar sportliche Flip-Flops sollten auch bei heißen Temperaturen zu Hause bleiben. Nylon-Strümpfe – selbstverständlich ohne Laufmaschen – sind bei jedem Wetter ein absolut unverzichtbares Muss. Außerdem sollte man sein Äußeres nie mit zu viel Schmuck und Accessoires überladen, weniger ist auch in diesem Fall meist mehr.

Männer können nicht so viel falsch machen: ein dunkler Anzug und vielleicht auch eine legere Kombinationen aus Sakko und Hose, dazu eine paar einfarbige helle Hemden und dazu passende, dezent gemusterte Krawatten. Krawatten mit „lustigen“ Comic-Motiven oder wilden Mustern sind ein no-go, das gleiche gilt für großkarierte Sakkos oder Sandalen.

Unabhängig davon ist das Tragen von bestimmter Kleidung zu bestimmten Anlässen immer auch ein Zeichen der Wertschätzung des Gegenübers, sie signalisiert, dass die berufliche Situation ernstgenommen wird. Die betrifft im Vorstellungsgespräch nicht nur den Bewerber, sondern auch denjenigen, der das Auswahlgespräch führt – er dokumentiert durch seine Kleidung seine Position.

Es ist zwar keine Erscheinung des Jahres 2011, dennoch setzte sich auch in diesem Jahr der seit vielleicht Mitte der Nullerjahre (diese Entgleisung wurde hoffentlich schon zum „Unwort des Jahres“ gewählt) anhaltende Trend hin zur Kleidung des Kalten Krieges, kombiniert mit einer kleinen Brise Freak durch.

Was soll das?

Um an dieser Stelle gleich mal alle Fronten klarzustellen. Ich bin kein mies gelaunter “Modenazi”, der keinen Sinn für ein Mindestmaß an Ästhetik hat und mir ist generell auch völlig egal, was irgendjemand anzieht. Mehr Freizügigkeit wäre vielleicht erstrebenswert (jedenfalls, wenn diejenigen Personen die Geschlechtsreife schon erreicht haben; Teenager, die aussehen wie Bordsteinschwalben sind ein weiteres großes Modeproblem unserer Zeit), aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Worauf ich hinaus will ist, dass natürlich jede und jeder ihrer beziehungsweise seiner angeblichen oder auch echten Individualität frönen kann und gern mit Nerdbrille, roter Schleife im Haar, Goldkettchen, Hut usw. usf. oder aber in Vollmontur (Kleider von Omi und Anzügen von Opi samt Ellenbogenflicken) durch die Stadt strahlen soll, um das Leben ein bisschen bunter zu machen und vor allem ein bisschen Abwechslung in die Konformität zu bringen. ABER  der Punkt ist: Genau das passiert nicht! Es gibt eben wie immer einige (gefühlt hunderte) Nachahmer, die nicht die hehren Ziele der ersten Hipstergeneration (total hip, cool und immer vorn dran zu sein) verfolgen, sondern schlichtweg kopieren und hinterherlaufen.

Viele bunte Vögel sind auch nur ein Haufen bunter Vögel…

Im Dezember letzten Jahres fragte die Autorin des populären Modeblogs bees and ballons (http://beesandballons.blogspot.com/) nach ausführlicher Darlegung ihrer Meinung über die Unterschiede der verschiedenen “Vogue”-Ausgaben welche denn ihre Lieblings-Vogue wäre. Etwa die Vogue Italia mit ihren außergewöhnlichen Editorials, die Vogue Germany mit ihrem Cover mit in rot gehaltenen Titel oder doch das zufriedenstellende Gesamtpaket der Vogue UK mit schönen Bildern und dem ein oder anderen Shoppingtipp? Eines scheint nach dem Lesen des Artikels klar. Die verschiedenen nationalen Ausgaben der Vogue sind auf jeden Fall unterschiedlich. Doch womit hängt dies zusammen? Handelt es sich um Zufall oder repräsentieren die Ausgaben doch den unterschiedlichen Geschmack verschiedener Nationen?

Erst letztens wurde die Vogue Germany und ihre Chefredakteurin, Christiane Arp, in der deutschen Medienlandschaft anlässlich ihres 30-järigen Geburtstages mit Aufmerksamkeit beschenkt. Die Geschichte der Vogue ist eine des Erfolgs, kaum ein anderes Modeblatt zeugt von derartigen Einfluss und Gewicht für die Modewelt. Schon in 18 Nationen erscheine die Vogue monatlich, doch mit ihren „Schwestern habe die deutsche Vogue inhaltlich wenig zu tun“[1], so der Artikel auf der Internetpräsenz des Focus. Christiane Arp sagt über die Zusammenarbeit der Zeitschriften: „Die deutsche, die britische und vor allem die US-Vogue sind alles originäre Hefte. Wir arbeiten völlig unabhängig voneinander.“[2] Nicht nur der Eindruck der Bloggerin, auch ein Blick in die Hefte bestätigt diese Aussage. Auch ein detaillierter Vergleich durch Auszählung von Brian Moeran zwischen der amerikanischen, französischen und der japanischen Ausgabe der Vogue eines Monats zeigt nicht nur Unterschiede in Seitenzahl, Cover, Anzahl der Werbungen und Güter der Werbung. Auch die Artikel und Fotostrecken befassen sich mit unterschiedlichen Inhalten.[3]

Die Vogue Italia wird in einem Interview mit Chefredakteurin Franca Sozzani als „elegant, extravagant, einmalig“[4] tituliert. Dieser Attribute sind nicht weit hergeholt, schließlich ist die Vogue Italia aufgrund ihres gelegentlichen Aus-der-Reihe-Tretens oftmals in aller Munde. So schmückten in der diesjährigen Juniausgabe die Übergrößenmodels Tara Lynn, Candice Huffine und Robyn Lawley das Cover. Die britische Presse wertete dies als Schritt der Chefredakteurin gegen Webseiten, auf denen Anorexia angepriesen wird.[5] Ähnlich setzte sie Statements für Gleichberechtigung mit der Ausgabe the black issue, in dem nur dunkelhäutige Models Portrait standen.

Sozzanis Aussagen widerlegen die These, dass die nationalen Ausgaben den Geschmack der Nation wiederspiegle.  Als sie ihren Posten übernahm, sei die Vogue Italia „ein hundertprozentig italienisches Produkt, gedacht für ein italienisches Publikum“[6] gewesen. „Ich wollte aber, dass sich das Heft international etabliert.“[7] Hier ist deutlich auszumachen, dass sich die Vogue Italia durch redaktionelle Schwerpunkte auszeichnet

Christiane Arp erklärt die Unterschiede jedoch anders: „Ich denke, dass es auch trotz Globalisierung eine deutsche Frau gibt, eine britische Frau und eine US-Frau.“[8] Hier ist wiederum der Geschmack der Leser/innen ausschlaggeben und die Chefredakteurin unterscheidet hierbei die Geschmäcker der verschiedenen Nationen. „Wir Deutschen leben nicht im Fashion-Land Nummer eins, die Menschen sind nicht so sehr auf Mode fokussiert, wie beispielsweise in Italien oder Frankreich. Das heißt, dass wir unseren Leserinnen auch andere Themen bieten“[9], so die Redakteurin über die Vorlieben der verschiedenen Leser/innen.

Letztlich lässt sich also feststellen, was für die verschiedenen Ausgaben der Vogue nicht zutreffen würde: Eine allgemeingültige Aussage. Es scheint wohl eine Mischung aus redaktionellen Vorlieben und nationalen Ansprüchen, gemixt durch die Einflüsse der internationalen Modeszene zu sein, wobei jede Ausgabe ihr eigenes Verhältnis dazu aufweist.

Die Bloggerin von anfangs hat sich übrigens nicht für eine Lieblingsausgabe entschieden. Sie kauft nach Laune.


[1] http://www.focus.de/panorama/boulevard/medien-die-deutsche-und132vogueund147-wird-30_aid_433674.html.

[2] Ebd.

[3] Brian Moeran: Elegance and Substance Travel East: Vogue Nippon. In: Becky Conekin, Amy de la Haye (Hg.): Fashion Theory. The Journal of Dress, Body and Culture. S. 250 f.

[4] http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,672444-2,00.html

[5] http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1393482/Italian-Vogue-uses-3-plus-size-models-cover-bid-battle-anorexia.html

[6] http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,672444-2,00.html

[7] Ebd.

[8] http://www.focus.de/panorama/boulevard/medien-die-deutsche-und132vogueund147-wird-30_aid_433674.html.  20.08.11

[9] Ebd.

 

Das Brautkleid. Für viele der Heiratswilligen (meist der weibliche Part), ist es mit das Wichtigste an ihrem großen Tag.

Schon seit jeher geben sich Menschen bei Hochzeiten besondere Mühe mit ihrem Äußeren. Von den Bräuten werden nicht immer weiße Kleider getragen, aber immer besondere Outfits, die den festlichen Anlass unterstreichen sollen. Die Auswah reicht vom “klassischen” weißen über knallbunte Ballkleider, Kostüme in schwarz oder weiß zu Trachtenmode und noch viel weiter. Dominierend ist heute aber das weiße Brautkleid, bei dem es unzählbar viele Varianten gibt. Egal, ob es sich um einen Seidentraum oder eine Tüll-und Taftkreation handelt, mit oder ohne Prinzessinnenschleppe, in Weiß oder Eierschalen, glatt am Körper der Braut herabfließend oder mit unzähligen Unterröcken,… Ich könnte die Liste um etliche Seiten weiterführen, soviele Design-Möglichkeiten gibt es. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie unterstreichen die Persönlichkeit und den Stil von Braut und Bräutigam.

Da das “klassische” Hochzeitskleid jedoch nicht immer weiß war, lohnt es sich einen Blick in die Vergangenheit dieses besonderen Kleides zu werfen.

Die Farbe WEIß

Anfang des 17. Jahrhunderts setzte sich die Farbe Weiß bereits in gehobeneren (oft adeligen)  Kreisen Europas als Brautkleidfarbe durch, was vermutlich mit der Wahl von Maria de Medici, bei ihrer Hochzeit im Jahr 1600 mit Heinrich V. ein beiges Brautkleid zu tragen, zusammenhing.

In den folgenden Jahrhunderten breitete sich der Trend des Tragen eines weißen Brautkleides auch in anderen Schichten aus. Auf dem Land dauerte die Annäherung an das weiße Kleid jedoch länger, da weiße Kleider im Alltag nicht zu gebrauchen waren und man so lieber auf den Sonntagsstaat oder eine ‘Tracht’ zurück griff.

Ende des 18. Jahrhunderts häufte sich das Auftreten weißer Brautkleider nach höfischen Vorbild in den Städten. Das schwarze Brautkleid wurde immer mehr ersetzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich auf dem Land neben den ‘Trachten’, immer noch schwarze Brautkleider. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg breitete sich das weiße Brautkleid “endgültig” aus.1

Simone Fopp geht soweit zu sagen, dass sich die weißen Brautkleider hartnäckig halten würden und als Erkennungsmerkmal der Braut her halten müssen.2

Wichtiger ist aber, dass weiße Brautkleider in der ersten Zeit ihres Aufkommens als Statussymbole galten, da sie nur reichen Bräuten zur Verfügung standen.

Weiß avancierte dann zu einem Symbol der Unschuld und Reinheit und Schwarz wandelte sich zu einer Farbe der Trauer. (Im frühen Mittelalter sah man Schwarz noch als “Schutzfarbe” an, in manchen arabischen Ländern trägt man auch heute noch an Beerdigungen weiße Kleider, um den Toten eine Ehre zu erweisen, heiratet aber in Schwarz.)

Das Brautkleid in der Antike

Bräute der Antike  trugen weiße Tuniken, die in der Taille mit einem Herkules-Knoten aus Holz getragen wurden. Zu dieser Tunika wurden eine Palla, eine Stola und ein Schleier in gelb oder rot (“Flammeum”) getragen.

Die Haare wurden geflochten und mit Blumen geschmückt, ein Frisurentrend, der sich über 2000 Jahre gehalten hat.

1Vgl. Karen Göner: Familiale Traditionen in der Betrachtung über mehrere Generationen- Ein Vergleich zwischen Einheimischen und Vertriebenen. In: Kurt Dröge (Hg.): Alltagskultur zwischen Erinnerung und Geschichte. München 1995, S. 74.

2Vgl. Fopp, Simone. Trauung- Spannungsfelder und Segensräume. Bern 2002, S. 356 ff.

Das Brautkleid im Mittelalter

Das Brautkleid zeigte Macht, Reichtum und Stellung der Familie in der Gesellschaft, es war also ungemein wichtig, dass das Kleid so reich wie möglich verziert war und aus teuren Stoffen genäht wurde. Für gewöhnlich hat man die Kleider aus bunten oder schwarzen Stoffen gefertigt. Wenn die Familie reich genug war, verwendete man bunte Stoffe (die teurer waren als schwarze Stoffe), in Blau, Grün oder Rot, welche dann mit goldenen oder silbernen Mustern bestickt waren. Zusätzlich brachte man Perlen, (Halb-)Edelsteine usw. auf oder bestickte sie damit.

In einfacheren Verhältnissen wurden schwarze Kleider gewählt, da diese im Alltag oder zumindest an Feiertagen wieder “aufgetragen” werden  konnten. Sie waren zweckmäßiger.

Seit dem 17. Jahrhundert trugen, wie oben erwähnt, immer mehr adelige Bräute helle Brautkleider. Berühmte Trägerinnen eines hellen Brautkleides waren Königin Victoria von England, Kaiserin Sissi und Prinzessin Eisabeth von England. Die Kleider waren jedoch, im Gegensatz zu heute, meist immer noch aus schwereren Stoffen, wie Samt oder Brokat gefertigt.

 

Brautkleider heute

Heute kann man sich meist den Luxus leisten, für die Hochzeit ein spezielles Kleid zu haben. Doch damit allein ist es nicht getan. Monate vor dem großen Tag besucht man ein Brautmodengeschäft, meist mit tatkräftigen Helferinnen, wie der besten Freundin, Mutter, Schwiegermutter und Schwester. Der Termin ist meist schon so getimt, dass mehrere Stunden ein Kleid nach dem anderen anprobiert werden kann. Der mit Sekt ruhig gestellten Damenrunde werden dann zuerst Kleider aus verschiedenen Stilrichtungen vorgestellt, um eine “engere” Vorentscheidung treffen zu können.

Ist das “Richtige” gefunden, wird es individuell angepasst. Das heißt, dass manche Modelle in der passenden Weißnuance bestellt werden können, Details des Schnittes verändert, weggelassen oder hinzugefügt werden und man die genauen Maße der Braut nimmt. Letzteres geht oft so weit, dass die Braut in einem Vertrag schriftlich bestätigen muss, ihr Gewicht bis zur Abholung des Kleides nicht mehr zu verändern.

Ist das Kleid erst einmal abgeholt, beginnt die Mission “Geheimhaltung”, da es ja bekanntlich Unglück bringt, wenn der Mann das Brautkleid vor der Hochzeit sieht; so werden begehbare Kleiderschränke oft zum Sperrgebiet oder man wählt als Aufbewahrungsort die Wohnung der Eltern/Freundin.

Idealerweise ist die Braut dann am Hochzeitstag die einzige Person, die Weiß trägt, da es ja immer noch zum guten Ton gehört beim Besuch einer Hochzeit kein Weiß oder Schwarz zu tragen.

Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr moderne Paare, die mit dieser Regel brechen. Manche Brautpaare entschließen sich dazu, dass Braut und Bräutigam in Weiß heiraten; Bräute die nicht mehr 20 sind oder bereits Kinder haben, halten eine nicht so unschuldige Farbe oft für passender und wieder andere Paare vermerken Kleiderwünsche an ihre Gäste bereits auf der Einladungskarte, beispielsweise eine Braut in knalligem Rot inmitten lauter weiß gekleideter Gäste oder die schlichte Bitte, jeder Gast möge doch bitte etwas Grünes tragen.

Nach der Hochzeit wird das Kleid dann entweder wieder verkauft, eingemottet oder wie bei meiner Tante auf einer Schaufensterpuppe im Flur ausgestellt.

Abschließend würde ich gern sagen, dass es mir schleierhaft ist, wie man über Jahrhunderte so ein Aufhebens wegen eines einzigen Kleides machen konnte, doch ich komme nicht umhin zu sagen, dass ich selbst heimlich ins Träumen gerate, wenn ich vor einem Brautmodengeschäft stehe. Ich bin eben auch nur eine Frau.

Verwendete Literatur:

  • Deneke, Bernward. Hochzeit. München 1971.
  • Karen Göner: Familiale Traditionen in der Betrachtung über mehrere Generationen- Ein Vergleich zwischen Einheimischen und Vertriebenen. In: Kurt Dröge (Hg.): Alltagskultur zwischen Erinnerung und Geschichte. München 1995, S. 74.
  • Fopp, Simone. Trauung- Spannungsfelder und Segensräume. Bern 2002, S. 356 ff.
  • Hanisch, Horst. Hochzeitsknigge 2010. Bonn 2011, S.107 ff.

 

 

In unserer westlich geprägten Kultur wird ein ovales Gesicht bei Frauen als besonders schön und ästhetisch wahrgenommen. Um diesem Schönheitsideal gerecht zu werden, kann frau in die Trickkiste greifen. Neben der Frisur kann auch der passende Ausschnitt zum gewünschten Ergebnis führen. Denn der Ausschnitt beeinflusst die Wahrnehmung der Gesichtsform in besonderem Maße.

Frauen, die ein rundliches Gesicht haben, sollten deshalb auf Rundaufschnitte verzichten, da diese das Gesicht noch runder erscheinen lassen und stattdessen lieber auf V-Ausschnitte zurückgreifen. Die Rundauschnitte eignen sich für herzförmige Gesichter, denn sie mildern das spitze Kinn. Frauen mit kantigen Gesichtern können Tops mit Wasserfall- oder Rundauschnitten tragen, die die Züge weich erscheinen lassen. Längliche Gesichter lassen sich am besten mit Rollkragenpullovern oder Blusen mit aufwendig voluminösen Kragen kombinieren, die so am besten einem länglich erscheinenden Gesicht entgegenwirken.

Hier ein paar Bespiele welchen Einfluss der Ausschnitt auf das Gesicht ausübt…

V-Ausschnitt

V-Ausschnitt

Carmen-Ausschnitt

Carmen-Ausschnitt

Rundausschnitt

Rundausschnitt

kein/kaum Ausschnitt

kein/kaum Ausschnitt

 

Wasserfall-Ausschnitt

Wasserfall-Ausschnitt

Seit einiger Zeit gibt es in der Mode-blogger- Welt ein immer bekannter werdendes Projekt:  “The 5 Piece French Wardrobe”. Hierbei  geht es darum, pro Modesaison nur jeweils  fünf, dafür etwas teurere und qualitativ hochwertige Teile zu kaufen, also 10 Teile pro Jahr.  Basics wie einfarbige Shirts, kleinere Accessoires oder Dinge, die man wirklich benötigt (wie beispielsweise Unterwäsche, Socken und Ähnliches), sind allerdings erlaubt und werden nicht gezählt. Um das schon mal vorweg zu nehmen: Die Erfinderin des Projekts selbst ist daran gescheitert, hat also nicht durchgehalten. Und viele Nachahmer auch nicht.

Auch ich stelle mir die Frage: “Qualität vor Quantität?”- besonders bei Taschen und Schuhen.

Ist es sinnvoll sich viele billige Schuhe zu kaufen oder wenige Paar, die gut verarbeitet und bequem zu tragen sind, die auch eine Weile halten und aus vernünftigem Leder gearbeitet sind? Denn wenn man den Preis der vielen, doch nicht recht passen wollenden Taschen und Schuhe aus billigem Kunstleder, die man alle paar Wochen ersetzen muss, zusammenrechnet, kommt ein Betrag zusammen, mit dem man sich locker etwas aus echtem Leder, von namhaften Marken kaufen könnte. Dann hätte man zwar vielleicht zehn und nicht dreißig Paar, diese stellen aber auch eine gewisse Investition dar.

Zwar sind viele Schuhe aufgrund der Markennamen teuer, allerdings habe ich festgestellt, dass die meisten auch einfach bequemer und besser verarbeitet sind als die Deichmann Schuhe, bei denen die Riemchen drücken, der Reißverschluss scheuert und der Absatz keinen Halt gibt. Und das ist mir das Geld wert. Bei Taschen ist das nicht anders.

Etwas differenzierter ist dies bei Kleidung zu sehen.  Zwar lege ich persönlich auch hier Wert  auf Qualität, aber bei Dingen wie Shirts, Tops, Röcke, etc habe ich lieber eine gewisse Auswahl, auch wenn diese qualitativ nicht so hochwertig sind und kaufe lieber öfters etwas Neues. Bei Jeans und beispielsweise (Leder-)jacken oder Blazer möchte ich allerdings schon etwas mehr ausgeben und dafür Qualität erwerben.

Optimal wäre ein Mix im Kleiderschrank aus Sachen im normalen Budget und etwas teureren Keypieces.
Trotzdem möchte ich mich daran versuchen, bei gewissen Dingen mehr auf Qualität statt Quantität zu setzen; mal keine 10 H&M Taschen pro Jahr zu kaufen und dafür stattdessen am Ende des Jahres vielleicht eine teurere.

Wie macht ihr das? Setzt ihr Qualität vor Quantität? Oder habt ihr lieber eine gewisse Auswahl und macht bei der Qualität Kompromisse?

Der Trauung ist ein Zeremonie zur Schließung einer Ehe und kann an verschiedenen Orten abgehalten werden, zumeist aber in einer Kirche oder in einem amtlichen Raum wie dem Standesamt. Die Kleidung für Brautleute und Hochzeitsgäste bei der Hochzeit unterscheidet sich je nach der Kultur und den Traditionen des Landes. In Serbien gab es dafür früher eine traditionelle Festtagskleidung. Heute tragen die Bräute in der Regel moderne Brautkleider in verschiedenen Schattierungen von Weiß oder Beige. Die Bräutigame kleiden sich in meist dunkelfarbige Anzügen. Aber man  kann auch zunehmend  Kombinationen mit traditionellen Teilen (Muster, Tücher etc.) beobachten.  

Obwohl jede Hochzeit anders ist, gibt es doch einige Bräuche, die bis heute bei der Hochzeiten eingehalten werden. Hier sind einige ihrer Bestandteile:  Ein Brauch ist die besondere Dekoration der Hochzeit, mit ihr danken die Braut und Bräutigam den Gästen für ihr Kommen und teilen  ihre Freude. Die Gäste werden zum Beispiel mit einigen Zweigen Rosmarin geschmückt. Rosemarin ist eine mediterrane Pflanze, schon seit der Antike wird er als Medizin, Gewürz, Aphrodisiakum geschätzt. Er symbolisiert Gelassenheit, Selbsvertvertrauen, Treue und Stabilität.
Nach der Hochzeit wirft die Braut ihren Blumenstrauss zu den unverheirateten Mädchen und Frauen. Die Braut wirft den Strauss über den Kopf nach hinten, so dass sie die Wartenden nicht sehen kann. Der Akt symbolisiert die Abtrennung vom alten Status – der Mädchenzeit.  Und es wird angenomme, dass wer den Strauss fängt, die nächste Braut sein wird und damit den Reigen fortführt.

Kollektivtrauung als neueste Entwicklung
In den letzten zehn Jahren wurde die Kollektivtrauung modern. Die Kollektivtrauung findet jedes Jahr  Mitte Mai statt. Die erste gemeinsame Hochzeit war im Jahr 1999 und damals haben 20 Paare daran teilgenommen. Im Laufe der Zeit hat sich die einstige Aktion mit Non-Profit-Charakter in ein touristische und wirtschaftlich bedeutendes, kulturelles und gesellschaftliches Ereignis verwandelt. Dieses Ereignis wird immer beliebter, so dass dieses Jahr schon mehr als 200 Paare geheiratet haben. Die Kollektivtrauung wird von der Stadt Belgrad finanziert und ist kostenlos für Brautpaare. Die Trauung findet vor der Belgrader Stadtverordnetenversammlung statt, wo mit einstimmigen Ja das Zeremoniell vollzogen wird. In den zehn Jahren seit Enstehen dieses neuen Brauchs gab es etwa tausend Paare  aus Serbien, Serbische Republik, Mazedonien, Montenegro, Kanada, Schweden, Dänemark und selbst eine Braut aus China.

Es ist nur ein Kopftuch- und doch ist es so viel mehr. Es ist das Symbol, um das sich Medien, Politiker, Religiöse und viele mehr streiten und hitzige Diskussionen immer wieder entstehen. Es sei das Zeichen der Unterdrückung der Frau, sagen die Gegner. Es sei das Zeichen der freien Entscheidungsfreiheit und der freien Religionsausübung, sagen die Befürworter. Folgendes Zitat dürfte den kontroversen Diskurs verdeutlichen:

“Im Kopftuch verknüpften sich so Autonomiebestrebungen, Modernitätserfahrung und männliche Machtdiskurse” 1

Alleine der Kopftuchstreit um Fereschta Ludin in Deutschland oder das Burka-Verbot in Frankreich dürfte die Problematik, die mit diesem Kleidungsstück oder besser gesagt Symbol verbunden ist, verdeutlichen. 2

Da es in diesem Seminar/Blog jedoch um Mode (und Medien) geht, möchte ich hier einmal die modische Seite des muslimischen Kopftuches beleuchten und nicht wie in den Medien oft kontrovers diskutiert das muslimische Kopftuch nur als Symbol der Religiosität.

“Zwar bestimmten (und bestimmen A.d.V.) Sitte und Tradition für die Frau das Tragen des Kopftuches, aber eine Kopftuchmode gibt es dazu sicherlich, die auch hier eine Zweckmäßigkeit einschließt.” 3

Reden wir einmal nur von dem Kopfschleier, der die Haupthaare und meist den Hals und das Dekolleté bedeckt, so ergeben sich hier alleine unzählige an modischen Unterschieden, die unter den Musliminnen z.B. in Internetforen, Modezeitschriften usw. diskutiert werden und hierbei modische Tipps und Tricks ausgetauscht werden. Als Beispiel sei folgende Homepage genannt, auf der die Journalistin Mariam Sobh verschiedene Trage- und Wickeltechniken erklärt:

http://www.hijabtrendz.com/hijabtrendz-tv/

Bei einer Internet-Feldforschung eröffnet sich einem eine endlose Welt an Fashion-Blogs, Online-Shops und Moderatgebern zum Thema Kopftuch-Mode. Was ich bei all diesen Seiten immer wieder feststellen musste, ist, dass vor allem junge Musliminnen ihr Kopftuch teils sehr selbstbewusst tragen: „Auf der ganzen Welt tragen Musliminnen, vor allem junge, gut ausgebildete Frauen, das Kopftuch als Zeichen einer von ihnen als modern verstandenen Auffassung von der Rolle der muslimischen Frau.“4 Das Kopftuch wird dabei teilweise sogar als modisches Accessoire eingesetzt, um damit dem Stil eine individuelle Note zu geben. Man sieht Kopftücher in leuchtenden Farben, unterschiedlichste Wickeltechniken oder in Kombination mit Schmuck wie Ohrringen, Ketten oder schönen Tuchklemmen. Einfarbige Kopftücher in grellen Tönen werden zu Schuhen und Accessoires wie Taschen in der passenden Farbe kombiniert oder in Kontrast zu der restlichen Kleidung gesetzt, wie man auf folgendem Fotos gut erkennen kann:

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Privat

Auch Regional ergeben sich Unterschiede in der Kopftuchmode:”Arabische Mädchen tragen häufig schalartige Tücher, manchmal gestreift und oft nur locker um den Kopf gebunden. Türkische Frauen tragen eher die viereckigen Tücher, die mit Nadeln festgesteckt werden.”5

In Ägypten wird das Kopftuch beispielsweise meist locker und in mehreren Lagen um den Kopf gewickelt:

Foto: Privat

In den Golfstaaten ist das Kopftuch meist in schwarz gehalten und mit Bordüren oder Stickereien verziert. Im Iran wird das Kopftuch meist so getragen, dass nicht das komplette Haupthaar verhüllt ist, sondern von der Stirn aus einige Zentimeter Haaransatz frei gelassen werden.

(Aus bildrechtlichen Gründen konnten hier leider keine Fotos dazu veröffentlicht werden.)

Ein Interview der Bloggerin Jana Kossaibati mit Hala Absi über die libanesische Kopftuchmode. Hala Absi ist  Mitgründerin von Bokitta (www.bokitta.com), einem libanesischen Shop für Hijab-Mode:

Jana: What do you think is special or unique about hijab style in Lebanon?

Hala: Lebanon is often called the Paris of the Middle East. Women in Lebanon tend to be trendy and care to stay in style. This is also reflected in the veiled girls’ dress in Lebanon; they always try to stay in style but are conservative and modest in their clothing. We do not have one particular style for hijabis in Lebanon; you can find alot of diversity in different regions of the country. The younger generation tend to be more daring with colors and fashionable items; they wear long tunics with pants or short ones with skirts, while the older generation are mainly into jilbabs and one color/neutral outfits.

Das Interview ist zu finden unter: http://www.hijabstyle.co.uk/

Doch muslimische Kopftücher unterscheiden sich nicht nur in ihrer Art des Tragens, sondern auch in Form, Farbe, Muster und Stofflichkeit. Für besondere Anlässe werden Eid-Kopftücher verwendet (eid= Fest, Feiertag). Hierbei werden besonders wertvolle Tücher aus Seide oder Satin verwendet, die teilweise sehr aufwendig verziert sind.


 

1Reinhard Schulze: Die Verhüllung  der Frau in islamischer Tradition. In: André Holenstein, Ruth Meyer Schweizer, Tristan Weddigen u. a. (Hg.): Zweite Haut, Zur Kulturgeschichte der Kleidung. Bern/Stuttgart/Wien 2010, S. 133

2 Vgl. dazu den Aufsatz von Janbernd Oebbecke: Das „islamische Kopftuch“ als Symbol. In: Stefan Muckel (Hg.): Kirche und Religion im sozialen Rechtsstaat. Festschrift für Wolfgang Rüfner zum 70. Geburtstag. Berlin 2003.

3Meral Akkent/Gaby Franger: Das Kopftuch. Ein Stückchen Stoff in Geschichte und Gegenwart. Frankfurt a.M. 1987, S. 13

4Janbernd Oebbecke: Das „islamische Kopftuch“ als Symbol. In: Stefan Muckel (Hg.): Kirche und Religion im sozialen Rechtsstaat. Festschrift für Wolfgang Rüfner zum 70. Geburtstag. Berlin 2003, S. 600f.

5Kommentar von der Muslimin Serra zitiert im Artikel vom 28.04.2009 von Silke Brandt: Neue Kopftuchmode in Deutschland. http://www.deutsche-islam-konferenz.de/nn_1875028/SubSites/DIK/DE/KopftuchGender/Kopftuchmode/kopftuchmode-node.html?__nnn=true

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